Über das Muttenjoch zur Friedrichshafener Hütte -Wandern im Verwall

Manchmal gibt es sie: Wanderungen, die man nicht unbedingt noch einmal machen möchte. So war es auch bei mir vor ein paar Jahren, nachdem ich von der Heilbronner zur Friedrichshafener Hütte gelaufen bin. Nie, niemals wieder wird mich das verflixte Muttenjoch wiedersehen, glaubte ich damals noch.

Anstieg zum Muttenjoch und zur Gaisspitze
Wie so oft, auf dem Foto sieht der Anstieg zum Muttenjoch gar nicht so schlimm aus.

Aber wie das häufig mit Vorsätzen ist, man bricht sie dann doch. Ein Glück, diese Tour im Verwall ist landschaftlich nämlich einmalig, weswegen wir sie unseren Wanderfreunden im letzten Sommerurlaub nicht vorenthalten wollten. Mittlerweile bin ich ja auch konditionell wesentlich (naja ein bisschen zumindest) fitter und habe zudem noch einen Hund dabei, der sehr gut im Ziehen ist… Für unsere Freunde war diese Wanderung übrigens die eindruckvollste des gesamten Urlaubes. Also gut, dass wir sie doch noch einmal gemacht haben!

Los geht es am Kopsstausee mit Blick zur Silvrettastraße.

27 Kilometer lang ist die Rundwanderung von Galtür zur Neuen Heilbronner und Friedrichshafener Hütte und wieder zurück in das kleine Bergdorf am Talende im Paznaun. Angesichts der Höhenmeter, die zusätzlich gemeistert werden müssen, entscheiden wir uns, die Strecke um ein paar Kilometer zu verkürzen, auf schlappe 21 nämlich, und fahren mit dem Bus zum Kopsstausee bzw. Gasthaus Zeinisjoch. Von dort auf 1800 Metern schlagen wir den einfach zu laufenden Pfad zur Verbella-Alpe ein.

Gasthof am See in den Bergen
Ziemlich idyllisch liegt der Gasthof Zeinisjoch an einem Teil des Kopsstausees. Hier gibt es auch einen kleinen Campingplatz.
Silvrettahochalpenstraße
Nach einem ersten kleinen Anstieg rückt das Silvrettagebirge und die Hochalpenstraße in den Blick.
Zeinissee am Weg zur Verbellaalpe
Was für ein schönes Stückchen Erde am kleinen Zeinissee – nur ein paar Minuten von der Bushaltestelle entfernt.

Lange dauert es nicht, bis man die aus Stein gemauerte Verbellaalpe entdeckt. Die erste kleine Pause wird gemacht und sich mit frischer Buttermilch gestärkt. Nach der Alpe erfolgt nämlich der erste steilere Aufstieg Richtung Heilbronner Hütte.

Von der Verbella-Alpe zur Heilbronner Hütte

In einigen Serpentinen geht es nun in ein Hochtal. Statt des nicht allzu anstrengenden Pfades könnte man auch einen Fahrweg nehmen. Den nutzen aber vorwiegend einige Radfahrer. In dem Hochtal zwischen Valschavielkamm und Fluhgruppe lässt es sich dann gemütlich am Bach entlang laufen. Die Kinder finden ein paar Spielmöglichkeiten am Wasser. Das Staudammbauen ist glücklicherweise noch nicht ganz Vergangenheit, aber mit der Actionkamera des Wanderkumpels (ich muss neidvoll wirklich sagen) tolle Unterwasseraufnahmen zu filmen, weckt dann doch eher das Interesse. Auch der Hund kann sich im Bach ein wenig abkühlen. Irgendwann verläuft der Bach aber jenseits eines Weidezaunes. Kühen begegnen wir bisher nicht, dafür hört und sieht man ständig Murmeltiere. Da sie sofort Pandas Jagdtrieb auslösen, muss er hier leider an der Leine bleiben.

