Ein Adlerhorst im Silvrettagebirge – Die Saarbrücker Hütte

Es ist noch früh am Tag, der Parkplatz auf der Bieler Höhe ist aber schon gut gefüllt. Kein Wunder, schließlich beginnen hier auf etwas mehr als 2000 Metern Höhe einige wunderschöne Hochgebirgswanderungen. Außerdem lockt der Silvrettastausee mit seinem fast schon fjordähnlichen Aussehen besonders bei gutem Wetter zahlreiche Tagesausflügler an, die den See auf einem leichten Spazierweg umrunden wollen.

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Während die meisten Wanderer in Richtung Wiesbadener Hütte starten, ist zumindest heute auf dem Weg, den wir einschlagen, bedeutend weniger los. Unser Ziel ist die Saarbrücker Hütte, die mit 2538 m als höchstgelegene Schutzhütte im Silvrettagebirge gilt und auf der Südostgrat-Schulter des Kleinlitzners liegt. Um auf den Pfad dorthin zu gelangen, müssen wir aber erstmal ein wenig abwärts zum Madlenerhaus laufen. Hier hat schon Ernest Hemingway in den 30er Jahren übernachtet und die Bergeinsamkeit mit Skiern erkundet. Die Hütte ist zur Zeit allerdings noch bis mindestens Ende 2018 geschlossen, denn tief im Inneren des Berges entsteht gerade ein neues Wasserkraftwerk. In ein paar Jahren soll aber nichts mehr von der riesigen Baustelle zu sehen sein. Renaturierung und ökologische Baubegleitung sind wichtige Eckpfeiler dieses gigantischen Projektes.

Man darf gespannt sein. Im Moment fühlt es sich jedenfalls etwas befremdlich an, zwischen all den Lastwagen, Rohren, Baggern und Wohncontainern der Bauarbeiter vorbeizuwandern. Kurz hinter der Baustelle beginnt dann aber pure Bergidylle. Ein paar Meter unterhalb des Weges rauscht die noch junge Ill, weiter entfernt pfeift ein Murmeltier und vor uns liegen ein paar Kühe genau dort, wo sie am liebsten liegen. Mitten auf dem schmalen Pfad. Ohne Hund wäre mir das egal. Mit ihm wird es aber die erste kleine Herausforderung auf dieser Wanderung, die dank entspannter Kühe und strenger Blicke Richtung Hund jedoch ohne Zwischenfälle gemeistert wird.

Das nächste Ansteigen meines Adrenalinspiegels verursacht dann ein kleines Schild am Wegesrand: Achtung STEINSCHLAG! Auch wenn die Wände der Lobspitzen weit über uns gar nicht so bedrohlich aussehen, die Warnung alleine reicht und mein Puls ist so hoch wie er eigentlich erst nach der noch kommenden steileren Strecke sein sollte. Aber auch hier passiert nichts und die Steine bleiben da, wo sie hingehören. Durch lilafarbende Blumenmeere steigen wir immer weiter hoch und gelangen auf die weite Hochfläche der Tschifernella.

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Tschifernella! Das klingt so schön wie es aussieht. Kleine Bäche, Wollgrasinseln und im Hintergrund die imposanten Gipfel der Silvretta. Die Gipfel der Lobspitzen sind nur selten besucht. Darum sind die Hänge und Bergwiesen in diesem Gebiet auch ein perfektes Refugium für Schnee- und Birkhühner. Auch die Steinwildpopulation wächst hier wieder. Während wir Ausschau nach den alpinen Bewohnern halten und tatsächlich einen einzelnen Steinbock mit riesigem Geweih entdecken, fällt auch die Saarbrückener Hütte in unseren Blick.

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Was für eine Lage! Wie ein Adlerhorst klebt das Berghaus auf einem Felssporn unterhalb des Kleinlitzners. Von weitem wirkt das sehr beeindruckend, aber auch unnahbar. Wie soll man denn um Himmelswillen dort als normaler Wanderer hinaufkommen, frage ich mich immer wieder. Zunächst ist der Weg aber abgesehen von dem ein oder anderem Höhenmeter recht einfach zu laufen. Ein paar kleinere Geröllfelder und Blockwerk müssen gequert werden, richtig steil runter geht es aber neben den Wegspuren nirgendwo. Gefährlich könnte höchstens der kleine See sein. Es ist so wunderschön hier, dass man glatt die Zeit und sein eigentliches Ziel vergessen könnte!

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Na, findet Ihr die Hütte?

Kurz vorm letzten Aufstieg zur Saarbrücker Hütte verliert der Weg dann leider einiges an Höhenmetern. Ein kleiner Gletscherfluss, der Kromerbach, wird mit Hilfe einer Holzbrücke überwunden. Dass das letzte Stück zur Hütte doch wesentlich harmloser ist als aus der Ferne betrachtet, sieht man erst jetzt. Etwas steinig und steil erreicht man in wenigen Serpentinen das Ziel dieser Wanderung. Alternativ führt sogar ein breiter Fahrweg hoch.

