Berge, Wälder und der König – Unterwegs in den Ammergauer Alpen

Sonnenuntergangsfahrt auf den Laber

Mein letzter Aufenthalt in den Ammergauer Alpen ist schon eine Ewigkeit her. Als kleines Kind war ich mal dort mit meiner Familie. Unser erster Urlaub in den Bergen. Klar, dass auch Ausflüge nach Oberammergau, dem Inbegriff für das typische Oberbayern, auf dem Programm standen.

Auch wenn die Erinnerungen ein wenig verblasst sind: denke ich an Bayern, habe ich sofort Bilder dieses Ortes mit seinen tiefgrünen Wäldern, schroffen Gipfeln, bunten Blumenwiesen, der Lüftlmalerei an den Hausfassaden, den vielen Holzschnitzern und der Verbundenheit zu dem mysteriösen König Ludwig II. im Kopf.

Kein Wunder, dass nicht weit von Oberammergau entfernt, nämlich im Kloster Ettal, nächstes Jahr die Bayerische Landesausstellung zum Thema „Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern“ stattfindet. In und um das von steilen Bergen und tiefen Wäldern umgebene Benediktinerkloster wird demnächst in verschiedenen Veranstaltungen, Ausstellungen und Erlebnispfaden gezeigt, wie sich die Natur hier durch Menschenhand verändert, sich der Alpenraum zu einer Kulturregion entwickelte und was es mit dem Mythos Bayern auf sich hat.

Kloster Ettal
Die Benediktinerabtei Ettal

Auch wenn die Ausstellung erst im nächsten Mai beginnt, bin ich schon mal ein paar Tage in den immer noch sehr ursprünglichen Ammergauer Alpen unterwegs. Ob ich den Mythos Bayerns aufspüren kann? Auf den einstigen Pfaden des Märchenkönigs, der auch heute noch eine große Bedeutung für die Menschen hier und die Region hat, werde ich jedenfalls an verschiedenen Stellen wandern. Das Gebirge, die Wälder und die einzigartige Blumenwelt begleiten mich dabei.

Sonnenuntergangsfahrt auf den Laber

Schon am Anreisetag selber geht es hoch auf den Berg. Ich habe Glück. Obwohl in strömendem Regen und heftigem Gewitter angekommen, bessert sich gegen Abend das Wetter schlagartig. Natürlich nutze ich daher gerne das Angebot der Laber-Bergbahn und starte zu einer Sonnenuntergangsfahrt. Jeden Donnerstag in den Sommermonaten ist dies bis 22 Uhr möglich.

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Ganz alleine fahre ich mit den fast schon historisch anmutenden, kleinen Gondeln nicht hoch. Nicole Richter, stellvertretene Geschäftsführerin der Tourismusregion Ammergauer Alpen, begleitet mich. Auf der kleinen Wanderung zu einem namenlosen Gipfel und während des Abendessens in dem Bergrestaurant erzählt sie mir viele interessante Geschichten über die Region. Über die Familientauglichkeit dieser Urlaubsgegend, die glücklicherweise kaum verbauten Berge und Ursprünglichkeit, die die Ammergauer Alpen in Kürze zu einem Naturpark auszeichnen werden, und die internationale Zusammensetzung der Urlauber berichtet sie mir. Nicole scheint auch jeden Berg und alle Seen, die von hier zu entdecken sind, zu kennen. Und das sind nicht gerade wenige. Vom 360° – Panorama der Dachterrasse am Laber sieht man sie alle: die Gipfel des Wettersteins inklusive Zugspitze, das Estergebirge, den Herzogstand und natürlich die Ammergauer Alpen. Zur anderen Seite blickt man auf das Alpenvorland mit den vielen Seen, dem Murnauer Moos und den kleinen Ortschaften. Ganz weit entfernt am Horizont ragen die Hochhäuser Münchens in den Himmel.

Aussicht von der Laberbergstation
Dass wir heute noch mal in der Sonne über das bayerische Voralpenland schauen können, hätten Frau Richter von der Tourismusregion Ammergauer Alpen und ich nicht gedacht!

