Ein Tag am Reindersmeer – Wandern in den Maasduinen

Als Freunde mich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit zum Reindersmeer nahmen, war ich ganz überrascht, diese nur wenige Kilometer entfernt von der deutschen Grenze liegende, wunderschöne Landschaft zu entdecken. Aus dem Geheimtipp von damals hat sich zwar mittlerweile ein touristischer Magnet entwickelt, der zahlreiche Ausflügler anzieht. Gerade an schönen Wochenenden ist der Parkplatz voll mit Autos nicht nur aus Holland, sondern auch aus halb NRW. Dank des hervoragend ausgeschilderten und weitläufigen Wanderwegenetzes findet man aber schnell wieder ruhigere Ecken in diesem Teil des Nationalparks Maasduinen.

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Wandern in den Maasduinen

Wasser, Wind und Sand formten den Nationalpark De Maasduinen in der niederländischen Provinz Limburg. Jahrtausendalter Flugsand, abgelagert von Rhein und Maas und vom Wind verbreitet, ließ den längsten Binnendünengürtel in den Niederlanden entstehen. 23 Kilometer lang schlängeln sich die Maasduinen zwischen Mook in der Nähe Nijmegens und fast bis Venlo, eingebettet von Maas und der Grenze zum Westen Deutschlands. Durch die unterschiedlichsten Landschaftsformen wie Heidegebiete, Moore, Wälder und Wasserflächen fühlen sich viele Tiere hier wohl. Mit ein bisschen Glück entdeckt man Seeadler, Eisvögel, Eidechsen, Kraniche, sogar eine (ungiftige) Schlange oder die Knoblauchskröte, die ihre Feinde mit einem ganz besonderen Duft in die Flucht schlägt.

Vom Baggersee zum Naturschutzgebiet

Mitten in den Maasduinen liegt das Reindersmeer. Bis 2001 wurden hier ordentlich Sand und Kies ausgebaggert. Um die Abgrabungen wegzutransportieren, schuf man einen Kanal zum Leukermeer und damit auch eine Verbindung zur Maas. Nach Ende des Sandabbaus mussten die dadurch entstandenen Schäden wieder ausgeglichen werden. Ufer wurden renaturiert, Rückzugsbereiche geschaffen und Moore wieder hergestellt. Aus der Schleuse entstand nicht nur ein schönes Cafe, sondern auch das Besucherzentrum, in dem man sich über die Region und Natur informieren kann.

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Dass Ökologie und Tourismus Hand in Hand gehen können, zeigt sich wie so oft in den Niederlanden auch hier. Anders als am benachbarten Leukermeer sind Wassersport, Schwimmen und Angeln verboten. Hunde sollen an der Leine bleiben und bestimmte Uferbereiche dürfen nicht betreten werden. Trotzdem bieten sich dem Besucher genügend Möglichkeiten, die Natur am Reindersmeer zu genießen. Mehrere Wanderwege mit unterschiedlichen Streckenlängen stehen zur Verfügung. Von der kurzen Schnuppertour, die auf ihren 2,5 km auch rollstuhlgerecht ist bis zur 8 kilometerlangen Rundwanderung, für die man wegen des teils hohen Sandes etwas mehr Zeit einplanen sollte als auf einem befestigten Weg.

Einmal rund ums Reindersmeer und mitten durch

Um alles an landschaftlichen Eindrücken und Besonderheiten des Reindersmeeres mitzunehmen, empfehle ich, den See in einer Acht zu umrunden. In einer Acht? Ja, das geht – auch ohne nasse Füsse zu bekommen. Ersteinmal starten wir aber am Besucherzentrum und dem großen Parkplatz. Der Weg führt leicht ansteigend durch ein Kieferwäldchen vorbei an holzgeschnitzen Tierfiguren und kleinen Aussichtsplattformen, von denen  man die tolle Färbung des Wassers bestaunen kann. Besonders, wenn die Sonne scheint, schimmert der See in fast unwirklichen Farben. Leider war es bei meinen letzten Besuchen meist bewölkt, und so kommt die Besonderheit des Reindersmeeres auf den Fotos nicht richtig zur Geltung.

