Ein wenig Nostalgie und ganz viel Aussicht – Wandern am Laber in Oberammergau

Vom Tal aus betrachtet wirkt der Laber, einer der Hausberge Oberammergaus mit dem etwas merkwürdigen Namen, eher unspektakulär. Ein massiger Bergrücken mit ein paar kleinen Felsnadeln, die aus dem dichten Wald herausblicken.

Oben rund um die Bergstation und auf den Wanderpfaden spielt er aber dank seiner exponierten Lage zwischen Ettal, Oberammergau und dem Eschenloher Moos alle Trümpfe aus: von der Aussichtsterrasse des Berggasthofes hat man ein gigantisches 360°-Panorama. Das Alpenvorland mit dem riesigen Starnberger See und weit am Horizont Münchens Hochhäuser zur einen Seite, die Chiemgauer Alpen, Ester- und Karwendelgebirge, das imposante Wettersteingebirge inklusive Zugspitzblick und je nach Fernsicht die Lechtaler und Allgäuer Alpen in die anderen Richtungen.

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In solchen Momenten ärgere ich mich ein wenig, dass ich kein Fernglas dabei habe. Denn dann könnte ich einiges noch genauer betrachten: die schwimmenden Inseln im Riegsee bei Murnau zum Beispiel, die Fahrgastschiffe auf dem Staffelsee oder das berühmte Schachenhaus im Wettersteingebirge, in dem König Ludwig II. jedes Jahr seinen Geburtstag feierte.

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Dafür genieße ich die abendliche Ruhe, die friedliche Sonnenuntergangstimmung und die wunderschöne Blumenwelt hier oben am Laber. Nur wenige Stunden vorher bin ich nämlich in strömendem Regen mitsamt heftigen Gewitter am Bahnhof in Oberammergau angekommen. Ein Glück, dass sich die düsteren Wolken nicht an den Berghängen des bayrischen Ortes festgesetzt haben. Es sah tatsächlich nicht danach aus, dass der Himmel noch mal aufklaren würde.

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Großes Glück habe ich aber nicht nur mit dem Wetter, sondern auch, weil ich ausgerechnet an einem Donnerstag angekommen bin. In den Sommermonaten von Juni bis August findet an diesem Tag nämlich immer der „Lange Donnerstag“ statt. Bis 22 Uhr wird der Fahrbetrieb verlängert, ein eindrucksvolles Erlebnis wie ich feststellen darf. Heute mache ich nur noch eine kleine Wanderung zu einem namenlosen Gipfel in der Nähe der Bergstation, die leckere Kaspressknödelsuppe – für mich netterweise extra mit Gemüsebrühe zubereitet- wartet nämlich schon!

Sonnenuntergangsfahrt auf den Laber

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Die Sonne ist schon fast untergegangen, als ich wieder in die nostalgische Gondel einsteige. Auch wenn die Technologie mittlerweile natürlich modernisiert ist, ein Relikt ist die Laberbergbahn schon, quasi die letzte ihrer Art. Als einzige Großkabinen-Zweiseil-Umlaufbahn, die weltweit noch in Betrieb ist, bringen die 60 Jahre alten Gondeln die Touristen und Wanderer auf den Berg, inklusive mehrminütiger, betriebsbedingter Pause auf halber Strecke.

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Mir gefällt es am Laber so gut, dass ich noch ein zweites Mal während meines Aufenthaltes hier in der Zugspitzregion hochfahre. Eigentlich würde mich ja das Ettaler Manndl reizen. Der 1633 m hohe Felskopf ist auf einem leichten Klettersteig (A/B) zu erreichen. Die Beschreibungen zur Schwierigkeit gehen aber sowohl in Wanderführern als auch in der Online-Welt stark auseinander und so ist mir nicht ganz klar, ob man nun eine Klettersteigausrüstung benötigt oder nicht. Notfalls ließe sich der Gipfelaufbau zwar auch ohne Kletterei umrunden, ich wähle aber dann doch den direkten und einfacheren Weg zur Soila-Alm. Ich bin alleine unterwegs und habe somit niemanden, dem ich wie sonst so oft einfach hinterher trotten kann. Außerdem bin ich mir nicht sicher, ob das Wetter hält. Die Vorhersage war nämlich nicht so prickelnd und an den vorherigen Tagen konnte man den Wecker danach stellen, dass es pünklich um 14 Uhr anfing zu gewittern.

