Urlaub mit Hund in Galtür/Paznaun

Hund in Tirol

14 Tage Sommerurlaub in dem kleinen Dorf Galtür im hinteren Paznauntal sind wie im Flug vergangen. Schön war´s mal wieder. Klare Bergluft (Galtür gilt mit seinen 1600m Höhe nicht umsonst als pollenfrei), tolle Wanderungen zu teils wenig überlaufenen Zielen und ein Hund, der sich diesmal sogar mehr oder weniger zu benehmen wusste!

Galtür im Paznaun
Vorne ist der Reiterhof zu sehen, auf dem wir unsere Ferienwohnung hatten, geschützt mit einer Lawinenmauer. Der tolle Berg in der Mitte ist die Gorfenspitze, rechts daneben die Ballunspitze. Dazwischen versteckt sich ein wenig die Vallüla.

Nicht zu toppen ist für mich das grandiose Bergpanorama, das der Ort im Westen Tirols bietet. Predigberg, Gorfen- und Ballunspitze runden ihn mit ihrer pyramidenähnlichen Gestalt an der einen Seite ab, während auf der anderen Seite Grieskogel und Adamsberg in den Himmel ragen. Jetzt im Sommer wirken die Hänge zwar extrem steil, durch die Weite des Talabschlusses aber wenig bedrohlich. Trotzdem verbindet man Galtür oft noch mit dem schweren Lawinenunglück 1999. Viele Schutzmaßnahmen sind seitdem erbaut. Erstaunlich harmonisch fügen sie sich aber ins Ortsbild.

Froh bin ich auch, dass Galtür nicht zubetoniert ist wie viele andere Alpenorte. Nur wenige Kilometer weiter befindet sich schließlich das viel bekanntere Ischgl, um das ich immer einen möglichst weiten Bogen mache. Finden tut man im kleinen Galtür alles, was man braucht. Einen gut sortierten Supermarkt, eine Bäckerei mit einer riesigen Kuchenauswahl, einen Feinkostladen und mehrere Sportgeschäfte.

Alpinarium in Galtür
Das Alpinarium in Galtür

Bei schlechterem Wetter bietet sich ein Ausflug ins Alpinarium, dem örtlichen Museum an. Das kleine, nette Hallenbad gerät raümlich gesehen, zumindest in der Hauptsaison, schon mal an seine Grenzen. Sicherlich auch, da der Eintritt umsonst ist. Im Sommer erhält nämlich jeder Urlauber im Paznaun die kostenlose Silvretta Card. Sicherlich ein tolle Sache, gerade für Familien, für die so ein Bergurlaub schon mal teuer werden kann. Mit dieser Karte können u.a.Busse (bis Landeck und zur Bieler Höhe am Silvrettastausee), das Alpinarium, Frei-und Hallenbäder kostenlos genutzt werden. Ebenfalls entfällt die Mautgebühr für die Silvrettahochalpenstraße, immerhin 15 Euro für ein Auto. Solltet ihr diese Straße für die Anreise nutzen, kann man sich einen Gutschein vom Vermieter per Mail schicken lassen.

piz-buin-radsattel
Kurz hinter dem Radsattel hat man diesen tollen Blick auf den Ochsentaler Gletscher und Piz Buin

Natürlich sind auch alle Bergbahnen im Preis enthalten. Galtür und auch die Bieler Höhe sind bisher glücklicherweise von riesigen Skigebieten verschont, und daher gibt es in dem Dorf auch nur den Sessellift Richtung Ballunspitze.

Eine Ferienwohnung, in der Hunde erlaubt sind, zu finden, war nicht schwierig. Allerdings habe ich mich auch recht frühzeitig auf die Suche gemacht, da das Dorf und somit die Anzahl der Unterkünfte nicht sehr groß sind. Fündig wurde ich auf einem Reiterhof, der direkt an den Spazierwegen liegt. Hier gibt es auch viele Wiesen, auf denen die Hunde frei laufen können, sofern man die zahlreichen Tütenspender nutzt, die am Weg aufgestellt sind. Und sofern man einen Hund besitzt, der hört und nicht wie unser vierbeiniger Wanderbegleiter bei großer Ablenkung die Ohren manchmal auf Durchzug stellt..