 

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laber-aussicht

Dank dieser tollen Sicht kann ich mir auch direkt einen Überblick über die Zugspitz-Region machen. Die Ammergauer Alpen haben sich nämlich mit dem Blauen Land, der Alpenwelt Karwendel und dem Zugspitzland zusammen getan, um ihren Gästen noch mehr bieten zu können.

Weil es am Laber einige schöne Wandermöglichkeiten gibt, fahre ich auch noch ein zweites Mal hinauf. Auf das bekannte Ettaler Mandl, das über einen kleinen Klettersteig zu erreichen ist, verzichte ich zwar. Dafür mache ich aber eine nette Almwanderung zur Soila-Alm, die in der Nähe des gleichnamigen Sees liegt, der allerdings im Sommer verlandet.

Soilasee und Ettaler Mandl
Der Soilasee – auch ohne Wasser ganz schön!

Der Weg hinunter zur Talstation der Laber-Bergbahn dauert nicht allzu lange, darum schließe ich noch einen Spaziergang über den Altherrenweg an. Diese Strecke ist, wie es der Name schon sagt, ziemlich gemütlich zu laufen. Langweilig ist es aber nicht, ganz im Gegenteil. Der Blick nach Oberammergau mit dem markanten Kofel, die Holzkonstruktionen am Wegesrand und die wunderschönen Blumenwiesen lassen diese einfache Wanderung sehr abwechslungsreich werden.

Altherrenweg in Oberammergau

altherrenweg-oberammergau

oberammergau-kofel

Ein landschaftliches Juwel und eine Wahnsinns-Blumenwelt bietet aber auch das Ettaler Weidmoos. Dort bin ich mit einem Naturkundeführer verabredet. Im Quellgebiet der Ammer, einem Paradies für Naturfreunde, gibt es einiges zu entdecken: botanische Raritäten, faszinierende Quelltöpfe, aus denen die junge Ammer sprudelt, aber auch eiszeitliche Relikte im Wald und Spuren der Kelten auf dem Grottenweg zurück nach Oberammergau.

Ursprung der Ammer
An der jungen Ammer fühlen sich auch Biber wohl.
Naturkundliche Führung im Weidmoos
Der Naturkundeführer Herr Löffler hat eine Blumenrarität im Weidmoos entdeckt.
Teufelsabbiss im Moor
Der Teufelsabbiss – gefährdet wegen der Intensivierung der Landwirtschaft.

Ein wenig Kultur gibt es dann auch noch. Zum Kloster Ettal wandere ich über einen schönen Weg entlang der Ammer und später leicht ansteigend durch den Wald. Neben einer Brauereiführung (in Ettal wird nämlich schon seit 400 Jahren Bier gebraut) erfahre ich in der Klosterkäserei viel Wissenswertes über die Käseherstellung und darf die leckeren Endprodukte natürlich auch probieren. Vom Kloster möchte ich eigentlich durch das beschauliche Graswangtal zum Schloss Linderhof wandern. Auch der „Kini“, wie Ludwig der II. fast schon liebevoll von den Bayern genannt wird, liebte dieses einsame Tal und ließ dort sein einziges zu Lebzeiten vollendetes Schloss bauen. Kurz vor Graswang macht mir aber das Wetter wieder einen Strich durch die Rechnung. Der Himmel wird immer schwärzer, es donnert und blitzt, und ich trete den Rückzug an.

graswangtal-wandern

So schnell das Gewitter gekommen ist, so blitzartig zieht es aber auch wieder weg. Darum schaue ich mir noch mal Oberammergau genauer an. Neben den bekannten Sehenswürdigkeiten wie dem Pilatushaus oder dem Passionstheater liebe ich es, Kleinigkeiten am Wegesrand zu entdecken.

