Panoramatour in den Allgäuer Alpen – Über das Laufbacher Eck ins Oytal

Startpunkt der Wanderung zum Laufbacher Eck ist der Zeigersattel mit Blick auf den Seealpsee

Die Wanderung von der Station Höfatsblick am Nebelhorn über das Laufbacher Eck ins Oytal ist zwar schon eine Weile her, aber immer noch in so eindrucksvoller Erinnerung, als ob es gestern gewesen wäre. Kein Wunder, gilt der Laufbacher Eck-Weg doch als die Panoramatour schlechthin im südlichen Allgäu.

Viele namhafte und formschöne Berggipfel der Allgäuer Alpen hat man im Blick, während es an Bergwiesen und steilen Grasflanken vorbeigeht. Aber: der Weg ist kein Spaziergang und erfordert an einigen Stellen besondere Konzentration und Trittsicherheit. Gerade bei Nässe könnten die schmalen Pfade auf den steilen Grashängen heikel werden. Wem die Tour mit 22 Kilometern zu lang ist, kann auch nur bis zum Laufbacher Eck und zurück zur Nebelhornbahn laufen. So wird die Strecke auf die Hälfte verkürzt und man hat trotzdem viele schöne Aussichtspunkte erreicht, nur auf die letzten Abfahrtszeiten der Bahn runter nach Oberstdorf sollte man achten!

Wegweiser am Nebelhorn

Da wir die angegebene Gehzeit von sieben Stunden mit Sicherheit um einiges überschreiten würden, haben wir eine der ersten Fahrten der Bergbahn genommen. Das Edmund-Probst-Haus ist der Ausgangspunkt dieser Wanderung hoch über dem Allgäu. Ein Wegweiser führt uns in wenigen Minuten zum Zeigersattel. Ein wunderschönes Fleckchen Erde, das man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn man am Nebelhorn unterwegs ist.

Während wir dort stehen, die Aussicht auf den Seealpsee und die dahinter liegende Höfats genießen, bemerken wir erst nach und nach die vielen Gämse, die unterhalb von uns auf den Berghängen grasen. Eigentlich könnte man es hier noch länger aushalten, vielleicht nur bis zur Alpe an dem traumhaft gelegenen Seealpsee, der übrigens der tiefste See im Allgäu ist, gehen. Aber das Laufbacher Eck ruft, und am Ende dieses langen Wandertages wird auch niemand von uns die Entscheidung zu dem teilweise anstrengenden Weg bereuen.

Am Zeigersattel hat man einen wunderschönen Ausblick auf die Allgäuer Alpen und die Höfats

Auf einem schmalen Bergpfad queren wir die blühenden Bergwiesen unterhalb des Großen und Kleinen Seekopfs. Gerade bei Nässe sollte man hier gut aufpassen, auch Altschneefelder könnten den Anspruch an die Trittsicherheit stark erhöhen. Wir haben Glück, der Weg ist vollkommen trocken. Trotz eines Wintereinbruchs mitten im Hochsommer vor wenigen Tagen ist der gefallene Schnee wieder verschwunden.

Auf dem Laufbacher Eck-Weg Blick Richtung Koblat und Hinterstein

Höfats in den Allgäuer Alpen vom Laufbacher Eck-Weg gesehen
Die Höfats, eines der schwierigsten Gipfelziele im Allgäu

Immer wieder muss ich stehen bleiben und das Bergpanorama bewundern. Die Höfats, die mich mit ihren markanten Gipfeln an eine Flamme erinnert oder der Schneck (ich finde ja, es müsste die Schneck heißen)  sind zwei von vielen beeindruckenden Ausblicken, die man auf dem gesamten Weg hat.

Schneck im Allgäu
Der Schneck, ein Allgäuer Berg, der von allen Seiten komplett anders aussieht.

Vom Laufbacher Eck durch das Oytal nach Oberstdorf

Oh je, an einer Stelle, noch vor dem Laufbacher Eck, kann man einen Teil des Rückweges durch das Oytal erkennen. Links umrundet man den Schneck und das Himmelhorn, erreicht dann unterhalb des Geröllfeldes die Wildenfeldhütte, bevor es runter zur Käsealpe und im Zickzack ins Oytal geht. Tja, dann mal los, schließlich werden wir am Laufbacher Eck erst fünf von insgesamt 22 Kilometern bewältigt haben!