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Heute reicht die Aussicht leider nicht ganz bis zur Zugspitze.
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Dafür bietet sich aber wieder ein toller Blick weit ins Voralpenland rein.

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Der relativ kurze Weg zur Alm ist aber auch schön. Von der Bergstation geht es erstmal Richtung Ettaler Manndl auf einfachen, aber nicht kinderwagentauglichen Pfaden durch Blumenwiesen. Glücklicherweise ist der Laber so gut wie nicht verbaut, Wintersport gibt es nämlich dort kaum. Nur am Nordhang befindet sich eine der steilsten Skipisten Deutschlands mit einem Gefälle bis zu 84 %. Präpariert wird sie nicht und ist daher wirklich nur etwas für Ski-Asse!

tuerkenbund
Nachdem ich in den Ammergauer Alpen auch an einer tollen botanischen Führung teilgenommen habe, weiß ich nun, dass dies ein Türkenbund, eine Lilienart, ist.

Angenehm läuft es sich hinunter auf dem teils stufigen Pfad, vorbei an dem kleinem Gipfel ohne Namen, aber mit toller Aussicht auf Kloster Ettal. An der Wegabzweigung, an der es geradeaus zum Ettaler Manndl geht, biege ich links ab und laufe in Serpentinen zum schon weithin sichtbaren Soilasee.

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Der Soilasee. Naja, als See erkennt man ihn zur Zeit nur an seiner Form und der Färbung des Bewuchses. Von Wasser keine Spur. Dafür ist dieser eiszeitlich geprägte Dolinensee aber ein interessantes Naturphänomen. Auf knapp 1400 m über dem Meeresspiegel liegend, wechselt er seinen Wasserstand je nach Jahreszeit und Niederschlagsmenge. Durch den porösen Seeuntergrund fließt das Wasser ab. Der See trocknet so fast vollständig aus und ist mit Pflanzen wie dem Schachtelhalm und Seggen zugewachsen. Gerade die wechselnden Wasserstände lassen ihn ökologisch so wertvoll werden, da z.B. Amphibien wie der Bergmolch ohne Gefahr, von Fischen gefressen zu werden, dort leben können.

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Kurz hinter dem Soilasee trifft man auf den Fahrweg zur gleichnamigen Alm. Läuft man stattdessen über den kleinen Pfad links davon, gelangt man zwar auch auf den Fahrweg, aber ein kleines Stück unterhalb der Soila-Alm. Die gemütliche Alm ist ein beliebtes Ziel für Wanderer und Mountainbiker. Selbstbedienung ist hier angesagt, Gläser gibt es keine. Das macht aber gar nichts. Die Getränke werden im Brunnen gekühlt und sind somit nicht nur ein beliebtes Fotomotiv, sondern schmecken auch irgendwie besser. Nachdem ich das leckere Käsebrot aufgegessen und ein wenig auf der Wanderkarte nach weiteren Zielen in den Ammergauer Alpen gesucht habe, lasse ich die Soila-Alpe hinter mir und laufe den breiten Forstweg in etwas mehr als einer Stunde hinunter.

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Je mehr ich mich Oberammergau nähere, umso drückender werden die Temperaturen. Gut, dass der Bergwald so viel Schatten bietet. Trotzdem hat man zwischendurch immer wieder Ausblicke auf das Voralpenland. Bald erreiche ich die Freilichtbühne, eine Außenstelle des bekannten Oberammergauers Passionstheater. Heute abend findet auch hier wieder eine Aufführung statt, die Geierwally steht auf dem Programm.

