Nachgefragt beim Kalte Schnauze Blog: Hund und Zelt im Gepäck

Zelten mit Hund? Geht das? Auf Campingplätzen sieht man zwar viele Hunde, meist sind deren Halter allerdings Wohnmobilbesitzer. Aber im Zelt? Silvana vom Kalte Schnauze Blog hat sich meinen Fragen zu diesem Thema und ihren Campingerlebnissen gestellt und gezeigt, dass ein Zelturlaub mit Hund durchaus klappen kann.

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Cabo und seine Hundefreunde beim Wandern in Belgien. Foto von Silvana Brangenberg – Kalte Schnauze Blog

Auf ihrem liebevoll geführten Blog erzählt Silvana aber nicht nur über ihre Zelterfahrungen. Neben den Alltagsgeschichten, die sie mit ihrem spanischen Hund Cabo erlebt, sind Hundewanderungen einer ihrer Schwerpunkte, immer garniert mit wunderschönen Fotos.

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Cabo im holländischen Tulpenfeld. Foto von Silvana Brangenberg

Wie bist Du auf die Idee gekommen, mit Hund zelten zu gehen? Warst Du schon immer ein Campingfreund?

Es war eigentlich keine Idee, sondern hat sich damals durch meinen Freundes- und Bekanntenkreis so ergeben. Wir alle gingen in dieselbe Hundeschule. Irgendwann hat sich dort eine Gruppe gebildet, die regelmäßig im Mai und Oktober für ein verlängertes Wochenende an die Niederländische Nordsee gefahren ist. Viele von ihnen hatten damals schon Wohnmobile, sodass ein Großteil der Gruppe sich auf einem Campingplatz einmietete. Beim ersten Mal habe ich mir noch mit Freunden einen Bungalow geteilt. Ein Jahr später nahm mich eine Freundin in ihrem Wohnmobil mit.

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Campingplatz in der Lüneburger Heide. Foto von Silvana Brangenberg

Das war im Oktober 2012. Unser erstes Mal Camping. Bis dato war ich noch nie mit dem Thema in Berührung gekommen. Als Kind im Garten zelten, zählt da nicht so wirklich. Obwohl das Wetter damals schrecklich war, hat mir mein erster Camping-Ausflug super gefallen.

Im Mai 2013 folgte dann der nächste Camping-Trip in die Niederlande, und im Juli habe ich erstmals mit einem uralten Aldi-Zelt aus den 90er Jahren meine Freunde nach Malmedy in Belgien begleitet. Auch das war eine Erfahrung, an die ich noch lange und gerne zurückdenken werde. Weil das Zelt schon so alt war, war es undicht – und Cabo und ich in der ersten Nacht pitschnass. Also kaufte ich mir ein neues Zelt: mit Stehhöhe, viel mehr Platz und besserer Wassersäule. 😉

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Zelten an der Ostsee. Foto von Silvana Brangenberg

Kannst Du ein paar Tipps geben, wie der optimale Campingurlaub mit Hund gelingt? Welchen klassischen Anfängerfehler sollten Hundehalter vermeiden?

Die Frage kann ich nicht pauschal beantworten. Es gibt da kein Richtig oder Falsch. Ausprobieren! Denn letzten Endes kommt es beim Camping immer auf den Hund an und wie er es annimmt. Wenn er es von Welpe an kennt, im Wohnmobil, Wohnwagen oder Zelt zu wohnen und zu übernachten, ist das easy. Manche Hunde finden die Enge komisch, oder haben Angst vor dieser merkwürdigen Hundehütte, in der sie auf einmal schlafen und sich aufhalten sollen. Wenn der Hund generell ein Problem mit fremder Umgebung hat, spielt es keine Rolle, ob es nun auf den Campingplatz geht, ins Hotel oder in eine Pension.

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Cabo scheint, das Schlafen im Zelt zu genießen. Foto von Silvana Brangenberg

Im Grunde ist Camping-Urlaub nicht viel anders als Urlaub im Apartment zu machen. Natürlich hat man viel weniger Platz zur Verfügung. Und es ist um einiges spartanischer. Aber die Reisevorbereitungen sind ähnlich. Ich packe für Cabo und mich immer gleich ein. Was hinzu kommt, sind die ganzen Camping-Utensilien wie etwa Stuhl, Tisch, Gas-Kocher, Geschirr, Wasserkocher, Luftmatratze usw.

