Mit Hund ins Lareintal – Sommerurlaub im Paznaun

Unser erster Tag in Galtür. Das Wetter ist perfekt für eine längere Wanderung. Aber erst einmal wollen wir uns ein wenig einlaufen, uns an die Höhe gewöhnen. Schon Galtür selber liegt mit seinen 1600 Metern über dem Meeresspiegel relativ hoch. Aber auch Panda, unser immer noch stressanfälliger, ehemaliger Tierschutzhund, soll sich in Ruhe an die neue Umgebung gewöhnen. Was liegt also näher, als eine Alm in einem der ruhigsten Seitentäler hier im Paznaun als Ziel zu wählen?

Mit Hund im Silvrettagebirge
Vor einem Jahr: unser erster Wanderurlaub mit Hund.

Unsere beiden ersten gemeinsamen Urlaube waren nicht gerade vom Erfolg gekrönt. Zu viele neue Eindrücke und Reize, noch keine vernünftige Bindung zwischen uns und dem Hund, der als Welpe anscheinend kaum etwas kennengelernt und nun Probleme mit der für ihn neuen Welt hatte. Nun aber nach einigen Monaten Training und vor allem Beziehungsarbeit waren wir optimistisch, dass dieser Urlaub wieder ein fast normaler Wanderurlaub wie früher auch werden sollte. Trotzdem sollte wie gesagt gerade die erste Wanderung in eher einsame Gegenden führen.

Wanderung von Galtür ins Lareintal

Tja, kurz nachdem wir zwischen Galtür und dem kleinen Weiler Tschaffein auf die Forststraße Richtung Stafali-Weiher und Lareinalpe treffen, sehen wir es: ein Plakat am Zaun, auf dem das große Almfest auf der Alpe angekündigt wird. Mit Gottesdienst und anschließender zünftiger Musik, inklusive eines (bestimmt bekannten) Tiroler Volksmusikanten. Oh je, das wird bestimmt voll dort oben. Und laut und sicher ganz viele andere Hunde. Was tun? Doch einen anderen Weg einschlagen? Auch blöd, wir waren schon am Morgen so unentschlossen und hatten hin und her überlegt. Wir, das waren diesmal übrigens nicht nur wir drei ( + Hund), sondern noch eine andere, ebenfalls dreiköpfige Familie, die diesen Urlaub mit uns verbrachte.

Mit Hund wandern in Tirol

Also Augen zu und durch. Schon am Anfang des Weges bemerkten wir nämlich, dass sich die meisten Almbesucher von Bergtaxen hochbringen ließen. Da die Lareinalpe nur knappe 300 Meter höher liegt als Galtür und der Weg dorthin eigentlich nicht so beschwerlich ist, hieß dies ja folglich, dass die meisten Besucher sich auch nicht weit von der Alpe entfernen würden. Das hintere Tal wäre dann hoffentlich einsam wie eh und je.

Ersteinmal aber schlagen wir einen kleinen Fußweg Richtung Stafaliweiher ein. Das ist ein niedriges Wasserbecken mitten im Wald. Gemütlich kann man hier sitzen und die Kaulquappen im Wasser beobachten. Es gibt ein paar Spielgeräte und auch eine Grillmöglichkeit. Hunde dürfen allerdings nicht ins Wasser. Leider sind die tollen Holzflöße verschwunden. Gerade für Kinder war es immer ein riesiger Spaß, auf dem Weiher zu paddeln.

Lareinbach in Tirol

Nach einer kleinen Pause geht es nun aber weiter zur Lareinalpe. Wir treffen wieder auf den Fahrweg. Highlight für die Kinder war tatsächlich, der kleine Tourbus vom Schlagerkönig, der uns überholte. Nein, es war nicht der Anton aus Tirol. Aber so ähnlich.

Bald lichtet sich der Wald und die ersten, noch schneebedeckten, 3000er zeigen sich. Wir nähern uns der Alpe. Und platzen mitten in einen Berggottesdienst. Auch wenn die vielen Besucher eifrig mitbeten, sind doch viele Blicke auf unser kleines Trüppchen gerichtet. Bloß schnell weiter, bevor Panda uns blamiert und ausflippt, nur weil irgendein anderer Hund ihn schief anschaut. Gerade kleinere Hunde mögen ihn nicht immer, sei es nun, weil er hütehundmäßig gerne mal fixiert oder aber, weil er nur eine Stummelrute besitzt und daher nur schwer eingeschätzt werden kann.

