Rund um die Rotwand – Zur Pederiva- und Rotwandhütte im Rosengarten

Wenn die Tage kürzer werden, sich die Wälder bunt färben und klare Luft die Gipfel zum Greifen nahe erscheinen lässt, kehrt endlich wieder Ruhe in den Dolomiten ein. Jahr für Jahr zieht es mich daher im Herbst in dieses schroffe und einzigartige Gebirge zwischen Südtirol und dem Trentino. Verständlich, dass diese Berge selbst für Reinhold Messner die schönsten in der Welt sind! Und ebenso wundert es nicht, dass es in den Sommermonaten natürlich auch die Menschenmassen hier hin lockt.

Nun, ein paar Wochen später, hat man die meisten Wege fast für sich. Stille umgibt die riesigen Felswände. Allenfalls das Krächzen der Alpendohlen ist zu hören. In Kauf für diese Idylle muss man dann zwar oft geschlossene Hütten und Bergbahnen nehmen. Für unsere Wanderung rund um die Rotwand im Rosengarten passen wir allerdings noch das letzte Wochenende ab, an dem der Paolinalift zur gleichnamigen Hütte fährt. Aber selbst ohne Nutzung der Aufstiegshilfe ist diese Tour für geübte Wanderer an einem Tag problemlos durchführbar.

Unweit des Karerpasses schweben wir mit dem Sessellift von 1620 auf 2127 Metern. Mit ca 3 1/2 Stunden reiner Gehzeit muss man auf dieser Rundtour rechnen, bis man wieder an der Paolinahütte ankommt. Wegen der vielen schönen Aussichtspunkte überschreiten wir diese Zeitangabe natürlich mal wieder deutlich. Das fängt schon beim Austeigen aus dem Lift an, stehen wir doch plötzlich über dem Wolkenmeer. Das Latemargebirge ragt wie ein Fels in der Brandung empor, hinten am Horizont sind die Eisriesen der Ortlergruppe und der Ötztaler Alpen zu erkennen.

latemar

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Der kleine, unscheinbare Berg, der gerade so aus den Wolken guckt, ist der Tschafon – einer der schönsten Aussichtsgipfel in der Gegend.

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Anfangs noch gemütlich ansteigend queren wir mehrere Talmulden, bevor wir auf die Abzweigung zum bekannten Hirzelweg treffen. Im Sommer verläuft hier eine regelrechte Wander-Autobahn, heute treffen wir nur ganz vereinzelt andere Menschen. Bevor es steiler zum Vajolonpass hochgeht, lockt uns aber noch ein großer Felsblock mit einer Eisenleiter. Ein beliebter Aussichtspunkt, dessen Aufstieg auf dem Foto spektakulärer erscheint als er ist. Trotzdem sollte man Kinder nicht alleine hochklettern lassen.

hirzelweg-fels

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Weiter geht es Richtung Vajolonpass. Die Wolken ziehen gemeinsam mit uns immer höher, so dass es an diesem Oktobermorgen im Schatten richtig kalt ist. Gut, dass ich dieses Mal an die Handschuhe gedacht habe. Ein paar Tage zuvor, bei der Überschreitung des Tschagerjochs, hatte ich sie nämlich vergessen. Da es dort einige kleine Kletterstellen gab, war es sehr unangenehm, sich am eiskalten Felsen festzuhalten. Der Weg zum Vajolonpass ist zwar weniger anspruchsvoll als das Tschagerjoch, trotzdem frage ich mich beim Blick hinauf, wo denn dort ein Pfad hochführen soll.

vajolonpass

Doch rote Punkte als Wegmarkierungen bringen uns im Zickzack ohne größere Probleme hoch zum Pass, der genau auf der Grenze zwischen Südtirol und dem Trentino liegt. Eine etwas schwierigere Stelle, an der ein Felsvorsprung überwunden werden muss, ist durch eine Eisenleiter entschärft. Jedoch ist dieser Weg nur etwas für trittsichere und schwindelfreie Wanderer.

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Hier oben am Vajolonpass überblickt man eine wunderschöne Felslandschaft. Dolomiten pur! Schade, dass es sich immer mehr zuzieht. Aber das macht nichts. Zwei, drei Tage später wird hier nämlich alles weiß sein, da ein Wintereinbruch angekündigt ist. Und so bin ich einfach nur froh, diese großartige Wandertour gemacht haben zu können.

Das Kar, in dem wir stehen, nennt sich Gran Buja de Vael, ringsherum wird es von zahlreichen Türmen und Felsnadeln umgeben. Links die Tscheinerspitzen, der Coronelle-Kamm und gegenüber die Mugonispitze, die immer mehr von den Wolken verschluckt wird. Auch die Königin der Dolomiten, die Marmolada mit ihrem Gletscher, ist nur noch teilweise zu sehen.

