Über das Peiljoch zur Sulzenauhütte – Die schönste Wanderung im Stubaital

Der Sulzenauferner vom Peiljoch aus

Auch wenn das Stubaital in Tirol nicht gerade mit tollen Wanderzielen geizt (im Gegenteil), ist diese Tour – so behaupte ich einfach mal – die wunderschönste!

Abwechslungsreich, einige landschaftliche Highlights, eine toll gelegene Berghütte, eine originelle Alm – und überdies noch als Rundwanderung zu absolvieren.

Bevor ich jetzt aber weiter wie aus dem Hochglanzprospekt klinge, sei gesagt, dass ich während meiner Urlaubsplanung fürs Stubaital lange gezweifelt hatte, ob wir uns denn wirklich der Herausforderung des Peiljochs stellen würden. War diese Tour im Wanderführer doch als eine der wenigen mit einem schwarzen Punkt markiert. Schwarz gleich schwer.

Ich zitiere mal aus dem Kompassführer: „Hochalpine Bergtour auf steilen und felsigen Pfaden, kurz auch weglos im Moränenschutt.“

Die gigantischen Fotos vom Sulzenauferner (so heißen die Gletscher hier) und das Wissen, dass sich die schwierigeren, ausgesetzten Stellen, im Aufstieg finden, ließen meine Skepsis verschwinden.

Mit der Stubaier Gletscherbahn ging es also zur ersten Station, der Dresdner Hütte. Ehrlich gesagt, auch wenn es in der Hütte sehr leckere Knödel gibt (an einem anderen Tag probiert), lädt die Umgebung nicht wirklich zum längern Verweilen ein. Der Blick auf das riesige Skigebiet und einige Lastwagen, die die Hänge hoch und runterfuhren, sind leider nicht sehr idyllisch.

Diese Szenerie verlässt man auf dem Weg zum Peiljoch aber schnell. In Serpentinen geht es zunächst durch felsdurchsetzte Grasflanken, dann über Schuttfelder und Felsbänder, die teilweise mit Drahtseilen versichert sind. (Größere) Kinder sollte man hier gut im Blick haben, da es neben dem schmalen Pfad doch ganz schön steil nach unten geht! Meinen Fotoapparat, der beim Überwinden der Felsen eh nur stört, packe ich weg, nachdem mir der Objektivdeckel nach unten gerollt ist. Netterweise bringt ein nachfolgender Wanderer ihn mir hinterher.

Aufstieg Peiljoch Dresdner Hütte

wandern im Stubaital Gletscher
Aufstieg zum Peiljoch
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Im Hintergrund sieht man die vielen Stationen des Skigebietes

Nach 1,5 Stunden sind wir oben, am höchsten Punkt der Wanderung. Da ist es: das Peiljoch. Was für ein grandioser Blick auf den Gletscher! Und hinter uns die zahlreichen Steinmännchen, die schon fast für eine mystische Stimmung sorgen. Auch wenn der Klimawandel am Sulzenauferner nagt und ihn von Sommer zu Sommer immer mehr schrumpfen lässt, für mich ist der Ausblick gigantisch.

Peiljoch im Stubaital

Der Sulzenauferner vom Peiljoch aus

Zuckerhütl und Wilder Pfaff vom Peiljoch aus

Steinmännchen am Peiljoch im Stubaital

Stundenlang könnte ich hier sitzen. Sitzen und einfach nur gucken. Aufs Eis, die Gletscherspalten, den See. Dazu die gepanzerten Eisriesen, das Zuckerhütl und der Wilde Pfaff unter dem blauen Himmel.

Gefühlte tausend Fotos mache ich von dieser wunderschönen Bergwelt und bin zu Hause enttäuscht, dass die Bilder bei weitem nicht das Gefühl wiedergeben, das diese Kulisse erzeugt.

„Klack, klack, klack“. Oh je, eins der Geräusche, die ich neben dem Donnergrollen nicht in den Bergen hören möchte. Steinschlag von der Felswand rechts neben uns. Ausgelöst durch den auftauenden Permafrost oder nur durch ein paar Gemsen? Egal, lieber entfernen wir uns ein wenig von der Wand und steigen hinunter Richtung Gletschersee.

Abstieg vom Peiljoch

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Der Weg ist schottrig, führt aber über den Moränenhügel bedeutend weniger anspruchsvoll als der Aufstieg zum Peiljoch.

Wandern zum Sulzenauferner

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Unten am eiskalten Wasser bleiben wir wieder eine ganze Weile sitzen. Beeindruckend, den Gletscher nun von einer ganz anderen Perspektive aus zu sehen. Ein paar Wagemutige stürzen sich in den See, rennen aber quiekend blitzschnell wieder ans Ufer.