Verbella-Alpe mit Aussicht auf die Silvretta
Blick zurück zum Almgrund der Verbella-Alpe. Ganz hinten sieht man die Berge rund um die Saarbrücker Hütte.

Die Heilbronner Hütte ist auf einem kleinen Hügelchen schon bald zu sehen. Kleines Hügelchen? So sieht es aus der Ferne zumindest aus. Und trotz meiner, wie ich anfangs geprahlt habe, gesteigerten Fitness lasse ich auf den letzten Metern den Rest der Gruppe von dannen ziehen und bin froh, dass sie mein Schnaufen nicht hören. Was ist es aber auch heiß heute! Im Grunde genommen komme ich auch nur gefühlte Stunden später als die anderen oben an, weil ich noch gebeten werde, von einem fremden Wanderpaar Fotos vor dem wunderschönen Scheidsee zu machen. Während ich mich mit den beiden noch über Wanderwege in diesem Gebiet austausche, höre ich ein ins Mark gehendes Gebell. Ein Glück, dass ich noch hier unten bin und mich nicht für Pandas sagen wir mal etwas impulsive Begrüßung der beiden Hüttenhunde schämen muss.

wandern-heilbronner-huette
Hier ist der Wanderweg zur Heilbronner Hütte noch ganz gemütlich

Heilbronner Hütte im Verwall

hochtal-verwall
Blick von der Hütte zurück auf den Hinweg

Einkehr auf der Heilbronner Hütte

Immerhin, als ich auf der Hüttenterrasse eintreffe, hat sich der Chaoshund wieder beruhigt und liegt relativ entspannt unter dem Tisch. Auch wir lassen es uns hier gut gehen und essen eigentlich viel zu viel, dafür dass wir vielleicht gerade mal ein Drittel der gesamten Wanderung geschafft haben und der anstrengenste Teil noch folgt. Aber die Speiseauswahl auf der Heilbronner Hütte ist wirklich toll, gerade auch für Vegetarier. Die Marende mit Kartoffeln, sehr viel Käse und einem leckeren Dip ist mehr als sättigend. Die Nudeln mit dem Bergkräuterpesto gibt es sogar auch in einer veganen Variante. Da sollte man aber eventuell bei der Bestellung noch mal nachfragen. Bei mir ist nämlich leckerer Streukäse drauf. Klee- und andere Blüten auch übrigens. Ich gehe mal davon aus, dass sie nicht nur Deko sind und esse sie mit auf.

So, der Bauch ist voll. Eigentlich wäre jetzt ein Nickerchen auf den umliegenden Bergwiesen angesagt! Oder einfach nur ein bisschen Gucken auf die wunderschöne Gegend. Die Heilbronner Hütte befindet sich nicht nur genau an der Landesgrenze zwischen Vorarlberg und Tirol, sondern auch an der europäischen Wasserscheide von Donau und Rhein. Der Blick hinunter auf die Scheidseen und ins Schönverwalltal mit den einsamen Gipfeln des Verwallgebirges ist herrlich! Wessen Idee war es eigentlich, noch weiter zur Friedrichshafener Hütte zu latschen?

Scheidseen im Verwallgebirge
Am Scheidsee im Verwall – hier lässt es sich aushalten
Scheidseen
Würde man diesen Weg immer weiter gehen, käme man irgendwann in St. Anton am Arlberg aus.
Heilbronner Hütte am See
Mmh, Pause unten am See oder doch weiter zum Muttenjoch?

Die vernünftigen Teilnehmer unserer kleinen Wandergruppe (also die zwei Frauen) überlegen, ob der weitere Weg denn nach unserer langen Pause an der Hütte überhaupt noch im Hellen zu schaffen ist. Schauen auf die Karte, vergleichen Uhrzeiten und studieren die Wegweiser. Währenddessen sind beide Väter schon längst losgezogen. Der Rest, wir Frauen ein wenig seufzend, augenverdrehend und die Kinder murrend, hinterher. Panda, dem Chaostier, ist es vollkommen egal, in welche Richtung. Hauptsache, die Herde bleibt zusammen und niemand wagt es, aus seinem Blick zu verschwinden.

huette-verwall-wandern
Die Heilbronner Hütte wird immer kleiner. Seht ihr eigentlich auch, was ich sehe??? Fantasie ist gefragt!

