Wandern im Rosengarten – Vom Nigerpass zur Haniger Schwaige

Früh am Morgen ist es auf dem Parkplatz am Nigerpass noch ziemlich schattig – und kalt! Mit dem Linienbus bin ich von dem kleinen Dorf bei Völs am Schlern die kurvige Bergstraße hochgefahren. Dort unten, wo gerade die letzten Äpfel und Weintrauben  geerntet werden, versprachen die ersten Sonnenstrahlen einen warmen, milden Novembertag, den man sogar ohne Jacke verbringen könnte. Achthundert Höhenmeter weiter oben scheint aber schon fast der Winter vor der Tür zu stehen.

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Also erstmal warmlaufen und möglichst schnell auf die Sonnenseite! Das erste Stück des Weges zur Haniger Schwaige, der urigen Berghütte unterhalb der Vajolettürme, verläuft recht unspektakulär durch den Wald. Nur manchmal blitzt zwischen den Baumwipfeln eine Zacke des Rosengartens auf. Langsam gewinnt der Pfad an Höhe und mein Frösteln verschwindet schnell. Ein Schild macht auf die Nigerquelle aufmerksam. Oft schon habe ich mich gefragt, woher der Nigerpass seinen Namen hat und was er mit dem westafrikanischen Land bzw. dem bekannten Fluss zu tun hat. Aber anscheinend heißt ein kleines Bächlein, das sich aus den Schmelzwasser der Dolomitengipfel bildet, hier ebenso. In Sichtweite der Baumannschwaige wird der Anstieg noch mal ein bisschen steiler. Schwierig ist es hier abgesehen von den vielen Baumwurzeln aber nie.

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Schwarz- und Weißhorn am linken Bildrand

Je länger ich laufe, um so lichter wird der Wald und traumhafter der Ausblick. Der Schlern, einer meiner Lieblingsberge, kommt in den Blick. Von hier zeigt er sich von seiner weniger auffälligen Seite und liegt wie ein massiger, unförmiger Bergrücken da. Die Tschaminspitzen daneben beeindrucken schon mehr mit ihrer Gestalt. Rechts über mir ragt die Laurinswand in den Himmel. Atemberaubend ist die Sicht auf die steilen Wände der Dolomitengipfel, deren gigantischen Ausmaße auf den Fotos wie so oft leider nicht ganz rüberkommen. Eine ganz besondere Magie üben die Berge hier aus. Kein Wunder, dass Sagen in Südtirol eine große Rolle spielen. So soll das Berginnere der Laurinswand ein Schloss des gleichnamigen Königs beherbergen.

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An einem markant geformten Wegweiser finde ich endlich in der wärmenden Sonne einen schönen Platz zum Ausruhen und vor allem zum Gucken. Denn Aussicht gibt`s hier genügend. Hinter dem weiten Talkessel Bozens und dem Mendel-Gebirgszug tauchen in der Ferne die Eisriesen um Ortler und Brenta auf. Etwas näher sind der Latemar und die geologisch interessanten Zwillingsberge Schwarz- und Weißhorn zu sehen. Jetzt im Herbst, wenn sich die Lärchen goldgelb färben und die Luft so klar ist, hat man meist eine tolle Fernsicht. Und Ruhe! Im Hochsommer kann das auf den Wegen im Rosengarten schon mal anders sein, heute habe ich dieses wunderbare Fleckchen fast ganz für mich alleine.

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Über ausgedehnte Almwiesen geht es nun relativ flach weiter immer näher zu den Vajolettürmen. Was für eine bizarre Felsformation! Und die Haniger Schwaige liegt direkt darunter in einer Mulde. Hinter den sogenannten Angelwiesen verläuft der Weg etwas abwärts zur Hütte. Die rot-weiße Fahne weht im Wind. Ein untrügerisches Zeichen, dass auch jetzt so spät im Jahr noch geöffnet ist. Als eine der wenigen Hütten in den Dolomiten wird die Schwaige meist bis Mitte November bewirtschaftet.

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Könnt Ihr erkennen, welcher Vierbeiner sich aufs Bild geschmuggelt hat?

Ich suche mir einen Platz an einem der zahlreichen Tische. Diese sind fast wie in einem Theatersaal am Hang angeordnet. Wenn man ganz oben sitzt, hat man einen klasse Ausblick darauf, was die nette Hüttenwirtin alles an leckeren Speisen aus der Küche hinaus bringt, oder wer sich ein bisschen zu ausgiebig an der Schnapsflasche, die für jeden Gast zum Abschied auf einem Weinfass steht, bedient. Leider wird die Sonne immer milchiger und verschwindet hinter einigen Wolken. Es wird wieder frostig. Fast alle anderen Wanderer sitzen daher im gemütlichen Gastraum. Nur ich nicht. Wenn ich schon mal hier bin, soll doch jede Sekunde mit diesem Traumblick auf die Bergwelt genossen werden. Ganz alleine bin ich übrigens nicht. Zwischen den Tischen und unter den Bänken hoppeln Hasen umher!