Daher war oft die Schleppleine angesagt. Gute Dienste hat außerdem beim Wandern ein Jogginggurt getan. Nach langem Hin und Her hatte ich mir einen solchen im Internet bestellt. Der Preis (ca 70 Euro) und die Beinschlaufen, die aussahen, als ob ich mich auf einfachen Wanderwegen anseilen müsste, hatten mich erst davon abgehalten. Letztendlich war ich aber nur begeistert. Die Beinschlaufen, die auf dunklen Hosen nicht besonders auffallen, verhindern ein Hochrutschen des Gurtes. Die Leine wird so befestigt, dass nicht jedes ruckartige Ziehen oder eines Richtungswechsels des Hundes sofort auf den Körper übertragen wird. Und man hat die Hände frei, für Trekkingstöcke,  zum Festhalten an Felsen oder auch zum Fotografieren. Einzigallein der (zwar immerhin im Dunkeln leuchtende) Werbeschriftzug auf meinem Hinterteil wäre verzichtbar!

silvretta-mit-hund

Wandern in Galtür. Ja, man denkt, man ist schon so hoch und müsste dann doch schnell in alpinem Gelände sein! Na, nicht ganz. Viele Wanderziele hier ziehen sich schon ein wenig in die Länge. Klar, es gibt auch einiges an gemütlichen Spaziergängen. Möchte man aber eine Hütte erreichen, kommen am Ende des Tages schon gut und gerne um die 20 Kilometer und mehr an Wegstrecke zusammen.

muttenjoch-galtuer
Zwischen Heilbronner und Friedrichshafener Hütte. Hier war ich kurz vorm Sitzstreik.

Dafür gibt es aber dann auch eine Menge zu entdecken. Unsere Touren im Überblick (sobald die Berichte dazu fertig sind, verlinke ich sie hier):

  • Von Galtür über den Stafaliweiher ins hintere Lareintal
  • Von der Bieler Höhe zur Saarbrücker Hütte
  • Regentag, Besuch des Alpinariums und Spaziergang zum Zeinisjoch
  • Bergstation Alpe Dias in Kappl zur Edmund-Graf-Hütte und Blankaseen
  • Von Galtür zum Grieskogel
  • Von Galtür zur Jamtalhütte
  • Vom Zeinisjoch über die Heilbronner und Friedrichshafener Hütte zurück nach Galtür
  • Von der Bieler Höhe durchs Kleinvermunttal nach Galtür
  • Von der Bieler Höhe über den Radsattel zur Wiesbadener Hütte
  • Lareintal über das Ritzenjoch zur Heidelberger Hütte nach Ischgl
  • Ischgl-Mathon zum Berglisee und über die Lareinalpe nach Galtür
  • Mit der Birkhahnbahn Richtung Kops-Stausee und am Zeinisbach zurück nach Galtür
  • Tal-und Panoramawanderweg rund um Galtür und zur Mentaalm

Ausgelassen haben wir dieses Mal die ebenfalls schönen Wanderungen zur Niederelbehütte in Kappl oder die Tour zur Breitspitz. Die aufgeführten Touren sind von Konditionsanspruch und Schwierigkeit sehr unterschiedlich, aber alle mit einem Hund, der längere Wanderungen gewöhnt ist, gut machbar. Nur kurz vorm Gipfelaufbau des Grieskogels habe ich mit ihm auf die anderen gewartet, da der Pfad dort ziemlich luftig wurde. Dafür habe ich dort viele Steinböcke beobachten können. Einer von ihnen schien sich irgendwann sehr für uns zu interessieren. Langsam kam er immer näher. Zwar gibt es meines Wissens nach nur (ganz selten) Angriffe von Steinböcken auf freilaufende, und daher bedrohlich als Beutegreifer wirkende Hunde. Sicherheitshalber haben wir dann doch mal den Rückzug angetreten.

Mehr Sorgen hatten mir im Vorfeld allerdings die im Gebirge häufig zu querenden Kuhweiden gemacht. Habe ich schließlich einen Hund, der am liebsten alles, was vier Beine hat, hüten möchte. Vor nicht allzu langer Zeit ist er zudem regelmäßig lautstark ausgeflippt, wenn man ihn daran hindern wollte. Frustrationstoleranz war lange Zeit ein Fremdwort für ihn. Und das Aushalten von Umweltreizen ist leider auch nicht seine Stärke (schwere Kindheit, halt…). Sicherheitshalber hatte ich in unserem ersten Wanderurlaub darum komplett darauf verzichtet, Wege zu laufen, auf denen uns freie Kuhherden begegnen könnten. Das Risiko, dass eine Kuh (vor allem die mit Kälbern) einen in der Leine hängenden, kläffenden Hund nicht so toll findet und uns auf die Hörner nimmt, war mir dann doch zu groß. In Kauf nehmen musste ich allerdings, dass man im Hochsommer nicht allzu viele kuhfreie Wanderwege findet.

