Der Berglisee – Ein Geheimtipp im Paznaun

Wandern mit Hund zum Berglisee im Paznaun

Kennt ihr dieses Gefühl? Man stapft einen nicht enden wollenden schmalen Pfad durch den Bergwald hinauf. Fragt sich, ob diese Quälerei überhaupt lohnenswert ist. Der Weg ist bisher nicht sonderlich spannend, einfach nur anstrengend und bietet auch nicht allzu viele Ausblicke. Aber dann steht man plötzlich oben, an diesem winzigen See und denkt:

„Was für ein zauberhafter, magischer Ort!”

Genauso passierte es mir am Berglisee. An diesem Tag in unserem Urlaub im Paznaun hatte ich eine möglichst wenig überlaufene Wanderstrecke gesucht. Unser Hund, das Chaostier, benötigte nach einigen, für ihn wegen der vielen Reize sehr spannenden, Wanderungen mal was Ruhiges. Und so kamen mir die Beschreibungen des Berglisees im Wanderführer und Internet als Geheimtipp gerade Recht. Weil der Weg dorthin nicht schwierig, aber schon ganz schön anstrengend ist und es dort oben keine Einkehrstation gibt, bin ich mir auch sicher, dass der Berglisee immer ein stiller, geheimer Ort bleiben wird.

Zwischen Ischgl und Galtür
Mathon im Paznauntal

Startpunkt der Wanderung ist Mathon. Der kleine Ort liegt zwischen dem ruhigen Galtür und Ischgl, dem Tiroler Wintersportort, den ich – Entschuldigung- einfach potthässlich finde. Hier in Mathon und dem Weg zum Berglisee bleibt man glücklicherweise vollkommen von den Spuren des Wintertourismus verschont. Anders als sonst sind wir heute mit dem Auto hierhin gefahren. In Mathon selber finden wir keinen einzigen öffentlichen Parkplatz und auch am Wildpark dürfen nur Besucher parken. Über eine Brücke, die die Trisanna quert, kann man aber mit dem Auto zu einem kleinen Wanderparkplatz direkt am Wald fahren. Wir hatten Glück, einen freien Platz zu bekommen. Ansonsten ist es aber ratsam, die Silvrettacard, die man eh bei jedem Vermieter im Paznaun kostenlos erhält, zu nutzen und mit dem Bus die Haltestelle am Wildpark anzufahren.

Geheimtipp im Paznaun
Der Aufstieg zum Berglisee

Ein kurzes Stück laufen wir den Talwanderweg, bevor es rechterhand auf einer Forststraße hoch Richtung Inneres Bergli geht. Fast übersehen wir den Wegweiser, der auf den Waldpfad führt. Ich bin die einzige unserer Wandertruppe, die lieber gemütlich die weit ausholenden Serpentinen der Fahrstraße hochgeschlendert wäre. Die anderen möchten aber wegen der wesentlich kürzeren Zeitangabe des Waldpfades lieber dort entlang laufen und so trotte ich mal wieder hinterher. Weil Panda, unser bekloppter Hütehund, in Gruppen mit mehr als drei Leuten alle als seine Schafe betrachtet, wird es ganz schön anstrengend. Es sind ja nicht nur ca. 700 Höhenmeter, die in einem relativ kurzen Stück, bewältigt werden. Auch ein Hund, der alle paar Meter in seinem Hüteverhalten reglementiert werden muss, weil die vorauslaufenden Mitwanderer wieder hinter einem Baum verschwunden sind, lassen schnell Schnappatmung bei mir eintreten. Bei den vielen Pausen und dem Tempo, das wir an den Tag legen, schaffen wir bei weitem nicht die angegebenen Zeitangaben.

Der Weg wird irgendwann endlich ein wenig flacher, der Wald lichtet sich und wir erreichen das Innere Bergli. Auf dieser Hochfläche steht eine scheinbar verlassene Hütte. Vielleicht war dies mal eine Alm, Kühe gibt es jetzt aber keine mehr hier. Wir laufen an vereinzelten Lärchen und Zirben vorbei, kleine Bäche und Tümpel kreuzen den Weg. Alle Anstrengung ist im Nu vergessen, als wir den Berglisee erreichen.