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saarbruecker-huette-silvrettaOben an der Hütte finden wir noch ein gemütliches, windgeschütztes Eckchen und genießen die imposante Aussicht auf die Litzner- und Seehorngruppe. Anders als auf dem recht einsamen Weg hierhin, herrscht auf der Terrasse emsiges Treiben. Nicht nur Tagesgäste trudeln ein. Die Saarbrücker Hütte ist auch ein beliebter Ausgangspunkt für anspruchsvollere Touren und ideales Übungsgelände für Ausbildungskurse im Kletterbereich. Wer mit Kindern mal in den Bergen übernachten will, ist hier gut aufgehoben. Vom Alpenverein mit dem Qualitätssiegel „Mit Kindern auf Hütten“ ausgezeichnet, findet man an diesem Standort kinderfreundliche Gastlichkeit und Platz zum Spielen.Der Zahn der Zeit bzw. des Klimawandels nagt aber auch hier. Die Gletscher schrumpfen immer mehr und die steigenden Temperaturen stellen auch die Hüttenwirte in Zukunft vor kostenspielige Probleme. Eine neue Wasserzufuhr muss bald her, da der Gletscher, der die Hütte bisher mit Wasser versorgte, irgendwann dazu nicht mehr ausreicht.

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Nach einer leckeren Portion Spätzle heißt es aber Abschied nehmen von der Saarbrücker Hütte. Statt wie auf dem Hinweg über die Tschifernella geht es nun über den Fahrweg ganz gemütlich Richtung Vermuntstausee. Deutlich erkennt man hier die Spuren, die die einst riesigen Hanggletscher hinterlassen haben. Überall am Weg liegt Gletscherschutt, Moränenwälle und vom Eis glatt geschliffener Fels begleiten uns. Bei den Schwarzen Böden gelangen wir auf eine Karfläche, auf der sich Schmelzwasser – durch feinste Gesteinsteilchen milchig weiß gefärbt – sammelt und sich zum Kromerbach vereint. Immer entlang des kleinen, munter dahinplätschernden Gebirgsbaches erreichen wir schließlich die Abzweigung zur Bieler Höhe.

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Im Nachhinein wäre es vielleicht sinniger gewesen, den Hüttenversorgungsweg einfach weiter zum Vermuntstausee zu laufen. Das wäre nicht mehr weit gewesen und mit dem Bus, der vom Montafon aus zur Bieler Hütte fährt, hätte man den letzten Wegabschnitt deutlich verkürzen können. Der Pfad schlängelt sich zwar nur in einem leichten Auf und Ab die 100 Höhenmeter zum Silvretta-Stausee hinauf. Aber die Luft wird immer drückender, am vor wenigen Stunden noch strahlendblauen Himmel türmen sich erste dicke Wolken als Vorboten der am Abend angekündigten Gewitter auf. Nach zähen 90 Minuten erreichen wir endlich die kleine Vermuntalpe in der Nähe unseres Parkplatzes. Eine große Schweineherde tobt hier auf der Bergwiese ausgelassen umher. Selten habe ich so glückliche Schweine gesehen, die sich ihres Lebens freuen. Das endet zwar leider auch irgendwann auf dem Brotzeitteller, aber war sicherlich schöner als so manch anderes Schweineleben!

Informationen zur Wanderung:

  • Reine Gehzeit: 6 Stunden
  • Höhenmeter: jeweils 710 hm im Auf- und Abstieg
  • Weglänge: 13,75 km
  • Die Saarbrücker Hütte ist je nach Wetterlage vom 29. Juni bis 30. September 2018 geöffnet. Zur Homepage der Hütte geht es hier.
  • Anreise über das Montafon und die Silvretta-Hochalpenstraße oder über Galtür im Paznaun und Hochalpenstraße (in beide Richtungen mautpflichtig).
  • Die Bieler Höhe ist von beiden Seiten aus gut mit dem Linienbus erreichbar, allerdings sollte man die letzte Verbindung und die Uhrzeit im Blick haben.
  • Für etwas ältere, trittsichere Kinder gut geeignet. Der Weg ist sehr abwechslungsreich, im Bereich der Saarbrücker Hütte kann man Kletterer beobachten und mit Glück auch Steinböcke.
  • Hunde finden viele Trinkmöglichkeiten. Das Wasser ist allerdings wegen der Gletschernähe meist recht kalt. Kuhbegegnungen am Tage unserer Wanderung nur ganz am Anfang der Tour und in Sichtweite Richtung Vermuntstausee.
  • Ihr seid lieber bei Schnee in den Bergen? Die Saarbrücker Hütte hat auch vom 23.3. bis 08.04.2018 für Skitourengeher geöffnet. Nicht weit entfernt, allerdings auf der Schweizer Seite hat Sepp am Berg einen interessanten Gletscherkurs absolviert.

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