Es folgen ein paar Serpentinen und die mit Spannung erwartete „Schlüsselstelle“ dieser Wanderung. Zumindest wird dieser kurze Abschnitt in vielen Tourenbeschreibungen und Wanderführern als solche bezeichnet. Durch die Seilversicherung ist die Stelle aber in meinen Augen nicht allzu schwierig, steil ist aber der Abgrund darunter trotzdem.

Auf dem Laufbacher Eckweg Richung Schneck

schluesselstelle-laufbachereck

Seilversicherte Schlüsselstelle am Laufbacher-Eck-Weg im Allgäu

Nun geht es ein kleines, strammes Stückchen hoch zum Laufbacher Eck. Wie so oft in den Bergen tauchen urplötzlich immer mehr Wolken am Himmel auf. Zum Glück keine Gewitterwolken. Stabiles Wetter sollte man auf dieser Wanderung nämlich haben. Am Laufbacher Eck angekommen, erreichen uns wieder ganz neue Ausblicke. Die Sicht geht Richtung Osten. Unübersehbar ist der Hochvogel, ein wie so viele Allgäuer Berggipfel formschöner, markanter Berg.

Aufstieg zum Laufbacher Eck
Blick zurück am Aufstieg zum Laufbacher Eck
Wegweiser am Laufbacher Eck im Allgäu
Wieso steht auf dem Wegweiser ausgerechnet beim Oytal keine Zeitangabe?
Hochvogel vom Laufbacher Eck aus
Einer meiner Lieblingsberge – der Hochvogel

Während die Sicht Richtung Hochvogel noch recht ungetrübt ist, wird es zur anderen Seite immer nebeliger. Lange halten wir uns also nicht am Laufbacher Eck auf. Das erste kleine Stückchen ist es noch etwas steiler, dann wird der Weg immer einfacher zu laufen. Die technisch anspruchsvollen Passagen liegen hinter uns. Schade, dass sich die Berge nun immer mehr in Wolken verhüllen. Gerade die Sicht vom Himmelecksattel wäre noch mal beeindruckend gewesen.

Ab hier kreuzen sich unsere Wege immer wieder mit zwei gemeinsam wandernden Frauen. Mal überholen sie uns, dann treffen wir sie wieder, wenn sie eine Pause einlegen. Wie so oft in den Bergen kommt man schnell ins Gespräch – über die tolle Landschaft, den nicht enden wollenden Weg und unser Wanderkind, das mal wieder im Gegensatz zu mir keine Konditionsprobleme hat und Lieder singend über die Steine hüpft.

Wir erreichen die Wildenfeldalpe – leider nicht bewirtschaftet. Der steile, schotterige Weg runter zur Käseralpe ist der unangenehmste Teil dieser Wanderung. Eine Pause auf der Alpe muss definitiv sein, auch wenn wir damit das Risiko eingehen, nicht mehr rechtzeitig das Oytalhaus zu erreichen. Dort warten nämlich (damals) bis 18 Uhr Bergroller auf uns, die man ausleihen und sich dadurch die letzten Kilometer auf Asphalt nach Oberstdorf zu laufen ersparen kann. Aber wir benötigen Stärkung bei der einzigen Einkehrmöglichkeit auf diesem Weg.

laufbacher-eck-oytal-oberstdorf

IMG_4980 (1024x683)

IMG_4986 (1024x683)

IMG_4993 (1024x683)

abstieg-laufbacher-eck

wildenfeldalpe

kaeseralpe

Von der Käseralpe runter zum Oytalhaus müssen noch ca 400 Höhenmeter auf einem Fahrweg bewältigt werden. Leider sind kaum noch Berge zu sehen, so nebelig wird es. Für Fotos ist sowieso keine Zeit mehr. Wenn wir rechtzeitig an dem Gasthof ankommen wollen, müssen wir uns ein wenig beeilen. Schon von weitem sehen wir die Wirte vor dem Haus stehen, ausschauhaltend, ob denn noch Wanderer von der Käseralpe kommen und einen Roller ausleihen wollen. Schließlich ist es schon kurz nach sechs und das Oytalhaus ist eigentlich geschlossen.

