Von Knödeln und Lärchen, Pferden und Märchen – auf dem Sagenweg zwischen Jenesien und Langfenn

Einfach mal die Seele baumeln lassen, durch wunderschöne Lärchenlandschaften wandern, frische Waldluft riechen, den Ausblick genießen. Auf dem Salten, einem Höhenzug am Tschögglberg, der wiederum ein Bergrücken zwischen Bozen und Meran ist, klappt das hervorragend. Gerade jetzt im Herbst, wenn sich die vielen Lärchen goldgelb verfärben und man oft einen wunderbaren Fernblick auf die teils schneebedeckten Gipfel ringsherum hat, ist die ideale Zeit für eine Wanderung in dieser märchenhaften Umgebung.

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Schon die Busfahrt von Bozen nach Jenesien ist ein Erlebnis! Eine kurvige, aussichtsreiche Bergstraße führt hinauf zu dem kleinen Dorf. An der Endstation steigen wir aus und warten auf den Tschögglbergbus, der ein paar Mal am Tag Jenesien und Hafling miteinander verbindet. So können wir den doch etwas zähen Aufstieg zum Ausgangspunkt des Sagenweges vermeiden.

Tomanegger Aussicht zum Schlern

Die Busstrecke führt auf einer kleinen Straße durch dichten Nadelwald. Dummerweise verzähle ich mich bei den Haltestellen. Wir steigen aus und stehen einsam und allein im tiefsten Wald. Kein Wanderweg, keine Häuser, rein gar nichts. Wofür soll diese Bushaltestelle gut sein, frage ich mich. Vielleicht für den Fuchs und den Hasen, die die einzigen sein werden, die sich hier Gute Nacht sagen?

Naja, dann laufen wir halt den restlichen Weg zum Gasthaus Tomanegger auf der Fahrstraße. Links vom Hof führen uns Wegweiser zur Hochfläche des Salten. Pferdeweiden müssen überquert werden. Die meisten der Haflinger beachten uns kaum. Nur eins der hübschen Pferde scheint zu riechen, dass ich mir am Morgen leckere, süße Teilchen beim Bozener Bäcker gekauft habe, und versucht meinen Rucksack aufzuknabbern. Ein strenger Blick und ein „Jetzt aber ab mit dir“ reichen, dass es von mir und meinem Proviant ablässt.

Immer wieder treffen wir auf auf den Lärchenwiesen auf die sogenannten Schupfen. Kleine Holzhütten, für die der Salten ebenso bekannt ist wie für die Lärchen. Fast alle mit einer Außentoilette zwischen den Bäumen. Einmal im Jahr, im September nämlich, findet dort ein Fest statt, dass genau das Richtige für mich wäre: Wandern und essen auf dem Schupfenfest. Mehrere Hütten öffnen dann ihre Türen und bieten Südtiroler Hausmannskost an.

Während des Hochlaufens treffen wir keine einzige Menschenseele. Auf dem Sagenweg, den wir bald kreuzen, ändert sich das aber merklich. Kein Wunder, es ist Wochenende und schönstes Wanderwetter. Trotzdem umgibt den Salten eine wunderbare Stille. Die großen Lärchen mit ihren knorrigen Stämmen lassen genügend Sonnenlicht auf die Wiesen unter ihnen fallen. Am liebsten würde man sich auf das weiche Gras legen und einfach nur in den blauen Himmel gucken. Nur wenige Stunden zuvor sind wir noch durchs quirlige, laute Bozen gelaufen und nun findet man sich in einer anderen Welt. Fast wie im Märchen. Dass es genau hier einen Themenweg gibt, der sich mit den Sagen aus der Umgebung befasst, passt.

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Zwischen dem Gasthof Edelweiß und Langfenn findet man einige Stationen, die liebevoll von den Grundschulkindern Jenesiens gestaltet wurden. Somit ist dieser Weg ideal für Familien. Nach den nächsten Figuren Ausschau zu halten – manche hängen in den Ästen oder verstecken sich hinter einem Baum – motiviert Kinder wahrscheinlich mehr als die herrliche Aussicht, die auf der einen Seite bis zum Ortler und den Ötztaler Eisriesen reicht, und auf der anderen zu Rosengarten, Schlern und vielen anderen Dolomitengipfeln.