Nun wird es immer menschenleerer. Die typische Verwalleinsamkeit ist hier zu spüren. Es geht vorbei an kleinen Bergtümpeln und Wollgrasinseln weiter Richtung Muttenjoch. Auch der formschöne Patteriol, ein 3000er im Verwall rückt in den Blick.

Der Weg verliert etwas an Höhe, bevor es ziemlich steil auf 2620 m Höhe aufs Muttenjoch geht. Der ausgetretene Pfad ist ein wenig unangenehm zu laufen, da es kaum Serpentinen oder Steine gibt, um etwas Halt zu finden. Ein kurzes, etwas ausgesetztes Stück muss noch bewältigt werden, dann stehen wir auf dem Muttenjoch. Eine faszinierende Landschaft überblickt man hier. Zwar karg, aber durch die tiefblauen Seen und die letzten Schneereste unterhalb des Grieskogels wunderschön! Von dem Berg hoch über Galtür stürzte 1999 eine verheerende Lawine ins Tal und veränderte auf einen Schlag das Leben in dem sonst so idyllischen Dorf. Mittlerweile schützen dort große Lawinenmauern die Einwohner und Urlauber. Die Baumaßnahmen sind perfekt ins Landschaftsbild eingefügt und sogar noch eine Bereicherung, in dem sie z.B. beim Alpinarium, dem örtlichen Museum, zusätzlich als Kletterwand genutzt werden.

Wandern mit Hund in Galtür
Mein Hund – das Bergchamäleon
Gaisspitze am Muttenjoch
Auf dem Muttenjoch – den Abstecher zur Gaisspitze lassen wir dann mal.
Flora im Verwall
Selbst hier findet man noch etwas Blühendes.
Hund am Muttenjoch
Gibt es hier Bergflöhe?

Vom Muttenjoch zur Friedrichshafener Hütte

So langsam drängt jetzt aber die Zeit, wir sollten langsam weiter zur Friedrichshafener Hütte. Und während ich zwar im Aufstieg die langsamste von uns war, so bin ich dafür die beste Tierfinderin! Erst einen, dann zwei und schließlich immer mehr Steinböcke entdecke ich in den Felswänden des Gaishorns. Der Berg scheint nicht umsonst so zu heißen. Leider habe ich genau wie bei der Wanderung zum Grieskogel nicht das passende Objektiv für vernünftige Fotos der beeindruckenden Alpenbewohner dabei. Ein kleines Schneefeld müssen wir noch überqueren. Nichts gefährliches, da der Weg nun flacher wird. Dem Wanderkind macht das Rutschen im Schnee soviel Spaß, dass die Energie urplötzlich wieder da ist, das Ganze noch mal zu wiederholen.

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Steingeiß im Verwall

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Bald landen wir auf einem breiten Güterweg und haben die Berge und Gletscher des Silvrettagebirges vor uns. Besonders markant ist der Jamtalgletscher, der über der gleichnamigen Hütte liegt. Da ist auch schon die Friedrichshafener Hütte, die an einem kleinen See mit eigenem Boot  liegt. Viele Familien übernachten hier, schließlich macht die Hütte auch bei der Aktion „Mit Kindern in die Berge“ des Alpenvereins mit.