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Nach wenigen Minuten erreichen wir einen sehr schön angelegten Spielplatz mitten im Wald. „De Boskoel“ nennt sich dieser nette Platz und Kinder können hier mit und in der Natur spielen, klettern und balanzieren. Falls Eltern nun Probleme haben, die kleinen Wanderer zum Weiterspazieren zu bewegen: die nächste Attraktion lässt nicht lange auf sich warten.

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Das „Trekpontje“ steht bereit. Mit der Fähre kann man sich selber bis zum gegenüberliegenden Ufer ziehen. Das geht ganz schön in die Arme. je mehr mithelfen, um so besser! Oft erhält man aber auch noch zusätzlich Unterstützung von den am Ufer wartenden anderen Ausflüglern. Weil uns die kleine Bootsfahrt jede Menge Spaß macht, drehen wir die besagte Acht ums Reindersmeer und nutzen die Fähre gleich zweimal. Wer nicht ganz schiffstauglich ist, kann den See natürlich auch ohne Boot umrunden. Oder aber man nutzt die Überfahrt und halbiert die Wanderung. Ich selber würde dann den von Fähre und Cafe links liegenden Teil bevorzugen.

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Der Hund findet es auf der Fähre ein wenig aufregend.

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Abwechslungsreich ist die Natur hier überall. Fast egal ist es, welche Richtung man einschlägt.  Lagunen, kleine Inseln, und Heidelandschaften säumen den Weg. Mal hat man freien Zugang zum Wasser, dann ist das Ufer wieder dicht bewachsen und manchmal gibt es regelrechte Steilhänge. Die Natur ist hier immer noch in Bewegung. Wasser und Wind arbeiten an ihr und geben der Landschaft ständig ein neues Gesicht. Auch die knorrigen Kiefern ringsherum sind vom oft durchs Land ziehenden Wind geformt. Informationstafeln geben Auskunft über die Besonderheiten der Natur. Eine kleine Hütte ermöglicht die Beobachtung der vielen Vogelarten, die hier vorkommen. Verschiedene Wildgänse, Reiher, Wattvögel, aber hin und wieder auch Seeadler, Eisvögel oder Kornweihen kann man mit Glück entdecken.

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Immer wieder laden Aussichtsbänke zum Picknicken und Ausruhen ein. Acht Kilometer hören sich ja erstmal nicht allzu lang an. Da es aber oft weglos durch den Sand geht, kann das ganz schön anstrengend sein, besonders an einem warmen Hochsommertag. Ein Besuch am Reindersmeer lohnt sich das ganze Jahr über. Besonders interessant ist es natürlich zur Vogelflugzeit oder im September, wenn die Heide blüht.

herbst-reindersmeerEin schöner Abschluss dieser Wanderung ist immer ein Besuch der Brasserie in der ehemaligen Schleuse. Manche Tische im Innenraum ähneln fast Museumsvitrinen, sind unter den Glasoberflächen nämlich einige Naturfunde ausgestellt. Und selbst auf den Toiletten kann man sich länger aufhalten und die vielen Weisheiten an den Wänden durchlesen. Wieviel Klopapier man im Jahr so verbraucht oder was es mit Magengeräuschen auf sich hat, erfährt man dort! Apropos Magen. Die Speisekarte des Cafes kann sich sehen lassen. Einige, glücklicherweise auch vegetarische Limburger Spezialitäten gibt es dort, besonders mag ich das überbackene Bauernbrot „Maasduinen“ mit Brie, Nüssen und Apfelsirup aus Limburg.

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Ich bin übrigens nicht die erste Bloggerin, die das Reindersmeer für sich entdeckt hat. Tolle Berichte gibt es auch hier: Fotografische Reisen und Wanderungen, Waalheimat und Wanderwegewelt. Auf diesen Blogs findet Ihr dazu viele andere Wandertouren und Ausflugstipps in den Niederlanden!