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Aufgrund der herbstlichen Vegetation wirkt die Landschaft fast ein wenig wie im Wilden Westen und erinnert an Filme von Karl May. Der hat tatsächlich auch schon mal Urlaub unten am Karerpass gemacht und sich womöglicherweise von der Bergwelt inspirieren lassen.

Eine Art Schlucht muss noch durchquert werden, hier ist wieder Geländetauglichkeit gefragt und man sollte gerade im Abstieg gut aufpassen. Unten auf den Bergwiesen angekommen, wird es gemütlicher. Ein breiter Weg führt zu den Berghütten. Weit über uns kraxeln im Masarèkamm einige Kletterer, gut an ihrer farbigen Kleidung zu erkennen.

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Dass zwei Berghütten so nah nebeneinander stehen, erlebt man ja nicht so oft. Die Rotwandhütte (Rifugio Roda die Vael) und die Pederivahütte (Baita Pederiva) müssen sich aber anscheinend nicht um die Gäste streiten, dieses wunderbare Fleckchen auf der Erde wird im Laufe des Bergsommers sicher oft genug besucht. Auch wir waren ja schon einige Male hier, immer hatte allerdings die größere der beiden Hütten, das Rotwandhaus, schon geschlossen. Heute ist dies anders, also holen wir uns nach der Rotwandumrundung nun mal hier unsere verdiente Belohnung ab.

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Die Rotwandhütte

Anders als auf vielen Hütten im benachbarten Südtirol spielt hier die Polenta, ein Maisbrei, eine große Rolle. Ich wähle die Variante mit Pfifferlingen. Lecker. Die Aussicht ist traumhaft, die Bedienung freundlich – trotzdem gefällt es mir auf der privat geführten Baita Pederiva nur ein paar Meter entfernt besser. Liegt es an den einladenden Liegestühlen, den symphatischen Nachfahren der Fassaner Kletterlegende Marino Pederiva, die die Hütte bewirtschaften oder vielleicht doch an den nervigen Alpendohlen? Letztere sind wirklich ziemlich dreist, und man muss manchmal sich und sein Essen schnell in Deckung bringen. Zumindest hatten wir schon mal glücklicherweise eine Wechseljacke dabei, die tatsächlicht benötigt wurde…

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Achtung! Alpendohlen im Anflug auf die Pederivahütte.

Nach der Pause laufen wir zurück zum Paolinalift. Der Weg ist breit und eben. Nur eine halbe Stunde braucht man bis zur Bergstation. Wenn man nicht ständig stehen bleiben und das Panorama bewundern würde. Wer also nur eine gemütliche Wanderung in der gigantischen Kulisse des Rosengartens machen möchte, der ist hier auf diesem Wegstück genau richtig. Sollte aber trotzdem nicht seine bergtauglichen Schuhe vergessen!

Ihr möchtet weniger anspruchsvoll als bei der Rotwandumrundung, aber auch etwas länger als auf dem Panoramaweg vom Paolinalift zur Pederivahütte laufen? Dann ist der Weg 548, der am Karerpass startet genau das Richtige. Etwas mehr als 500 Höhenmeter, die in fast zwei Stunden zu bewältigen sind. Ohne große Anforderungen an Schwindelfreiheit, dafür ebenfalls mit einem umwerfenden Panorama auf die Trentiner Dolomiten, Latemar und die Marmolada.

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Rechts die Pederiva-, links die Rotwandhütte beim Aufstieg vom Karerpass bei einem Wahnsinns-Wetter!
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Anfangs noch sehr breit, später etwas schmaler und kurviger, aber immer leicht zu laufen, ist der Weg vom Karerpass hoch zur Hütte.
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In der Bildmitte die Marmolada, höchster Gipfel und damit die Königin der Dolomiten.
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Blick hinüber zum Fassatal
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Die Rotwandhütte, hoch darüber verläuft der Masaré-Klettersteig.

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Pederivahütte mit Aussichtsgipfel

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Die Sella am Ende des Grödnertals
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Das Theodor-Christomannos-Denkmal.
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Die Felswände im Rosengarten wirken so riesig – nur auf den Fotos leider nicht.

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Der Tschafon, ein einfach zu erreichender Aussichtsgipfel – diesmal ganz ohne Wolken.

 

Wanderung rund um die Rotwand in den Dolomiten

 

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3 Gedanken zu „Rund um die Rotwand – Zur Pederiva- und Rotwandhütte im Rosengarten

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