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Irgendwann wird es aber auch mir zu kalt. Der Kakaobecher wärmt meine klammen Finger nicht mehr und auch die Reste des für mich viel zu großen, aber sehr leckeren Kaiserschmarrns werden langsam kalt. Zeit, aufzubrechen. Aufs Schnapserl verzichte ich, der Weg runter nach Tiers ist noch lang. Hinter der Hütte befindet sich übrigens ein Gehege mit Ziegen und Hängebauchschweinen. Damit und dem leichten, aber abwechslungsreichen Wanderweg ist die Haniger Schwaige auch ein ideales Ziel für Familien.

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Um ins Tal zurückzukehren, wähle ich die Strecke über die Plaflötschalm. Das ist zwar weiter als der Verbindungsweg 7a durch den Wald zur Nigerpass-Straße, landschaftlich aber viel schöner. Da ich mit dem Bus angereist bin, habe ich den Vorteil, nicht mehr zum Startpunkt hoch oben am Nigerjochhaus zurückkehren zu müssen. Von Plaflötsch aus hat man noch mal einen wunderschönen Blick auf den Rosengarten. Immer wieder muss ich mich hier umdrehen und das Bild dieser Zauberbergwelt aufsaugen und in meinem Kopf festbrennen.

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Vorbei an Wiesen und Scheunen führt der Weg später durch Wald runter nach Sankt Zyprian. In dem kleinen Ort kurz vor Tiers am Rosengarten finde ich schnell eine Haltestelle, an der der Bus nach Bozen mich wieder zurück in meinen Ferienort bringt.

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In unseren zahlreichen Urlauben hier in Südtirol haben wir im Herbst schon jedes erdenkliche Wetter erlebt. Auch bei Schnee kann man die Haniger Schwaige ganz gut erreichen. Ist der tiefer, bietet sich eine Schneeschuhwanderung an. Auf der Homepage der Hütte findet man die genauen GPS-Daten und andere Informationen.

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 Informationen zur Wanderung:

  • Anfahrt über Bozen – Tiers am Rosengarten – Richtung Karerpass (alternativ übers Eggental – Karerpass – Nigerpass)
  • Mit dem Bus Linie 185 lässt sich der Nigerpass von Bozen aus sehr gut erreichen. Von Tiers am Rosengarten/St. Zyprian fährt auch die Linie 176 nach Völs am Schlern.
  • Ausgangsort ist der Nigerpass auf 1690 m. Dort gibt es einen großen Parkplatz. Sollte man dort parken, unbedingt auf die Busfahrzeiten achten. Später am Tag fährt die Linie 185 nicht mehr hoch Richtung Karerpass.
  • Endpunkt: St. Zyprian
  • Höhenunterschied: 400 Meter im Aufstieg, 950 Meter im Abstieg
  • Gehzeit: insgesamt 3 bis 4 Stunden
  • Diese Wanderung ist insbesondere für Familien mit lauffreudigen Kindern zu empfehlen. Nicht nur wegen der Tiere auf der Haniger Schwaige. Der Weg ist abwechslungsreich zu laufen, hin und wieder kommt man auch an fantasievoll geschnitzten Wegweisern und Skulpturen vorbei.
  • Hundehalter sollten genügend Wasser mitnehmen. Im Sommer sind die Bäche oft ausgetrocknet, im Herbst schon manchmal zugefroren. Der Weg ist in der Hochsaison stark frequentiert, später im Jahr wird es ruhiger. Zur Almzeit befinden sich dort Kühe, deren Weiden man quert. Im Bereich der Haniger Schwaige hoppeln freilaufende Hasen umher!

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Wandern in Südtirol

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4 Gedanken zu „Wandern im Rosengarten – Vom Nigerpass zur Haniger Schwaige

  1. Wow Carolin,
    welch eindrucksvolle Bilder. Da kann man nur ins Schwärmen kommen und neidisch sein. Ich plane für den Sommer auch eine kleine Wanderung wo muss jedoch noch entschieden werden.
    Faszinierend wie sich die Landschaft durch die vielen Höhenmeter verändert, die Natur ist einfach unbeschreiblich.

    Freue mich auf weitere Beiträge von dir 🙂

    Liebe Grüße,
    Gert

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  2. Wahnsinn Carolin,

    so ein schöner Bericht mit umwerfenden Fotos, toll gemacht!
    Du hast mir erstens Lust auf den Herbst und zweitens auf genau diese Wanderung gemacht. Wer weiß? Vielleicht fahre ich ja schon diesen Herbst wieder zu unseren Nachbarn? 😉

    Liebe Grüße,
    Eva

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