Wandern mit Hund zum Berglisee im Paznaun

Geheimtipp im Paznaun

Geheimtipp in Tirol

Ein bisschen größer hätte ich mir den See zwar vorgestellt, aber die Farbe, das glasklare Wasser und die Ruhe hier in dieser ursprünglichen Natur entschädigen für alles. Das Wasser ist auch jetzt im Hochsommer so eiskalt, dass noch nicht mal unser sonst nicht zimperlicher Hund eine Pfote reinstecken mag. Neben dem See befinden sich einige Rastplätze. Ein Ort, an dem es sich ewig aushalten ließe. Auf der gegenüberliegenden Talseite lässt sich klitzeklein die Friedrichshafener Hütte und das Muttenjoch im Verwall ausmachen. Dort hatten wir ein paar Tage vorher noch in nächster Nähe zahlreiche Steinböcke entdeckt. Nach diesem tollen Erlebnis sucht man automatisch auch hier die Berghänge nach Tieren ab. Bis auf ein Wiesel, das von Stein zu Stein hüpft, und vielen Schmetterlingen entdecken wir aber nichts. Nur Panda scheint irgendetwas in der Nase zu haben, darum bleibt er an der Schleppleine. Hat er schließlich nicht nur einen vortrefflichen Hütetrieb, leider gehört auch das Jagen zu seiner Passion.

 

Auch wenn die Kinder sich ewig an dem flachen Bach beschäftigen und wir einfach nur sitzen und gucken könnten, wollen wir irgendwann weiter zur Lareinalm. Erst geht es ein Stückchen wieder zurück zum Inneren Bergli. Dort verlassen wir den Aufstiegsweg und laufen erst in einem leichten Auf und Ab und dann steil runter ins Lareintal. Die Alm kann man bald sehen, aber es zieht sich doch ein wenig, bis man sich dem Talboden nähert.

Wir kommen an ein paar faulen, glücklichen Schweinen vorbei. Kurz danach stehen auch noch einige Kühe auf dem Wanderweg herum. Aber auch an ihnen läuft Panda gesittet vorbei. Ob es nun an unseren Erziehungskünsten oder dem langen Weg, der auch ihn geschlaucht hat, liegt, sei mal dahin gestellt. Das Lareintal (dessen Schreibweise selbst auf den Wegweisern und in der Literatur variiert) gehört ebenfalls zu den ruhigen, urtümlicheren Gegenden Tirols. Wunderschön wäre z.B. der einfach zu laufende Weg Richtung Talabschluss mit seinen Gletschern. Wer ambitionierter ist, kann von hier aus über das Ritzenjoch die Heidelberger Hütte, die schon in der Schweiz liegt, erreichen.

Wandern in Tirol auf einsamen Wegen
Das ursprüngliche Lareintal
Einkehr auf einer Tiroler Alm
Brotzeit auf der Lareinalm

Auf der Lareinalm sind wir die einzigen Gäste. Vor uns waren aber anscheinend schon einige dort. Die Kuchenauswahl ist nämlich mittlerweile ein wenig eingeschränkt. Egal, die Kaspressknödelsuppe ist einmalig, und auch der selbsthergestellte Käse schmeckt sehr, sehr lecker. Man kann glücklicherweise ein Stück von ihm auf der Alm kaufen und  ihn vakuumiert als Urlaubserinnerung mit nach Hause nehmen. Für die Kinder finden sich in nächster Nähe zu den zutraulichen Ziegen einige Spielmöglichkeiten. Langsam wird es aber Zeit, ins Tal aufzubrechen. Ein Teil unserer Gruppe wählt den direkten Forstweg runter nach Mathon zum Wildpark, wo das Auto steht. Wir anderen laufen durch den Wald nach Galtür. Die Kinder zieht es nämlich noch einmal zum Stafaliweiher. Ein klitzekleiner Badesee mitten im Wald oberhalb Galtürs. Leider gibt es dieses Jahr nicht mehr die tollen Holzflöße, mit denen man über das Gewässer schippern kann. Trotzdem kann man auch dort wunderbar spielen und eine Pause einlegen.

