Versettla und Madrisella – zwei Gipfel und eine verpasste Alm im Montafon

Wenn sich schon die Namen der Gipfel so wohlklingend anhören, verspricht die Wanderung zu ihnen, doch ein wahrer Genuss zu werden. Versettla und Madrisella. Zwei Aussichtsberge im Montafon. In dem vorarlbergischen Tal an der Schweizer Grenze spricht man einen Dialekt, der sogar von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erklärt wurde. Rätoromanische Wörter werden mit Walliser und Niederalemannischen Einflüssen gemischt. Eine Sprache, auf deren Spuren man bei vielen Wanderungen immer wieder trifft.

So auch bei dieser Tour, die mit einer Fahrt per Gondel in Gaschurn, dem vorletzten Ort im  hinteren Montafon, beginnt. Mit der Versettlabahn lassen wir uns bequem zur Bergstation Nova Stoba auf ca 2000 m bringen. Das große Restaurant lassen wir schnell hinter uns liegen, obwohl ein kurzer Blick auf die Speisekarte erahnen lässt, dass der Berggasthof nicht wie oft üblich in Bergbahnnähe nur „Schnitzel-Pommes“ bietet, sondern typische und originelle Montafoner Küche.

Aber wir sind ja nicht nur zum Essen hier. Ziel ist jetzt erstmal der tolle Panoramaweg Richtung Versettla- und Madrisellagipfel. Und dann, später, wartet die Garneraalpe auf uns. Einen der besten Käse im Montafon soll sie produzieren. Klar, dass ich dort an unserem letzten Urlaubstag unbedingt hin möchte. Tja, wenn ich Wanderkarten richtig lesen könnte, hätte das auch geklappt. Dazu aber später mehr.

Versettlabahn
Nicht weit entfern von der Bergstation der Versettlabahn gibt es die ersten Ausblicke aufs Silvrettagebirge, leider heute nur bei diesiger Fernsicht.
Versettla
Auf dem Weg zur Versettla

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Von der Versettla-Bergstation zur Madrisella

Auf dem schmalen Weg zur Versettla geht es über ein paar Geröllfelder und wackliges Blockgestein. Nicht schwierig, aber aufpassen muss man natürlich schon. Der Anspruch auf teils schmalen Pfad besteht vor allem darin, sich nicht vom wahnsinnig schönen Panorama ablenken zu lassen. Beherrscht anfangs noch das einsame Verwall den Blick, rücken, je höher man steigt, immer mehr die 3000er des Silvrettagebirges ins Gesichtfeld.

So schön wie der Versettla-Gipfel klingt, so unspektakulär ist der Aufstieg. Eigentlich nur ein grasiger Hügel, dafür aber mit umwerfender Aussicht. Auf dem Matschuner Gradweg geht es nun weiter zur Madrisella. Für einen Grad ist der Pfad recht breit und nicht wirklich ausgesetzt. Trotzdem sollte man sich nicht vom Ausblick ablenken lassen und lieber zwischendurch mal stehen bleiben, um die Bergwelt drumherum zu bewundern.

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Blick ins Garneratal. In der Bildmitte die Alpe, im Talschluss ist irgendwo die Tübinger Hütte.

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Vom etwas steinigerem Gipfel der Madrisella geht es leicht abwärts vorbei an einigen kleinen Seen und Wassertümpeln. In der Ferne ist der große Koopstausee zu erkennen. Dahinter die Hausberge Galtürs und die Eisriesen des Silvrettagebirges. Die Vallüla, der Piz Buin, Großer Litzner oder die Fluchthörner – nur ein paar der zahlreichen Gipfel, die von hier zu erkennen sind.

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Abstieg ins einsame Garneratal

Unter uns  das langgezogene Garneratal. Ein stilles Bergtal, an dessen Ende sich die Tübinger Hütte befindet. Da es dort noch so ursprünglich ist, war diese Ecke des Montafons sogar schon mal Filmkulisse. Für den Film „Schlafes Bruder“ diente das Garneratal nämlich als Drehort. Vom Dorf, das extra zu Filmzwecken aus Montafoner Baumaterialien aufgebaut wurde, ist allerdings nichts mehr zu sehen. Auch auf der Garneraalpe geht es noch fast zu wie damals. Der mehrfach prämierte „Sura Kees„, ein sehr leckerer Sauermilchkäse, wird dort nach altem Rezept produziert. Klar, dass ich dort an unserem letzten Urlaubstag noch einkehren möchte!