Infos:

  • Ausgangspunkt: Besucherzentrum Bosbrasserie in de Sluis, Bosserheide 3E, 5855 EB Well
  • Anfahrt über Venlo und die N271 in Richtung Nijmegen. Von Weeze oder Kevelaer aus gibt es auch ein paar „Schleichwege“, die aber nicht ganz einfach zu finden sind. Genügend kostenlose Parkplätze sind vorhanden.
  • Die Wanderwege sind bestens ausgeschildert. Farbige Markierungen unterscheiden die verschiedenen Streckenlängen. Oft trifft man auch auf Karten am Wegesrand. Die Auszeichnung und Richtungsweisung der Knotenpunkte ist wirklich vorbildlich! Eine Kombination mit weiterführenden Wanderungen in den Maasduinen ist ebenfalls möglich.
  • Öffnungszeiten der Brasserie (2018): vom 1.März bis 3. November jeden Tag, vom 4. November bis 1. März Dienstag – Donnerstag geschlossen.
  • Hunde müssen angeleint sein (woran sich, wie so oft, leider nicht jeder hält). In den Maasduinen gibt es an anderer Stelle spezielle Freilaufgebiete. Infos finden sich in einem Flyer speziell für Hundehalter. Willkommen sind Hunde in der Bosbrasserie.

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Wandern in Holland

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7 Gedanken zu „Ein Tag am Reindersmeer – Wandern in den Maasduinen

  1. Hallo Carolin,
    sehr schön. Also bis Düsseldorf bin ich ja schon gekommen und das beruflich sehr oft. Aber nie weiter wird. Deine Bilder machen und die Beschreibung machen echt Lust auf den Niederrhein.
    Liebe Grüße
    Oli

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Oli!
      Als ehemalige Wahlkölnerin, die zeitweise in Düsseldorf gelebt hat, muss ich Dir leider sagen, dass Du da anscheinend landschaftlich nicht die gerade die schönsten Seiten Nordrhein-Westfalens kennengelernt hast! Richtig nett wird der Niederrhein erst kurz vor der holländischen Grenze. Ehrlich gesagt, vielleicht auch erst dahinter…
      Liebe Grüße
      Carolin

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  2. Liebe Carolin,
    so ein schöner und informativer Beitrag über das Reindersmeer. Ich war ewig nicht mehr dort. Wenn ich so überlege, war Cabo da noch ein Jungspund. Jetzt ist er zehn. Es wird also noch mal Zeit, dem Reindersmeer einen Besuch abzustatten. Was mich davon abhält, ist der mögliche Rummel dort. Den mag ich am Wochenende nicht haben. Vielleicht ist es samstags nicht so voll. Vor allem, wenn man zeitig fährt. Denn wenn ich deine Fotomotive sehe, will ich auch. 😀

    Viele Grüße
    Silvana

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo Silvana!
      Lieben Dank Dir!
      Ja, ich war bei den letzten Besuchen dort erstaunt, wieviel mehr am Reindersmeer los ist als noch vor einigen Jahren. Allerdings achte ich, seitdem ich den Chaoshund habe, auch mehr darauf.
      Je weiter man sich vom Cafe wegbewegt, um so ruhiger wird es. Darum lass Dich nicht davon abhalten, dorthin zu fahren. Cabo hätte wahrscheinlich auch weniger Schiss auf der Fähre als Panda 😏.
      Liebe Grüße
      Carolin

      Gefällt 1 Person

  3. Dann mal los, liebe Elke! Auch wenn dort mittlerweile wesentlich mehr Betrieb ist, lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall.
    Aber ich weiß, es gibt soo viele schöne Wanderziele, dass leider immer zu wenig Zeit dafür ist.

    Viele Grüße
    Carolin

    Gefällt mir

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