Nachgefragt bei…Anwolf unterwegs auf dem Meraner Höhenweg

Mit Hund in der Texelgruppe in Südtirol

Als Andrea auf ihrem Blog Anwolf – unterwegs auch mit Hund ankündigte, dass sie sich auf den Meraner Höhenweg in Südtirol vorbereitet, wurde ich sofort hellhörig und war sehr gespannt, wie sie dieses Vorhaben meistern würde. Eine mehrtägige Hüttentour ist ja schon an sich eine Herausforderung. Mit Hund aber nicht wirklich einfach zu realisieren.  Mit meinem Chaoshund würde ich es mich jedenfalls nicht trauen, umso mehr bewundere ich Andrea, dass sie diese landschaftlich einmalige Tour durch die Texelgruppe bei Meran durchgezogen hat – zusammen mit Bobby, ihrem (wie sie selber sagt) auch manchmal etwas verrückten Hund!

Nachdem ich ihre spannenden Berichte über den Meraner Höhenweg nur so verschlungen habe, hatte ich Andrea gefragt, ob sie Lust hätte, mir ein paar Fragen zu ihrer Wanderung zu beantworten. Nun freue ich mich sehr über ihre Antworten, die schönen zur Verfügung gestellten Fotos und Andreas Resümee zu ihrem Sommerabenteuer!

Meraner Höhenweg mit Hund
Abwechslungsreiche Wege am Meraner Höhenweg – Foto von Anwolf unterwegs auch mit Hund

Im Sommer 2016 warst du mehrere Tage zusammen mit deinem Hund Bobby auf dem Meraner Höhenweg unterwegs. Wie kam es zu dieser Idee?

Ich war schon immer gerne unterwegs. Früher konnte es nicht weit genug weg gehen. Am liebsten reiste ich mit dem Rucksack von Ort zu Ort. Seitdem Bobby bei uns eingezogen ist, sehen die Urlaube etwas anders aus. Meist geht es mit vollgepacktem Auto an ein vorgebuchtes Reiseziel. Bobby ist ein eher unsicherer und impulsiver Hund. Um Menschenmassen und allzu vielen anderen Hunden aus dem Weg zu gehen, fingen wir nicht nur im Urlaub an zu Wandern. Und ich stellte fest, dass Bobby eine riesen Freude daran hat. Und ich stellte nebenbei fest, dass auch ich eine riesen Freude daran habe. Da kam mir die die Idee: Mit Bobby unterwegs in den Bergen von Hütte zu Hütte– das könnte ein neues Abenteuer für uns sein!

Weshalb ausgerechnet die Strecke durch die Texelgruppe? Was macht diesen Höhenweg so besonders?

Als die Idee geboren war, machte ich mich sofort im Internet auf die Suche und bin recht schnell auf den Meraner Höhenweg gestoßen. Die vielen Übernachtungsmöglichkeiten machen eine flexible Planung möglich. Zudem kann man an vielen Stellen ins Tal zurückkehren, falls es einen Wetterumsturz gibt, einen Notfall oder es sich ganz einfach herausstellt, dass das Ganze doch nichts für uns ist. Der Meraner Höhenweg umrundet in Südtirol teilweise auf alten Handelswegen die Texelgruppe und ist durch die mild-mediterrane Südseite und die Nordseite mit Hochgebirgsklima sehr abwechslungsreich an Kultur und Natur.

Hängebrücke auf dem Meraner Höhenweg
Foto von Anwolf unterwegs auch mit Hund

Was war im Vorfeld deine größten Sorge bezüglich des Hundes? Waren sie berechtigt oder traten ganz andere Probleme auf, mit denen du überhaupt nicht gerechnet hättest?

Was Bobby angeht, hatten wir die größte Sorge, dass ihn das Ganze zu sehr stressen würde. Dann passiert es nämlich mitunter schon mal, dass er für uns gar nicht mehr ansprechbar ist. Er rennt dann einfach unkontrolliert los und hat mich schon das ein oder andere Mal in Angst und Schrecken versetzt. So befürchteten wir, dass wir ihn möglicherweise nicht von der Leine lassen können und dass das Gehen an der Leine zu einem Kampf werden könnte. Auch hatten wir Sorge, dass er auf den Hütten andere Wanderer ausbellen oder die Kühe verjagen könnte. Also eigentlich hatten wir viele Sorgen, die ich aber weitestgehend verdrängt habe. Wenn mich eine Idee gepackt hat, dann bin ich eine kleine Verdrängungskünstlerin, was Probleme angeht. Entspannt hat mich aber auch der Gedanke, dass wir die Tour ja auch jederzeit abrechen können.