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Auf dem Campingplatz im holländischen Sint Maartenszee. Foto von S. Brangenberg

Worauf meine Freunde und ich bei der Wahl eines Campingplatzes immer achten, ist, ob er explizit mit Familienfreundlichkeit oder Kinderfreundlichkeit wirbt. Solche Plätze buchen wir nicht. Zum einen, weil es dort schon recht laut werden kann und nicht jeder Hund Kindergewusel mag. Zum anderen treffen mit Hundehaltern und Familien mit Kindern zwei vollkommen unterschiedliche Interessensgruppen aufeinander. Da kann es schon mal zu Konflikten kommen. Darum gehen wir denen von Anfang an aus dem Weg und buchen lieber Plätze, wo man sich entweder gut aus dem Weg gehen kann oder gar nicht aufeinandertrifft.

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Der Campingplatz zum Örtzewinkel in der Lüneburger Heide. Foto von Silvana Brangenberg

Was hält Cabo, Dein Hund, denn vom Zelten? Musste er irgendetwas Spezielles lernen, um campingplatztauglich zu werden?

Cabo war fünf Jahre alt, als er mit mir das erste Mal gezeltet hat. Es war überhaupt nichts für ihn. Weder die Campingplatz-Atmosphäre noch das Schlafen im Zelt. Jeder Camper wurde verbellt, der sich unserem Platz näherte. Und nachts schlug er bei jedem Geräusch an. Er hörte tatsächlich die Regenwürmer husten. Kurz gesagt: Cabo kam auf dem Campingplatz überhaupt nicht zur Ruhe. Das hat mich damals ziemlich frustriert.

Recht schnell habe ich jedoch eine Lösung für ihn gefunden: mein Auto. Dort fühlt er sich sicher und kann sofort entspannen. Und so schlief er tagsüber nach den Wanderungen im Auto und nachts auch. Natürlich nur, wenn die Temperaturen es zuließen. Durch mein Auto konnte ich ihn Stück für Stück ans Camping gewöhnen. Mittlerweile schläft er gerne mit mir im Zelt. Er schlägt auch nur noch an, wenn es einen triftigen Grund gibt. Draußen vor dem Zelt ist auch kein Problem mehr. Ich kann ihn überall ablegen und er entspannt sofort. Er liebt es mit mir draußen zu sein. Das ist ein schönes Gefühl.

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Ein entspannter Hund auf dem Campingplatz. Foto von Silvana Brangenberg
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Foto von Silvana Brangenberg

Was würdest Du Dir wünschen, könnten Campingplätze in Sachen Hundefreundlichkeit verbessern?

Es gibt Campingplätze, die noch immer Listenhunde verbieten. Das finde ich schade und gehört für mich wie diese unsägliche Rasseliste abgeschafft. Auf solchen Plätzen würden meine Freunde und ich nie Urlaub machen. Ansonsten sind die Campingplätze in Deutschland schon ganz gut aufgestellt. Ich bin da aber eher kein Maßstab, weil ich da recht anspruchslos bin. Mir reicht es, wenn ich meinen Hund mitbringen kann und er dort willkommen ist. Schön sind Mülleimer mit Kotbeutelspendern. Ist aber auch kein Muss für mich. Zumal ich meinen Hund grundsätzlich nicht auf dem Platz sein Geschäft verrichten lasse.

Es gibt aber auch schon Campingplätze, die sich extra auf Gäste mit Hund einstellen. Dort gibt es eingezäunte Freilaufflächen, Beschäftigungsangebote und Duschen für den Hund. Das brauche ich alles nicht, weil ich eh tagsüber mit Hund unterwegs bin.