Nachdem aber die erste Herausforderung gemeistert wurde, wartet hinter der Lareinalpe die nächste Hürde: Kühe. Freilaufende Kühe! Naja, nicht gerade unüblich für eine Almregion. Mit Hütehund, der wahrscheinlich auch Windhundgene in sich trägt und damit einen nicht ganz zu vernachlässigen Jagdtrieb besitzt, ist das Passieren solcher Kuhherden spannend.

Kühe im Lareintal

Spannend? Ich mache mir fast in die Hose, als ich die erste Kuh passiere. Jaaa, ich weiß. Meine Nervösität überträgt sich auf den Hund. Ich muss jetzt ganz cool, total gelassen an ihnen vorbeispazieren. Dann bleibt auch der Hund ruhig. Soweit die Theorie. In der Praxis hatte ich im letzten Jahr jegliche Wanderungen mit Kuhkontakt vermieden. Ich wusste ja, wie Panda auf Kühe damals noch reagierte. Da ich mal zur selben Zeit im gleichen Tal war wie eine Hundehalterin, die tragischerweise von Kühen zu Tode getreten wurde, bin ich mittlerweile bei diesem Thema sensibel.

Wir haben aber trainiert, viel trainiert. So weit man das denn noch kann, denn auch am weiten Niederrhein verschwinden die Kühe leider immer mehr in große Ställe und kommen kaum noch raus auf Weiden. Was haben es die Bergkühe doch gut hier! Trotzdem waren wir relativ erfolgreich und sind oft an Kühen vorbeigelaufen und haben das Nichtbeachten geübt. Wenn aber nun wie hier im Lareintal kein Zaun mehr uns und die Kuh trennt, ist das aber doch etwas anderes! Lange Rede, kurzer Sinn: Panda war zwar aufgeregt (fast so wie ich), aber wir haben es gemeistert. Und von Kuh zu Kuh in diesem Urlaub wurden auch unsere Begegnungen unspektakulärer.

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So, Pause musste jetzt mal sein. Am Bachufer mit wunderschönem Blick auf dem Lareingletscher konnte man es aushalten. Wir hatten ja eigentlich nur die Lareinalpe als heutiges Ziel definiert. Aber einkehren wollten wir dort erst, wenn es etwas ruhiger wurde. Außerdem war der Blick ins hintere Tal so schön! Warum also nicht ein Stückchen weiterlaufen?

Die Kinder waren nur mäßig begeistert. Aber es sollte ja nur bis zur nächsten Kurve gehen, kurz mal gucken, wie dort die Sicht aufs Talende ist. Aber da hinten ist schon die nächste Kurve. Vielleicht sehen wir von dort noch andere Berge! Und schaut mal, dort an dem großen Felsen sitzen doch Murmeltiere! Ach kommt, hinter der Wegbiegung ist die Aussicht bestimmt noch besser!

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Und prompt stehen wir kurz unterhalb der ehemaligen Zollwachthütte, immerhin auf 2130 Metern Höhe. Als Ziel eigentlich gar nicht eingeplant. Aber so ist das halt, wenn man nur mal eben um die Ecke gucken möchte. Der Aufstieg zu der privat genutzten Hütte war allerdings auch nicht beschwerlich, sondern ganz gemütlich auf breitem Weg hochzulaufen.

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Erst hier an der Hütte wird der Pfad zum Ritzenjoch und zur Heidelberger Hütte schmaler und anspruchsvoller. Eine Tour, die Panda und ein Teil unserer Wandergruppe in diesem Urlaub noch machen werden.

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Nach einer kleinen Picknickpause treten wir den Rückweg an, immer entlang an dem schön gewundenen Lareinbach. Auf der anderen Talseite ist das Verwallgebirge zu sehen. Dort waren wir dieses Jahr ebenfalls unterwegs.