Wir haben riesiges Glück, dass wir gerade noch rechtzeitig vor dem Abendessen der Übernachtungsgäste etwas bestellen können. Die Hütte ist nämlich heute proppevoll. Mehr als das, die mit uns eintreffenden Wanderer, die die mehrtägige Verwallrunde laufen, bekommen nur noch einen Platz im Notlager. Während wir gemütlich auf unser Essen, das wir uns redlich verdient haben, warten, bricht ein kleines wenig Hektik auf der Hütte oberhalb des Paznauns aus und der Gastraum, in dem die Übernachtungsgäste essen sollen, platzt aus allen Nähten. Das symphatische Hüttenpersonal bleibt aber gelassen und findet sogar die Ruhe, uns zu erzählen, dass es so extrem voll wie heute nur selten ist. Die Friedrichshafener Hütte entwickelt sich mit ihrer Athmosphäre, dem schönen Ausblick und dem leckeren Essen zu unserer absoluten Lieblingshütte im Paznaun.

Friedrichshafener Hütte im Verwall
Die Friedrichshafener Hütte mit Ausblick auf die Berge rund um Ischgl und Galtür
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Lecker!
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Hund scheint platt zu sein. Regeneriert sich aber sehr schnell…
Hütte über dem Paznaun
Adlerhorst über dem Paznaun
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Och diese Kinder, haben heimlich das Hüttenboot ausgeliehen. Jetzt noch ins Wasser fallen, das wär´s!

Noch ist es hell, aber es wird nun leider Zeit, aufzubrechen. Darum geht es nach dem Kaiserschmarrn und den Käsekartoffeln auch schnell runter ins  Tal. Immerhin 600 Höhenmeter müssen wir noch absteigen, teilweise über den Fahrweg und manchmal über abkürzende Fußwege. Für Fotos habe ich weder hier noch auf dem letzten Stück im Tal von Piel nach Galtür große Lust. Nach der langen, aber tollen Tour lockt jetzt nur noch das gemütliche Sofa in der Ferienwohnung.

Ein paar Fakten:

  • landschaftlich sehr vielfältige und beeindruckende Wanderung
  • sehr lang (ca 28km), nur für ausdauernde, größere Kinder geeignet. Mit jüngeren Kindern kann man jeweils nur eine der beiden Hütten anpeilen
  • Trittsicherheit wird vor allem im Anstieg zum Muttenjoch benötigt.
  • Ausgangsort ist der Gasthof Zeinisjoch in der Nähe des Kopsstausees. Dort gibt es einen kostenlosen Parkplatz und eine Bushaltestelle, die von Galtür sowie dem Silvrettastausee / Bieler Höhe angefahren wird
  • Zielpunkt ist Piel im Paznaun zwischen Ischgl und Galtür. Auch dort befindet sich eine Bushaltestelle in der Nähe.
  • Für Hunde finden sich hin und wieder Wasserstellen. Je nach Witterung aber besser etwas zu Trinken mitnehmen. Wenige Kühe passierten wir nach dem ersten Anstieg hinter der Heilbronner Hütte. Kurz bevor es zum Muttenjoch hochgeht, treffen wir auf Kühe mit halbwüchsigen Kälbern. Sie gucken interessiert, wirken aber sehr gelassen, was Hunde angeht. Verlass ist aber darauf nicht. Darum hier noch ein paar Informationen des Österreichischen Alpenvereins zum Thema Kuh und Hund.

YOU ARE SIMPLY THE(3)

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4 Gedanken zu „Über das Muttenjoch zur Friedrichshafener Hütte -Wandern im Verwall

    1. Oh, vielen Dank! Mit den Fotos und dem Layout ärgere ich mich gerade allerdings ziemlich rum und finde den Fehler einfach nicht, weswegen manche Bilder angeschnitten sind, und zumindest am PC bei mir nicht vollständig zu sehen sind. Blöde Technik!
      Die Länge der Tour weiß ich gar nicht mehr so genau. Laut Wanderführer ist die reine Gehzeit 6 1/2 Stunden. Mit den vielen Pausen haben wir aber bestimmt mindestens 8 oder 9 Stunden gebraucht.
      Liebe Grüße
      Carolin

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