Zu deiner Frage, ob diese Sorgen berechtigt waren – am ersten Abend dachte ich:  ja! Angekommen gegen späten Nachmittag in Pfelders, unserem Ausgangsort, gerieten wir auf unserer ersten Gassirunde direkt in den Viehabtrieb. Danach dann auf der Terrasse des Restaurants sprangen neben uns ein paar Meerschweinchen in ihrem Freigehege herum. Aus der Bar gegenüber dröhnte Musik. Zu Ziehharmonikaklängen sang eine feucht-fröhliche Wandergruppe lautstark die Refrains mit. Bobby sprang hektisch umher und die nächsten Leute, die die Terrasse betraten wurden kräftig weggebellt. Das war Bobby alles eindeutig zu viel, und uns auch!

Dann kam der nächste Morgen. Wir hatten bis zur letzten Sekunde immer noch die Rucksäcke ein- und ausgepackt. Mit dem ganzen Zeug,  das wir dann im Auto zurückließen, haben wir anscheinend auch unseren gesamten Stress zurückgelassen. Ab diesem Moment hatten wir nur noch uns selbst, unsere Rucksäcke auf dem Rücken und den Meraner Höhenweg  vor uns. Und es hört sich unglaublich an, aber ab diesem Moment gab es keine einzige Situation mehr, in der ich zu befürchten hatte, dass sich Bobby selbst in Gefahr bringt oder dass es ihm zu viel wird.

Wandern am Meraner Höhenweg mit Hund
Bobby, der Wanderhund – Foto von Anwolf unterwegs auch mit Hund

In deinen Berichten kann man lesen, wie sehr euch diese Aktion zusammengeschweißt hat. Konntet ihr dieses Gefühl mit in den Alltag nehmen? Was hat sich seitdem verändert?

Ich war regelrecht euphorisch, da alles so gut geklappt hat und ich auf dieser Tour gelernt habe, meinem Hund zu vertrauen. Leider ließ sich das nicht 1:1 in den Alltag übertragen. Aber wenn ich mal wieder richtig genervt von Bobby (oder von mir) bin, erinnere ich mich an das Gefühl vom Meraner Höhenweg. Und dann schaue ich Bobby an, atme tief durch und versuche loszulassen – Stress, Ängste, eigene Ansprüche, das was die anderen denken könnten. Und dann gehen wir wieder ein wenig so wie am Meraner Höhenweg – mit Vertrauen statt Kontrolle.

Mit Hund wandern auf dem Meraner Höhenweg
Foto von Anwolf unterwegs auch mit Hund

Das größte Problem hätte ich bei einer mehrtägigen Wanderung mit dem Gepäck. Dazu musstet ihr ja auch noch einiges für den Hund mitnehmen. Im Nachhinein betrachtet: Hättet ihr auf irgendetwas verzichten können oder hattet ihr sogar wichtiges vergessen?

Die Rucksackpackerei ist ja ein riesen Thema. Da verweise ich gerne auf meine Packliste (9 Kg – Rucksack) ☺ . Klamottentechnisch wende ich die „Zwiebeltechnik“ an und stehe auf (Merino-)Wollklamotten. Wir hatten für den Notfall einen leichten Sommerschlafsack dabei, der Bobby auch als Hundedecke diente. Auch was das 1.Hilfe-Kit angeht, kann man fast alles, was der Mensch im Notfall benötigt auch für den Hund verwenden. So hat man eigentlich kaum mehr Gepäck (außer das Futter natürlich) wenn man mit Hund unterwegs ist.

Packliste für den Meraner Höhenweg mit Hund
Startklar für die Hüttentour – Foto von Anwolf unterwegs auch mit Hund

Wie haben die anderen Wanderer auf euren Hund reagiert? Waren noch andere mit Hund unterwegs? Gab es Unterkünfte, in die ihr mit Bobby nicht reindurftet?

Bobby war ein kleiner Star. Das lag auch an Bobby Hunderucksack. Wir mussten uns sogar manch „bösen“ Spruch anhören, dass wir Bobby unser Gepäck schleppen lassen. In Gasthäusern haben wir darauf geachtet, dass er sich eher unauffällig verhält, meistens schläft er dort sowieso nur unter dem Tisch. Natürlich ist es nicht überall möglich, mit Hund zu übernachten. Da muss man auf jeden Fall vorher nachfragen und rechtszeitig reservieren.

Zum Wandern in den Bergen, vor allem in Südtirol, gehört für mich auch immer leckeres Essen. Was hat dir am besten geschmeckt?

Hach, die Südtiroler Küche – so lecker, eine tolle Mischung aus Tiroler und italienischer Kochkunst. Mein absolutes Highlight: Knödeltris. Sehr mächtig, aber nach einem anstrengenden Wandertag genau das Richtige.

Einkehren auf dem Meraner Höhenweg
Südtiroler Küche auf der Leiteralm – Foto von Anwolf unterwegs auch mit Hund

Gibt es eine Hütte auf dem Meraner Höhenweg, die du besonders empfehlen kannst?