Bis kurz vor der Alm treffen wir tatsächlich kaum jemanden. Auf der Lareinalpe ist aber der Bär los. Der Gottesdienst ist natürlich schon längst beendet, dafür heizt unser allseits bekannter Musikant die Stimmung an. Wir setzen uns möglichst weit von den Lautsprechern sowie anderen Hunden entfernt an einen der wenigen freien Tische. Direkt neben uns freilaufende Ziegen, für Panda also Reizüberflutung pur. Er meistert es aber ganz gut. Trotzdem bin ich, und er sicher auch, froh, als wir wieder durch den ruhigen Wald nach Galtür laufen. Wir kommen lieber ein anderes Mal wieder zu der schön gelegenen Alpe. Eine tolle Wanderung ist nämlich auch der Weg zum Berglisee. Von dort kann man auf dem Rückweg noch einen Abstecher ins Lareintal machen.

lareintal

 

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Das war er – unser erster Urlaubstag im Paznaun. Wider Erwarten hat es mit dem verrückten Panda gut geklappt. Trotz der freilaufenden Kühe und Ziegen, singenden und tanzenden Menschen, Murmeltiere und anderen Reizen ließ er sich für seine Verhältnisse relativ selten aus der Ruhe bringen. Nur, dass er es nicht aushalten kann, wenn mal jemand aus unserer Gruppe sich seiner Meinung nach zu weit entfernt, lief noch nicht so ganz optimal…

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4 Gedanken zu „Mit Hund ins Lareintal – Sommerurlaub im Paznaun

  1. Hi Carolin,
    Hunde und Kühe, ei ei ei daß ist Inder Tat immer eine spannende Sache, richtig anspruchsvoll wird’s dann wenn die Mutterkühe ihre Kälbchen beschützen, dann kann es (auch ohne Hund) richtig unangenehm werden. Ich sehe so oft Wanderer die auf die Kälber zu laufen (oooccchh sind die süüüüß) die sich nicht bewusst sind, dass die Kühe ihre Kälber beschützen, da habe ich schon ein paar Sachen gesehen. Wenn möglich mit viel Abstand und ganz ruhig weitergehen. Ansonsten hast du mich da auf eine Idee gebracht die Region mal wieder zu besuchen. Das letzte mal war ich dort vor 25 Jahren, die Heidelberger Hütte wäre dann mal eine 2 Tagestour für eine Schneeschuhwanderung im Frühjahr.
    Viele Grüße

    Oliver Huber

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    1. Hallo Oliver!

      Bisher hatte ich glücklicherweise nie Probleme mit Kühen. Und ich finde, dass sie meistens auch recht relaxed wirken, auch wenn ich mit unserem Hund vorbeiwandere.
      Respekt habe ich aber trotzdem vor ihnen, und ärgere mich ebenfalls immer, wenn andere Wanderer sich nicht an die Regeln halten, die eigentlich bekannt sein sollten.
      Auszuweichen versuche ich auch oft, meistens klappt das aber wegen des Geländes nicht. Ich habe auch mal gelesen, dass Kühe eher misstrauisch werden, wenn die Menschen vom gewohnten Pfad abweichen.
      Da bin ich mal gespannt, ob es Dich nochmal ins Paznaun zieht. Es ist wirklich eine wunderschöne Landschaft dort. Nur Ischgl finde ich furchtbar, aber es gibt ja genügend ruhige Ecken!

      Liebe Grüße
      Carolin

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  2. Das Problem mit der Reizüberflutung und der noch schwachen Bindung kenne ich auch!

    Super, wie ihr am Ball bleibt und was ihr eurem Hund für tolle Erlebnisse und Landschaften bieten könnt! Auch für mich sind diese Bilder sagenhaft schön aufgenommen:)

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo!
      Danke Dir für den lieben Kommentar!
      Unsere Bindung ist glücklicherweise mittlerweile ziemlich gewachsen. Rückfälle gibt es aber zwischendurch immer wieder.
      Ich denke, dass ich anfangs auch zu sehr auf meine damalige Hundetrainerin gehört habe und zu schnell zu viel vom Hund verlangt habe.

      Viele Grüße
      Carolin

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