Gletschersee im Stubaital

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Pflanzen im Gletschergebiet

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Die Blaue Lacke, ein kleiner Bergsee, ist zu sehen. Eigentlich immer einen Abstecher wert, wir schaffen es zeitlich leider nicht.

Unser Weg führt uns nun weiter zur Sulzenauhütte, vorbei an ungewohnlich gefärbten Gletscherschliffen, die ein wenig an nordische Landschaften erinnern. Weiter unten ändert sich das Landschaftsbild erneut. Statt hochalpiner, karger Gletscherwelt kommt immer mehr Grün ins Gesicht. Die Windungen der Gletscherbäche verwandeln die Umgebung in ein idyllisches Hochtal. Trotzdem geht der Blick immer wieder zurück zum Gletscher. Ich kann mich nicht satt sehen an dieser Landschaft und möchte die Bilder fest in meinem Kopf abspeichern.

abstieg-sulzenauhuette

Vom Peiljoch zur Sulzenauhütte

Oberhalb der Sulzenauhütte im Stubaital

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Je näher wir der Sulzenauhütte kommen, um so mehr Menschen treffen wir. Während wir auf der Terrasse das leckere Essen genießen (ratet mal was? Klar, Knöööödel!), tauchen allerdings immer mehr Quellwolken auf. Der Rest der Familie beachtet diese natürlich mal wieder nicht, ist tiefenentspannt. Ich natürlich nicht und dränge zu einem baldigen Aufbruch. Und ernte nur augenrollendes Unverständnis. „Ach Mama, wirst du schon wieder nervös?“

stubaital-sulzenauhuette

Der recht steile, aber auch relativ einfach zu laufende Weg zum Talboden der Sulzenaualm zieht sich daraufhin wirklich noch in die Länge. Wie auf dem Weg zur Nürnberger Hütte passieren wir wieder einer Ziegenherde. Diesmal sind es schwarz-weiße Exemplare, die uns aber etwas misstrauisch beäugen.

Sulzenaualm
Weg von der Sulzenauhütte zur Alm

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Unten angelangt empfängt uns ein wundervoller Talabschluss. Den ich allerdings nicht mehr richtig genießen kann, ich höre nämlich Donner! Zwar noch entfernt, aber besser mal schnell runter ins Stubaital laufen. Was machen die anderen denn jetzt? Sich noch gemütlich in die Sulzenaualm setzen? Die haben Nerven. Tja, was bleibt mir übrig? Alleine will ich jetzt auch nicht weitergehen, also ergebe ich mich dem Gruppenzwang und bestelle einen sehr leckeren Milchshake. Schade, dass das Gewitter immer näher kommt. Die Sulzenaualm ist eine der originellsten Almen, die ich bisher gesehen habe.

sulzenaualm-talboden

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milchshake-alm

Auf dem Weg runter ins Stubaital beeilen wir uns dann aber doch, werden auch noch ein wenig nass. Das Gewitter verschont uns glücklicherweise weitgehend und ist schon wieder ins nächste Tal gezogen.

Auch wenn diese tolle Wanderung ein wenig hektisch endete, wird sie mir wahrscheinlich immer in Erinnerung bleiben. Und wenn Ihr schwindelfrei und trittsicher seid, kann ich sie Euch nur wärmstens ans Herz legen!

Ein paar Zahlen und Fakten

  • Weglänge: 11 Kilometer (kam mir viel länger vor…)
  • Höhenmeter im Aufstieg: 370 hm
  • Höhenmeter im Abstieg: 1150 hm
  • reine Gehzeit: ca 5,5 Stunden
  • Einkehrmöglichkeiten: Sulzenauhütte, Sulzenaualm, Grawaalm am Ende der Tour
  • Parken: Talstation der Stubaier Gletscherbahn oder mit dem Bus bis ans Talende
  • nur für trittsichere, ausdauernde Kinder geeignet
  • das Wetter sollte stabil sein. Bis zur Sulzenauhütte gibt es keine Unterstellmöglichkeit
  • es gibt noch eine Alternativroute über den Großen Trögler. Die ist aber nur sehr erfahrenen Bergsteigern zu empfehlen! Bei Nässe oder Vereisung kann es dort gefährlich werden.

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5 Gedanken zu „Über das Peiljoch zur Sulzenauhütte – Die schönste Wanderung im Stubaital

    1. Hallo Marion!

      Ja, diese Wanderung war eine der schönsten und eindrucksvollsten, die ich bisher gemacht habe!
      Ich hoffe, sie ist schneefrei, wenn Deine Tochter im Stubaital ist!
      Liebe Grüße
      Carolin

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    1. Tolle Idee! Auf der Hütte übernachten ist bestimmt toll. Vor allem hat man dann eventuell Zeit, noch ein paar schöne Ziele wie die Blaue Lacke oder den Grünausee von der Hütte aus anzusteuern.
      Liebe Grüße
      Carolin

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