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Im belgischen Malmedy gibt es viele, abwechslungsreiche Wandermöglichkeiten. Foto von Silvana Brangenberg

Manchmal erlebt man auf dem Zeltplatz kuriose, außergewöhnliche oder einfach nur schöne Momente. Bei mir waren das z.B. das Hasenmaskottchen, das jeden Morgen holländische Lieder singend über den Platz zog im Schlepptau sämtlicher Kinder oder das ältere Paar, das immer nach dem Abendessen die Gitarre rausholte, irische Folksongs spielte und den halben Campingplatz begeisterte. Hast Du auch etwas in ganz besonderer Erinnerung?

Es gibt zwei Dinge. Und die passieren meinen Freunden und mir regelmäßig, wenn wir Campingurlaub machen. Wir sind mit unseren fünf Hunden eine Gruppe, die auffällt. An der Ostsee in Ahrenshoop wurden wir mal gefragt, ob wir mit dem Tierheim einen Ausflug machen. Warum sollte man sonst mit so vielen Hunden gleichzeitig unterwegs sein.

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Die Hundebande unterwegs an der Ostsee in Ahrenshoop. Bild von Silvana Brangenberg

Auf den Campingplätzen, fallen wir regelmäßig abends auf, wenn wir von der Abendrunde mit den Hunden zurückkommen und an den Sanitäranlagen Halt machen. Die Hunde binden wir dann an einem Poller an, um selbst mal aufs Klo zu gehen. Wenn wir dann zu den ihnen zurückkehren, sitzen sie alle in Reih und Glied und warten brav auf uns. Um sie rum eine kleine Traube von Menschen, die den Anblick einfach zu süß findet. Natürlich freuen wir uns da jedes Mal drüber.

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Foto von Silvana Brangenberg

Die Uckermark, Nordholland oder das Ahrtal sind einige Stationen in Deinem Campingleben. Wo hat es Dir am besten gefallen? Gibt es regionale Unterschiede, wie hundefreundlich die Campingplätze sind?

Ich kann dir gar nicht sagen, wo es mir am besten gefallen hat. Alle Plätze und Orte haben ihren individuellen Charme und sind nicht miteinander vergleichbar. In den Niederlanden sind die Menschen äußerst hundefreundlich. An der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern ist das sehr unterschiedlich. Entweder hast du Leute, die permanent die Nase rümpfen, wenn du irgendwo mit Hund auftauchst oder du bist denen vollkommen egal. Auf dem Campingplatz in Dierhagen-Neuhaus waren wir aber gern gesehene Gäste. Der Campingplatz in der Uckermark lag direkt an einem großen See. Dort gab es sogar eine Extra-Badestelle für Hunde und überall Mülleimer mit Kotbeutelspender. Die Leute dort waren auch sehr nett. Trotzdem gab es dort oben viele Plätze, auf denen Listenhunde verboten waren. Da war es gar nicht so einfach, etwas zu finden. Mit dem Naturcampingpark Rehberge haben wir jedoch einen echten Glücksgriff gemacht. In der Eifel und in Belgien war bis dato auch alles vollkommen unproblematisch. Das liegt aber auch zum größten Teil an uns und den Hunden. Wir nehmen überall, wo wir zu Gast sind, Rücksicht. Das gehört sich einfach so und macht vieles im Umgang leichter.

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Zeltplatz in der Uckermark. Foto von Silvana Brangenberg

In Deinen Zelturlauben bist Du ja immer sehr aktiv. Von welchem Zeltplatz aus hast Du die schönsten Wanderungen unternommen?

Im Ahrtal und in Malmedy waren wir auf Campingplätzen, von denen wir direkt loswandern konnten. Das sind vor allem Plätze, die wir für Wochenendtrips ansteuern. Da wollen wir nicht noch fahren, um irgendwo laufen zu können. Vor allem die Wanderungen in Malmedy habe ich in toller Erinnerung. Im Ahrtal ist das Camping Denntal und in Malmedy Camping Du Moulin. Ansonsten wählen wir die Campingplätze immer so aus, dass sie in der Nähe von schönen Wanderwegen sind und wir nicht weit fahren müssen. Das hat bis jetzt super geklappt. Fischland-Darß-Zingst und Lüneburger Heide sind da tolle Anlaufstellen.