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Nach insgesamt ungefähr 2 1/2 Stunden und vielen Fotostopps erreiche ich wieder die Talstation der Laberbergbahn. Wenn man so wie ich nur den direkten Weg über die Soila-Alm wählt und auf die Besteigung des Ettaler Manndls verzichtet, ist diese Wanderung eine gemütliche Halbtagestour und man hat noch Zeit für eine andere Unternehmung. Das Schwimmbad „Wellenberg“ liegt zum Beispiel in unmittelbarer Nähe der Bergbahn. Sollte das Wetter nicht so gut sein, findet man in Oberammergau aber einige andere Attraktionen. Das Passionstheater, das Pilatushaus, das Oberammergau Museum oder das Reptilienhaus, um nur einige zu nennen. Mich zieht es aber weiter in die wunderschöne Natur hier. Ein Wegweiser führt zum Altherren-Weg. Ob dieser Weg so langweilig ist, wie es der Name eventuell vermuten ließe? Bestimmt nicht. Aber lasst Euch überraschen, demnächst berichte ich Euch mehr von den Wandermöglichkeiten rund um Oberammergau!

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Zu dieser Reise wurde ich von der Zugspitzregion eingeladen. Meine Meinung hat dies nicht beeinflusst und ich könnte es mir sehr gut vorstellen, in die Ammergauer Alpen auch irgendwann mal privat zu reisen.

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Ausblick von der Bergstation am Laber, zusammen mit Nicole Richter von der Tourismusregion Ammergauer Alpen.

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4 Gedanken zu „Ein wenig Nostalgie und ganz viel Aussicht – Wandern am Laber in Oberammergau

  1. Liebe Carolin,
    hattest du nicht kürzlich in deiner Gruppe „Unterwegs und draußen – Blogger tauschen sich aus“ geschrieben, dass du ungern Fotos machst und auch nicht gut fotografieren kannst!? Hast du dir die Fotos von diesem Blogbeitrag mal genauer angesehen? Die sind ja wohl der Knaller! Wunderschöne Impressionen hast du von deiner Reise mitgebracht. Da gerät man ins Träumen. Ich zumindest.

    Abgesehen davon: Deinen Beitrag habe ich wieder sehr gerne gelesen. Von Schreibblockade keine Spur.

    Liebe Grüße
    Silvana

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo Silvana!
      Erstmal dankeschööön!
      Manchmal muss man erst ein bisschen jammern, und dann klappt es wieder 😉.
      Mit dem nicht gerne Fotos machen, meinte ich eher, dass ich nicht gerne fotografiere, wenn ich nicht alleine unterwegs bin. Ich mag andere nicht gerne ständig aufhalten mit meinen Fotostopps. Die müssen eh oft auf mich warten, weil ich meist die langsamste bin 😀.
      Liebe Grüße
      Carolin

      Gefällt 1 Person

      1. Ich kann mich Silvanas Worten nur anschließen. Sehr schöne Eindrücke von einer tollen Gegend! Und das mit dem Fotografieren kenne ich auch. Manchmal gibt es noch Proteste von meinen Mitwanderern, aber eigentlich haben sich alle (zwangsläufig) daran gewöhnt, dass ich ständig knipse…. Oft gehen sie einfach (rücksichtslos😉) weiter… Liebe Grüße von Andrea

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  2. Hallo Caro,
    Sehr schöner Artikel mit tollen Fotos!! Und das trotz sommerloch. Ich finde den Artikel sehr gelungen.

    Bzgl des Klettersteigs aufs Ettaler Mandl: Schwierigkeit A/B stimmt. Allerdings ist dieser nicht komplett mit klassischen Klettetsteigdrahtseil sondern auch mit einer Gliederkette versichert. Diese stellt aber nicht das eigentliche Problem dar. Das große Problem in meinem Augen ist, die Verwendung von EINEM Seil für beide Richtungen. Also immer wieder Gegenverkehr. Zusätzlich kommen noch viele Ausflügler (ich wähle diese Bezeichnung bewusst), welche mit Flipflops, ungesichert und ohne Erfahrung sowie häufig auch mit gleichgearteten Nachwuchs das Stück bewältigen wollen. Was zu Stau, heulenden Kindern und Beschimpfungen am laufenden Band führt.
    Mit entsprechender Klettersteig- und Klettererfahrung, sodass man mal zur Seite über den Fels ausweichen kann, stellt das Stück kein großes Problem dar.

    Viele Grüße,
    Astrid

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