Pilatushaus in Oberammergau
Ein Glück, dass das Pilatushaus nicht für den Bau eines Parkplatzes abgerissen wurde. Heute beherbergt es eine „lebende Werkstatt“.

oberammergau

 

Am letzten Tag steht die Königsetappe an – im wahrsten Sinne des Wortes. Im Aufstieg zum Pürschlinghaus (eigentlich August-Schuster-Haus) und dann auf einem Pfad zu den Brunnenkopfhäusern hoch über Schloss Linderhof führt mich der angenehm zu laufende Weg. Diese Hütten ließ der Vater vom Ludwig bauen, in erster Linie zum Jagen. König Ludwig suchte aber vor allem die Bergeinsamkeit dort oben, und auch ich habe sie gefunden. Bis zum Brunnenkopfhaus treffe ich kaum Menschen, dafür aber viele Gemsen. Leider ist die Aussicht an diesem Tag alles andere als gut. Dicke Nebelschwaden begleiten mich.

Pürschlingshaus
Am August-Schuster-Haus kann man die umliegenden Berge wenigstens noch sehen.
brunnenkopfhaus
Angekommen beim Brunnenkopfhaus leider nicht mehr!

Im Schloss Linderhof, das ich im Anschluss endlich besuche, fängt es dann auch noch an zu regnen. Schade, gerade im Schlosspark könnte man es stundenlang aushalten. Neben den vielen Sehenswürdigkeiten und dem Blick aufs Schloss finde ich es unheimlich interessant und unterhaltsam, wie sich doch die Besucher aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt alle gleich verhalten! Egal ob Menschen aus Asien, Amerikaner, der Bayer in Trachtenlederhose oder die Frau mit Schleier – alle posieren sie dort auf ähnliche Weise und nehmen ein Selfie von sich und dem Königsschloss auf.

schloss-linderhof
Freundlicherweise hat mir die Bayerische Schlösserverwaltung eine Fotogenehmigung für Schloss Linderhof erteilt.

Schade, nun sind die Tage in Oberammerau schon wieder vorbei. Aber ich habe eine unheimlich liebenswerte Region (wieder)entdeckt und komme bestimmt nochmal hierhin. Die einzelnen Wanderungen werde ich Euch demnächst genauer vorstellen, dies soll nur ein erster Überblick über meinen Aufenthalt in den Ammergauer Alpen sein.

Anmerkung:

Zu dieser Reise bin ich von der Zugspitzregion eingeladen worden. Weder sind mir Vorgaben zu meiner Berichterstattung gemacht worden, noch hat diese Einladung meine Meinung beeinflusst.

Käse in Ettal
In der Schaukäserei des Klosters Ettal wird die Herstellung des Käses erklärt.
Käse in Ettal
Und probieren kann man den Käse, für den ausschließlich Milch aus der Region genutzt wird, natürlich auch.
Dickenwaldweg in den Ammergauer Alpen
Über den Dickenwaldweg geht es vom Weidmoos zurück nach Oberammergau.
oberammergau-wandern
Zwischen Ober- und Unterammergau gibt es einige schöne Spazierwege.

moos-ammergau

Urlaub in Bayern

 

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10 Gedanken zu „Berge, Wälder und der König – Unterwegs in den Ammergauer Alpen

  1. Ein ganz wunderbarer Bericht, der Lust auf die Region macht. Du hast ja eine Menge erlebt. Schade, dass das Wetter nicht immer so mitspielte. Über deine Zeilen zu König Ludwig musste ich schmunzeln. Was würden die Bayern nur ohne ihren Ludwig machen? Der Mann ist wirklich überall allgegenwärtig. In Füssen, wo ich oft bin, kommt man auch nicht um ihn rum. Gut, bei den Königsschlössern ist das auch kein Wunder. Freue ich auf mehr von dir und deinen Erlebnissen.
    Viele Grüße
    Silvana

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Silvana!
      Lieben Dank für Deinen Kommentar!
      Ehrlich gesagt, habe ich mich erst bei dieser Reise ein wenig mehr für den Ludwig interessiert. Vorher habe ich immer einen riesigen Bogen um die Königsschlösser gemacht. Zu viel Tourismus und mit dem Adelszeug könnte ich nicht wirklich was anfangen.
      Je mehr man aber darüber erfährt, umso interessanter wird es. Und wie einige Einheimische sagen, er war einfach „ein armer Hund“.
      Liebe Grüße
      Carolin

      Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Carolin,
    da hast du ja ein tolles Programm geboten bekommen! Hatte schon aufgrund deiner Facebookposts geahnt, dass du auf einer Pressereise unterwegs bist 🙂 Ich bin ja ganz in der Nähe aufgewachsen (in Penzberg, vom Küchenfenster hatten wir Zugspitzblick) und meine Eltern haben mich auf jeden Berggipfel „raufgeschleppt“ im wahrsten Sinne des Wortes: Mein Vater hat mich immer auf dem Rücken getragen. Nur die letzten Meter bis zum Gipfel wollte ich selbst laufen. Naja, ich mochte das Wandern früher gar nicht. Das hat sich ja zum Glück geändert 🙂 Dein toller Bericht und die wunderschönen Fotos inspirieren mich dazu, die Gegend mal wieder aufzusuchen. Ich war tatsächlich seit meiner Kindheit nicht mehr da…
    Liebe Grüße von Andrea

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo Andrea!
      Danke Dir!
      Ich habe gerade erstmal nachgeguckt, wo Penzberg liegt. Das ist ja eine tolle Lage zwischen den vielen schönen Seen. Ich bin mal gespannt, ob es Dich nochmal dorthin verschlägt, Ausflugsmöglichkeiten gibt es ja in der Ecke zuhauf! Von Oberammergau war ich wirklich begeistert. Vielleicht lag es am Wetter, aber auf den Wanderwegen war es relativ ruhig. Panda war ja jetzt nicht mit dabei, aber ich denke, dass es dort auch ganz entspannt für ihn gewesen wäre.
      Liebe Grüße
      Carolin

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  3. Hallo Carolin,
    toller Überblick zur Region. Erinnert mich ein wenig an meinen Kurztrip nach Österreich/Tirol im Mai. Das erste Mal, dass ich in den Bergen unterwegs war und hab mich sofort verliebt. Allerdings fürchte ich noch ein wenig die Höhe, Gondeln undsowas 😉 daher finde ich deine Beschreibungen hilfreich, ob die Wege ‚gemütlich‘, einfach oder schwer zu bewandern sind. Freue mich auf die Detailbeschreibungen der Routen!
    Herzliche Grüße
    Alexandra

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Alexandra!

      Schön von Dir zu hören und auch, dass es Dir in den Bergen gefallen hat. Wo warst Du denn genau?
      Den Wanderungen einen Schwierigkeitsgrad zuzuordnen mache ich eigentlich nicht immer so gerne. Jeder sieht das ja anders. Was ich als schwierig empfinde, darüber lacht wahrscheinlich manch passionierter Bergsteiger. Und wenn mir ein Weg eher anspruchslos vorkommt, könnte er aber Leuten, die wenig draußen aktiv sind, Schwierigkeiten bereiten.
      Da ich in den Bergen ja meist mit Hund unterwegs bin, wird es hier wahrscheinlich in Zukunft überwiegend gemäßigte Routen ohne große Kletterei geben.
      Liebe Grüße
      Carolin

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      1. Hallo Carolin, ich war in Telft bei Innsbruck. Und dann da irgendwo wandern. Habe mich von meiner Nichte an ihre Lieblingsplätze führen lassen. Und dann eben festgestellt, dass Höhenmeter etwas anderes sind als Längenmeter 😉
        Liebe Grüße
        Alexandra

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  4. Hallo Carollin,
    freut mich immer neue Blogberichte und Blogger zu finden mit dem gleichen Interessen an Natur und Photographie. Sehr schöner Bericht und wieder ein Ziel mehr für mich (uns). Einen schönen Sommer mit schönen Touren.
    lg Bernd
    PS Danke fürs folgen auf meinem Blog

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    1. Hallo Bernd!
      Danke Dir! Ich entdecke auch immer gerne Blogs und bin auf der Suche nach Wanderungen im Vinschgau auf Deine schöne Seite gestoßen.
      Dort geht es nämlich bald das 1. Mal hin und ich suche noch nicht allzu überlaufene Wege in dieser Region.

      Liebe Grüße
      Carolin

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