Fazit und Fakten:

  • Landschaftlich beeindruckend und wenig überlaufen
  • Nicht schwierig, aber anstrengend
  • Für Kinder einige Spielmöglichkeiten
  • Im Aufstieg schattiger Weg, bei unbeständigem Wetter gibt es am Berglisee keine Unterstellmöglichkeit, erst wieder an der Lareinalm
  • Für Hunde gibt es im Bereich des Berglisees einige Wasserstellen. Kuhbegegnungen (am Tag unserer Wanderung) nur kurz vor der Lareinalm
  • Ausgangsort: Mathon im Paznaun (1485m), Bushaltestelle Wildpark Mathon, nur wenige Parkmöglichkeiten
  • Höchster Punkt: Berglisee (2115 m)
  • Gehzeit: ungefahr 5 Stunden
  • Einkehr:Lareinalm, Wildpark Mathon

Wandertipp Galtür

Einsame Wege in Tirol

 

 

 

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9 Gedanken zu „Der Berglisee – Ein Geheimtipp im Paznaun

  1. Liebe Carolin,

    das sieht nach einer wunderschönen Wanderung aus. Ich freue mich auch immer, was von Panda zu sehen und zu lesen. Wir haben auch das Problem mit Bobby wenn wir mit mehreren Leuten unterwegs sind. Ich fange dann schnell an, die anderen zurechtzuweisen, dass sie sich nicht so weit entfernen sollen, was natürlich nicht so gut ankommt… 😉 Am besten funktioniert es, wenn Bobby mit demjenigen geht, der vorne ist. Dann orientiert er sich eher nach hinten, um zu kontrollieren, ob noch alle da sind. Das ist deutlich entspannter, als ihn immer zurückhalten zu müssen und er kann seiner Aufgabe nachgehen. Am einfachsten ist es auf jeden Fall, wenn wir zu zweit mit ihm unterwegs sind.

    Liebe Grüße und schöne Weihnachten von Andrea

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Andrea!
      Danke Dir!
      Tendenziell klappt es bei uns auch besser, wenn ich mit Panda vorlaufe. Blöderweise bin ich meist die langsamste und brauche die meisten Pausen bzw. tarne sie als Fotostopp 😀!
      Und wie du schon sagst, es ist so’n bisschen blöd, die anderen immer zu bitten, nicht so weit vorzulaufen. Meist wird es aber irgendwann besser und Panda kapiert, dass sein Gebelle nichts bringt, wenn mal wieder jemand um die nächste Kurve gebogen ist.
      Dir wünsche ich ebenfalls ein schönes, ruhiges Weihnachtsfest.
      Bis bald
      Carolin

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  2. Liebe Carolin,
    sieht das schön aus! Stille am See und die Farbe des Wassers! Für unseren Podi wäre die ruhige Umgebung zum Wandern auch perfekt – und in das kalte Wasser wäre er ebenfalls niemals hinein!
    Einen guten und hoffentlich entspannten Rutsch in das neue Jahr und viele Grüße aus dem Harz!
    Lisa

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Lisa!
      Vielen Dank für Deine Wünsche und auch dafür, dass Du immer mal wieder hier vorbeischaust und einen netten Kommentar hinterlässt!
      Den Jahreswechsel haben wir diesmal wesentlich entspannter als letztes Mal überstanden. Um Mitternacht habe ich unser Kaninchen frei rumlaufen lassen. Panda, mit Maulkorb bewaffnet, saß mittendrin und hatte nur noch Augen für das Kaninchen, statt auf die Böller zu achten.
      Dir ebenfalls einen guten Start ins neue Jahr!
      LG Carolin

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  3. Liebe Carolin,
    das ist auch eine meiner Lieblingsplätze im Paznaun! Herrlich, weil man die Tour auch gut mit Kindern gehen kann und es einfach so schön ist da oben. Danke für deine herrlichen Bilder!
    LG Brigitte

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Brigitte!

      Ich habe den See tatsächlich erst beim 3. Urlaub in Galtür entdeckt.
      Für Kinder gibt es dort wirklich einige tolle Spielmöglichkeiten! Staudämme bauen, Verstecken spielen, Tiere entdecken und viel mehr. Und wir Erwachsenen können währenddessen das tolle Bergpanorama bewundern!

      Liebe Grüße und vielen Dank für Deinen Kommentar
      Carolin

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