Neben der Leiteralm (leckerstes Essen) und dem Montferthof (urigste Übernachtung), möchte ich hier den Eishof erwähnen. Auf über2000 m ragen im Pfossental rechts die  Texelgruppe und links die Ötztaler Alpen gen Himmel und man kann auf bereitgestellten Liegestühlen das schönste Kino der Welt anschauen: die Natur. Der Eishof ist übrigens auch in einer gemütlichen Tagestour zu erreichen. Vielleicht ein Tipp für euren nächsten Südtirol – Urlaub?

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Der Eishof im Pfossental – Foto von Anwolf unterwegs auch mit Hund

Dieser Höhenweg ist ja sehr vielseitig. Welche Etappe hat dir am meisten gefallen. Hast du vielleicht noch einen Geheimtipp, irgendeinen Platz, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es ist wirklich schwierig, ein Highlight herauszugreifen. Der Meraner Höhenweg ist so vielseitig und genau das macht auch den Reiz aus. Für mich war allerdings die Überquerung des Eisjöchls am letzten Tag der krönende Abschluss unserer Wanderung. Ich würde auch empfehlen die Tour so zu planen, dass diese Etappe am Schluss liegt. Nach sieben Tagen sind wir mit Bobby zu einem echten Team zusammengewachsen. Von ganz oben auf knapp 3000 m blickte ich in die Welt und gleichzeitig schaute ich zurück auf unsere Tour mit all unseren Erlebnissen und auf mein „altes“ Leben vor dem Meraner Höhenweg. Das war auf jeden Fall für mich persönlich der schönste Moment.

Alm im Pfossental in Südtirol
Eine wunderschöne Alm im Pfossental – Foto von Anwolf unterwegs auch mit Hund

Zumindest mit Bobby war es eure erste gemeinsame Trekkingtour. Werdet ihr sie noch mal wiederholen? Oder gibt es eventuell schon andere Planungen im Alpenraum?

Oh ja, bestimmt werden wir so etwas noch mal machen. Es gibt da noch einige Ziele, die auf meiner persönlichen „Liste“ stehen. Ich möchte  z,B. unbedingt mal zum Matterhorn. Und eine Mehrtagestour im Berchtesgadener Land reizt mich ebenfalls sehr. Dann spukt mir aber auch noch die Idee im Kopf herum, einfach mal von zu Hause aus loszulaufen und zu schauen, wie weit ich in 3-4 Tagen komme. Darüber hinaus denke ich über Möglichkeiten nach, mit Bobby über weitere Distanzen unterwegs zu sein, eventuell mit einer Wohnmobilreise. Da ich aber gar nicht gerne Auto fahre und die unberührte Natur dem Asphalt vorziehe, muss ich mich mit dieser Thematik noch genauer auseinander setzen. Auf meinem Blog gibt es bestimmt bald mehr darüber zu lesen.

Mit Hund in der Texelgruppe in Südtirol
Andrea und Bobby inmitten der Texelgruppe in Südtirol – Foto von Anwolf unterwegs auch mit Hund

Liebe Andrea! Noch mal herzlichen Dank für Deine Teilnahme an meiner kleinen Interviewreihe. Deine Antworten und die tollen Fotos machen gerade ganz viel Lust, diese Ecke Südtirols auch mal zu entdecken. Ob tatsächlich auf einer mehrtägigen Hüttentour, bin ich mir zwar noch nicht so sicher. Aber Deinen Tipp mit dem Eishof als Tagesziel werde ich mir auf jeden Fall für den nächsten Südtirolurlaub merken!

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7 Gedanken zu „Nachgefragt bei…Anwolf unterwegs auf dem Meraner Höhenweg

  1. Von dem Meraner Höhenweg hatte ich zuvor noch nie etwas gehört. ich finde es aber genial, dass sie diese Tour mit Bobby gemacht hat. Auch wie gut sie sich zuvor informiert hat und aufgrund der Vielzahl der Übernachtungsmöglichkeiten genau dafür entschieden hat. Tolles Interview, tolle Frau, klasse Hund 🙂 Liebe Grüße,
    Martin

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Martin!
      Danke für den Kommentar. Ich war zwar schon oft in Südtirol, die Berge bei Meran kenne ich aber kaum.
      Nachdem ich Andreas Berichte über den Höhenweg gelesen habe, möchte ich das unbedingt ändern!
      Liebe Grüße
      Carolin

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    1. Hallo Alexandra!
      Danke dir! Und schön, deinen Blog entdeckt zu haben! Da habe ich ja noch einiges zu stöbern, weil ich sehr gerne zu Fuß oder mit dem Rad hier in der Grenzregion unterwegs bin!
      Liebe Grüße
      Carolin

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    1. Hallo Jörg!
      Dankeschön für den netten Kommentar! Wenn ich mir Andreas Fotos vom Meraner Höhenweg ansehe, bekomme ich auch große Lust, mich endlich mal selber auf eine Hüttentour in der Texelgruppe zu begeben! Wären da nur nicht diese Matratzenlager, die ich so furchtbar finde 😉

      Viele Grüße
      Carolin

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