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Eigentlich denke ich auf der gesamten Wanderung nur einen einzigen Satz: „Was ist das schön hier!“

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Ein kleines Stückchen versperrt nun ein dichter Nadelwald den Ausblick, aber schon bald gelangt man wieder auf Wiesen. Weithin sichtbar thront die kleine Kirche St. Jakob auf einem Hügel, der sich Langfenn oder auch Lafenn nennt. Zusammen mit der daneben liegenden Gastwirtschaft ein beliebtes Ausflugsziel. Von allen Seiten treffen hier Wanderer ein, quasi ein Knotenpunkt auf dem Tschögglberg.

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Wir setzen uns in die Sonne und was sehe ich da in der Speisekarte? Ein Knödeltris, also drei verschiedene Knödel und einer davon ist aus Schüttelbrot gemacht! So viele verschiedene Sorten habe ich bisher schon in Südtirol gegessen, ein Schüttelbrotknödel war noch nie dabei. Sehr lecker, das Essen ist hier wirklich preisverdächtig. Die Wartezeit allerdings auch. Die Wirte nehmen das aber mit Humor und Selbstironie und ein Schild an der Hauswand verrät schon, dass man ein wenig Geduld mitbringen sollte. Kein Problem bei dieser Aussicht und auch Kinder sind auf dem netten Spielplatz gut beschäftigt! Etwas schade finde ich, dass auf der kleinen Wiese neben der Kirche gleich mehrere Schilder darauf hinweisen, dass hier kein Picknickplatz ist.

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Irgendwann ist dann aber doch Zeit zum Aufbruch. Wir laufen erstmal dieselbe Strecke wie auf dem Hinweg. Dort, wo wir vom Tomanegger auf den Sagenweg hochgelaufen sind, könnte man auch in die andere Richtung abzweigen, um einen Abstecher zum Gschnofer Stall  zu machen. Auch da gibt es leckere Knödel 😉 . Diesmal entscheiden wir aber geradeaus den breiten Hauptweg weiterzulaufen und die restlichen Sagenstationen zu suchen.

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Die Aussicht vom Gschnofer Stall ist auch herrlich!

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Keine Sagenstation, wie ich erst dachte. So werden die jungen Lärchen auf dem Salten eingezäunt!

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Einige Höhenmeter geht es zum Abschluss dann runter nach Jenesien, meist durch Wald, aber auch ein kleines Stückchen vorbei am Wanderparkplatz und der Straße. In dem Dorf mit dem Wahnsinnsblick auf die Dolomiten entscheiden wir uns diesmal nicht für den Bus, sondern schweben mit der kleinen Bergbahn nach Bozen. Wunderschön sind die Ausblicke auf die große Alpenstadt und die Weinberge ringsherum. Die Talstation liegt etwas außerhalb der Stadtmitte. Wir könnten jetzt zwar auf den Citybus warten, aber lieber laufen wir noch ein Stück über die Talferpromenade. Hier ist gerade bei schönem Wetter jede Menge los und man hat eine Menge zu gucken. Lebensfreude pur!

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Jenesien
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Ausblick aus der Bergbahn auf Bozen
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Am Anfang der Talferpromenade und im Hintergrund die Weinberge unterhalb Jenesiens.

Infos zur Wanderung:

 

  • Unsere Variante des Sagenweges: mit dem Bus zum Gasthof Tomanegger, Weg Nr. 30 hoch zum Sagenweg und weiter nach Langfenn. Zurück über den gesamten Sagenweg bis Gasthaus Edelweiß und Jenesien.
  • Mit kleineren Kindern würde ich auf jeden Fall empfehlen, am Gasthaus Edelweiß zu parken oder den Wanderbus zu nutzen und z.B. ab Haltestelle Tomanegger oder Schermoss zu laufen. Der Weg von Jenesien rauf bis zum Beginn des Sagenweges zieht sich und beinhaltet immerhin ca 300 Höhendifferenz.
  • Von Edelweiß (1351m) bis Langfenn (1527m) liegt die Gehzeit ungefähr bei 1,5 Stunden.
  • Der Sagenweg selber ist ein breiter Wanderweg mit leichtem Auf und Ab, meistens recht eben.
  • Die Busse und auch die Seilbahn können mit der SüdtirolMobil-Karte kostenlos genutzt werden. Diese Karte kann man käuflich erwerben, ist aber in vielen Ferienunterkünften schon im Preis enthalten.
  • Achtung: Die Buslinie Tschögglberg fährt nicht so häufig, und gerade am Wochenende und in der Nebensaison noch seltener. Hier könnt Ihr Euch die aktuellen Fahrpläne herunterladen.