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Gar nicht so flach ist es in Belgien auf dem Wanderweg bei Malmedy. Foto von Silvana Brangenberg
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In der Lüneburger Heide. Foto von Silvana Brangenberg.
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Am Kastavensee in der Uckermark. Bild von Silvana Brangenberg

In einem Buch des Komikers Wigald Boning habe ich mal folgenden Satz gelesen: „Chaos ist nicht Begleiterscheinung, sondern der eigentliche Sinn des Campings.“ Was sagst Du dazu?

Ich glaube der Begriff Chaos rührt daher, dass Camping doch etwas umständlich ist. Wenn ich in meinem Zelt etwas hole, überlege ich sehr genau, ob ich direkt noch etwas mitnehme. Ich habe zwar schon System in meinen Zeltboxen, aber es ist halt doch nicht alles so bequem und mit einem Handgriff rausgeholt wie Zuhause. Aber dieses „Back to Basic“ ist herrlich erdend und lässt einen den Luxus im Alltag wieder wertschätzen.

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Mit einem bisschen System ist Zelten auch gar nicht so chaotisch! Foto von Silvana Brangenberg

Man kann ja unglaublich viel Geld für die Zeltausrüstung ausgeben. Was war für Dich oder Cabo die beste Investition?

Meine Coleman Luftmatratze und die elektronische Luftpumpe. Wobei beides nicht wirklich teuer war. Die Matratze hat glaube ich damals um die 40 Euro gekostet und die Pumpe nur 10. Und mein Obelink-Zelt „Benidorm“ mag ich sehr. Schön groß, Stehhöhe, wasserdicht und hat nur 150 Euro gekostet. Für Cabo habe ich zum Campen ehrlich gesagt nie etwas extra gekauft. Ich habe ihm nur meinen alten Schlafsack abgetreten für kalte Nächte. Ansonsten hat er das, was er auch von Zuhause kennt.

Hast Du schon ein Ziel oder einen Wunsch, wo es das nächste Mal hingehen soll? Und immer Zelt oder doch irgendwann mal ein Wohnmobil?

Als nächstes geht es für ein verlängertes Wochenende nach Nordholland. Meine Freunde und ich haben großes Seeweh. Diesmal fahren aber wir nicht nach Sint Maartenszee, sondern zwei Orte weiter nach Julianadorp, wo wir näher am Strand sind. Wir haben zwei Senioren dabei, die nicht mehr so gut zu Fuß sind.

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Schön, wenn der Campingplatz direkt an den Dünen liegt! Foto von S.Brangenberg
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Was gibt es Schöneres für Hunde, als am Strand zu toben? Foto von Silvana Brangenberg

Ende Mai geht es für eine Woche ins Saarland. Da wollen wir die Traumschleifen und Teile des Saar-Hunsrück-Steigs unsicher machen.
Noch mag ich das Zelten sehr. Doch auf lange Sicht hätte ich es gerne etwas komfortabler mit einem kleinen Wohnwagen für Cabo und mich. Die Anhängerkupplung habe ich zumindest schon.

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Ich freue mich schon auf viele weitere Campinggeschichten von Silvana und Cabo! Foto von Silvana Brangenberg

Liebe Silvana, herzlichen Dank für die tollen Einblicke und die vielen Fotos, die Du mir zur Verfügung gestellt hast! Mal sehen, ob ich mich irgendwann mal mit Hund auf den Campingplatz traue! Lust machen Deine Geschichten darüber auf jeden Fall!

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2 Gedanken zu „Nachgefragt beim Kalte Schnauze Blog: Hund und Zelt im Gepäck

  1. Herzlichen Dank für das schöne Interview, Carolin. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, deine Fragen zu beantworten. Übrigens bin ich das auf dem ersten Foto in kurzer Hose gar nicht. 😉 Wobei mir jetzt erst auffällt, dass meine Bekannte und ich uns sehr ähnlich sehen. Zumindest von hinten. 😄
    Ich werde den Beitrag nächste Woche auch noch auf meinen Sozial Media Kanälen teilen.
    Ganz liebe Grüße
    Silvana mit Cabo

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