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Blick zurück Richtung Versettla

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Ersteinmal laufen wir aber von der Madrisella leicht bergab. Kleine, winzige Bergseen säumen den Weg. Wenn man Glück hat, blüht auf den Wiesen das Wollgras. Bald erreichen wir das Matschuner Joch. Eigentlich ein regelrechter Knotenpunkt für Wanderer. Geht es doch von hier in verschiedenste Richtungen. Nicht nur ins Ganeratal oder zur Tübinger Hütte gelangt man von hier. Die imposante Helmspitze lässt sich von diesem Ausgangspunkt erreichen, aber auch die Alpe Nova oder der Ort Gargellen durch das Vergaldatal.

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Trotz der vielen Wanderrouten ist es hier am Matschuner Joch aber ziemlich ruhig. Zumindest heute. Ein paar Kühe laufen uns über den Weg (übrigens auch die ersten, denen wir an diesem Tag begegnen), ansonsten sind wir fast allein. Der Blick ins Garneratal zeigt, dass es recht steil auf einem Wiesenhang runter geht. Teilweise weglos, anspruchvoll ist es aber nicht. Die Garneraalpe, anfangs noch sicher geglaubtes Ziel an diesem Tag, entfernt sich aber Stück für Stück immer mehr von unserer Wanderroute. Je weiter wir unten im Tal auskommen, desto mehr rückt sie in die Ferne!

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Da hätte ich vielleicht mal einen genaueren Blick in die Wanderkarte werfen sollen! Der Weg, der im Zick Zack zwar scheinbar direkt auf die Alm steuert, macht kurz vor ihr einen scharfen Links-Knick und führt immer weiter talabwärts. Der Garnerabach und ein Zaun verhindern ein Rüberkommen. Irgendwann queren wir zwar den Gebirgsbach und gelangen auf den breiten Fahrweg, der auch zur Alpe führt. Jetzt aber noch mal hochlaufen, dazu können wir uns nun nicht mehr aufraffen. Tja, schade! Kein Sura Kees dann also heute!

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Vom Garneratal nach Gaschurn

Stattdessen treffen wir kurz vor der winzigen Siedlung Ganeumaisäß auf einen Fuchs. Eine Maisäß ist auch etwas typisch Montafonisches. Was es genau mit diesem historisch gebauten, kleinen Almdorf auf sich hat, könnt Ihr hier, auf der Seite der Wanderdörfer, weiterlesen.

Kurz hinter den alten, schindelgedeckten Holzhütten und der winzigen Kapelle müssen wir uns entscheiden, welchen Weg wir nun runter nach Gaschurn laufen. Die etwas abenteuerlichere Variante durch den Fenggatobel bzw. die Garneraschlucht oder den scheinbar gemütlichen Abstieg über die Forststraße. Wir wählen leider den ziemlich langweiligen, in die Knie gehenden Fahrweg, der nach zahlreichen Kurven und ca 400 Höhenmeter irgendwann in Gaschurn endet.

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Im Tal wieder angekommen. Während wir auf den Bus warten, genießen wir den Blick auf die Vallüla.

Auch wenn das letzte Wegstück nicht mehr so schön war und wir die Garneraalpe verpasst haben, war dies doch eine tolle Wanderung, die hoffentlich bald mal wiederholt wird!

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Infos zur Wanderung:

  • Ausgangsort: Gaschurn im Montafon
  • Bergfahrt mit der Versettlabahn zur Nova Stoba (2010 m)
  • Aufstieg zur Versettla (2372 m) und Madrisella (2466 m) in ca 2 Stunden
  • Abstieg über das Madschuner Joch in ca 3,5 Stunden
  • keine Einkehrmöglichkeit, außer man nimmt den Umweg zur Garneraalpe in Kauf

 

Panoramatour im Montafon

 

 

 

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