 

Wunderschöne und leichte Wanderung bei Bozen in Südtirol

 

 

 

 

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19 Gedanken zu „Von Knödeln und Lärchen, Pferden und Märchen – auf dem Sagenweg zwischen Jenesien und Langfenn

    1. Hallo Andrea!
      Ich befürchte ja immer wieder, dass man meinen könnte, ich wandere nur wegen des Essens! Das stimmt natürlich nicht…naja meistens nicht 😀.
      Liebe Grüße
      Carolin

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  1. Hallo Carolin,
    vielen Dank für den tollen Beitrag und den Wandertipp. In vielen Schenna-Urlauben bin ich schon öfter rund um Hafling gewandert aber nicht darüber hinaus. Das werde ich beim nächsten Urlaub dort wohl mal ändern.
    Liebe Grüße
    Martina

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  2. Das klingt nach einer tollen Tour und die Landschaft sieht traumhaft aus! Ich muss zugeben: Bisher ein mir komplett unbekanntes Gebiet, aber das muss sich definitiv ändern, merke ich immer wieder. Danke für’s Lust machen!

    Ein schönes Wochenende und liebe Grüße,
    Cora

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    1. Hallo Cora!

      Vielen Dank! Ja, Südtirol ist wirklich eine herrliche Gegend. Gerade weil es so abwechslungsreich ist.
      Aber mir geht’s ähnlich: es stehen noch so viele Gebiete und Regionen auf meiner Liste, die ich gerne mal entdecken würde!
      Nur leider reicht die Zeit nie!

      Liebe Grüße vom Niederrhein ( wo ich auch noch nicht alles kenne 😉)
      Carolin

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  3. Liebe Caro!
    Solche Tipps suche ich immer für meine Wanderungen mit Kind. Der Weg klingt ja wirklich gemütlich und trotzdem toll. Vor allem die Lärchenwiesen haben es mir sehr angetan!
    Liebe Grüße
    Angela

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    1. Hallo Angela!

      Ja, die Lärchenwiesen sind wirklich zauberhaft, vor allem im Herbst.
      Für eine Wanderung mit Kindern ist dieser Weg wirklich optimal. Tiere, ein paar nette Erlebnisstationen und ein schöner Spielplatz. Nur den Startpunkt muss man mit Hilfe des Busses ein wenig planen, sonst wird es für kleinere Kinder zu lang.

      Viele Grüße
      Carolin

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  4. Das klingt wie im Märchen: Jenesien. Ich wusste gar nicht, dass es das gibt, obwohl ich schon mal in Südtirol bzw. in und um Bozen war.
    Und Lärchen sind tolle Bäume (sofern man sie nicht im Garten hat und die Nadeln zusammen fegen muss)

    Sehr schön.
    Es grüßt
    DieReiseEule

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    1. Stimmt, Jenesien hört sich so gar nicht nach Südtirol an. Dieses Hochplateau ist auch nicht so bekannt wie der Ritten bei Bozen, aber mindestens genauso schön!

      Liebe Grüße
      Carolin

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  5. Liebe Carolin,
    Ich liebe Südtirol, weil es schon nach Italien riecht, weil es eine wunderschöne Gegend ist, weil es das Beste aus Italien und Österreich vereinigt. und dein Bericht hat richtig Lust gemacht, dort mal wieder hinzufahren.

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  6. Sehr schön! Da kriegt man sicher gut den Kopf frei. Als Kind bin ich früher mit meinen Eltern (okay, eher meine Eltern mit mir… 😉 ) auch in den Alpen gewandert. Ich weiß nur nicht mehr, wie das hieß. Aber sicher nicht Jenesien, daran könnte ich mich sicher erinnern, das habe ich aber noch nie gehört … 😀

    LG, Wolfgang

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    1. Hallo Wolfgang!
      Ich hoffe, das Wandern in Deiner Kindheit hat Dir nicht den Spaß daran verdorben! Zumindest mit meinen Eltern war das früher total langweilig und ich wundere mich tatsächlich, dass ich trotzdem so ein großer Bergfan geworden bin 😉.

      Liebe Grüße
      Carolin

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