Die Alternative, die letzten acht Kilometer auf dem Fahrweg runter nach Oberstdorf rollend oder aber mit qualmenden Füßen zu bewältigen, setzt bei mir bis dahin ungeahnte Energien frei. Zur Belustigung der restlichen Familie renne ich händewinkend den Gastwirten entgegen. Aber immerhin, dank meines Einsatzes können wir noch drei Fahrzeuge ausleihen und uns so kräfteschonend nach Oberstdorf rollen lassen.

roller-oytal

Das Oytal ist übrigens auch ein tolles, einfach zu erreichendes Wanderziel. Entweder über einen Waldweg oder über kleine Fahrwege vorbei an den Skisprungschanzen geht es von Oberstdorf aus in das idyllische Tal.

Wer aber gerne eine mehrtägige Wanderung mit Hüttenübernachtungen bevorzugt, dem sei die Steinbocktour empfohlen. Auf 60 Kilometern quert man die Allgäuer Alpen und kommt ebenfalls am Laufbacher Eck vorbei. Auf dem Blog als nuff! findet ihr einen ausführlichen Bericht darüber.

oytal-oberstdorf-mit-kindern
Wanderung ins Oytal in einem früheren Urlaub

Respect all life.-1

Merken

Merken

Merken

Advertisements

8 Gedanken zu „Panoramatour in den Allgäuer Alpen – Über das Laufbacher Eck ins Oytal

    1. Hallo Silvana!
      Danke Dir!
      Schwindelfrei bin ich zum Glück, meine Trittsicherheit ist allerdings ausbaufähig. Ohne Stöcke fühle ich mich beim Runterlaufen mittlerweile auch nicht mehr ganz wohl. Und gerade am Ende einer Tour, wenn die Konzentration nachlässt, komme ich schon mal leicht ins Stolpern.
      Liebe Grüße
      Carolin

      Gefällt mir

  1. Hallo Carolin!

    Da hast Du jetzt meine Sehnsucht nach dem Allgäu geweckt – nicht, dass es in der Schweiz nicht auch schön wäre, im Gegenteil – aber wenn die eigenen Berganfänge im Allgäu liegen, ist man mit der Region doch ganz besonders innig verbunden.

    Die Begeisterung für den Hochvogel kann ich übrigens teilen! Ist schon lange ein Traum von mir, seinen Gipfel zu besuchen.

    Vielen lieben Dank auch für die Erwähnung unseres Steinbocktourberichts!*freu*

    Liebe Grüße
    Biene

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Biene!

      Die Wanderung dort ist jetzt auch schon ein paar Jahre her. In den letzten Urlauben hat es uns ja eher in die etwas höheren Berge Österreichs bzw. in die Dolomiten gezogen.
      Aber das Allgäu war lange Zeit meine zweite Heimat. Und auch wenn ich als Kind meinen Eltern dort überwiegend die etwas langweiligeren Wege hinterhergelatscht bin, habe ich dort ebenfalls meine Bergliebe entdeckt 😉
      Dass der Hochvogel ziemlich bröckelt, habe ich gerade erst auf eurem Blog erfahren. Ich hoffe, er bleibt uns noch länger erhalten!

      Liebe Grüße in die Schweiz
      Carolin

      Gefällt mir

  2. Hallo, vielen Dank für die Beschreibung und die aussagekräftigen Bilder der schönen Tour. Ich kann dir bei jeder Zeile nur zustimmen, denn die Tour ist einfach ein Traum und weckt in uns die Sehnsucht wieder ins Allgäu zu fahren.

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Angelika!

      Vielen Dank für den netten Kommentar!
      Beim Schreiben des Artikels habe ich auch oft gedacht, dass ich schon viel zu lange nicht mehr im Allgäu war!

      Viele Grüße
      Carolin

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s