Aber wir haben ja trainiert. Viel trainiert. So weit man denn noch Kuhherden auf den niederrheinischen Wiesen antrifft. Ganz ohne Aufregung, sowohl beim Hund als auch bei mir, ging es dann zwar nicht an den Kühen vorbei. Meist standen oder lagen sie auch noch mitten auf dem Weg herum, aber wir haben es geschafft. Ohne Bellen und in die Leine steigen. Allerdings muss ich auch sagen, dass die Paznauner Kuh eher von der entspannteren Sorte ist und sich kaum für uns interessiert hat. Selbst junge Rinder, die zu Hause im Flachland uns ständig am Zaun entlang hinterher rennen, hatten kaum einen Blick für uns übrig.

Kuhbegegnungen mit Hund
Die Kühe waren meist mehr am Inhalt des Rucksackes interessiert als am Hund

Und so konnten wir auch endlich mal mit diesem Hund Berghütten und Almen erreichen, und vor allem dort einkehren! Willkommen mit ihm waren wir eigentlich überall. Das Wetter war meist gut, dass man eh draussen sitzen konnte. Bei Regen hatten wir z.B. am Gasthaus Zeinisjoch oder in Restaurants in Galtür auch keine Probleme, ihn, nachdem wir gefragt hatten, mit reinzunehmen. Lediglich in die Jamtalhütte dürfen leider keine Hunde.

Im Gegensatz zu Südtirol, wo uns oft Wasser für den Hund angeboten wurde, war dies hier irgendwie nie der Fall. Aber ich hatte immer einen faltbaren Trinknapf dabei, und auf den Wegen findet man natürlich oft kleine Bachläufe oder Wasserstellen zum Baden. Wenn man denn einen Badehund hat. In den so schön gelegenen Berglisee hat er sich z.B. nicht getraut. Lag das nun an der Wahnsinns-Farbe des Sees oder aber wahrscheinlich eher an der ziemlich niedrigen Wassertemperatur?

berglisee

Noch mal zurück zum Einkehren. Das ist ja mitunter das Beste am Wandern und meist hat man es sich auch wirklich verdient. Im Paznaun kann man dies außerdem sehr gut, auch wenn mich dieses Kulinarischer-Jakobsweg-Gedöns, mit dem das Tal viel Werbung macht, etwas nervt. Ich brauche auf ´ner Hütte kein Sternekochessen, zumal die, die hier angeboten werden für mich als Vegetarier eh alle ausscheiden. Ansonsten war ich überrascht, dass es auf der Wiesbadener Hütte zahlreiche vegetarisch gekennzeichnete Speisen gab. Auf der Heilbronner stand auf der Karte ein veganes Nudelgericht mit einem Bergkräuterpesto. Allerdings bekam ich dort geriebenen Käse dazu, was mich persönlich jetzt nicht störte. Aber als Veganer sollte man dann doch noch mal genau nachfragen!

kaesebrot-wandern
Käsebrot auf der Lareinalpe

Am leckersten fand ich die Kaaspressknödelsuppe auf der Lareinalpe. Dort habe ich allerdings inkonsequenterweise nicht gefragt, ob die Suppe eventuell eine Rindsbrühe war… Und sehr gemütlich war es auf der Friedrichshafener Hütte. Obwohl wir dort erst kurz vorm Abendessen der Übernachtungsgäste in der überbelegten Hütte ankamen, wurden wir noch sehr freundlich empfangen und bekamen leckeres Essen. Das Beste im gesamten Urlaub! Für die Kinder war eine kleine Bootsfahrt auf dem Hüttensee das Highlight. Immer erstaunlich, wieviel Energie die noch haben, da waren wir nämlich bestimmt schon 20 km gelaufen.

Friedric
Die Friedrichshafener Hütte im Verwall

Alles in allem ein toller Urlaub, der mal wieder viel zu schnell zu Ende ging. Die Wandertourenberichte sind in Vorbereitung. Aber falls jemand genauere Infos oder Empfehlungen sucht, kann ich gerne kontaktiert werden.

Hund in Tirol
Panda, unser spanischer Hütehund, auf dem Weg zum Grieskogel. Im Hintergrund das Silvrettagebirge nach einer kalten Nacht mit leichtem Schneefall.

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8 Gedanken zu „Urlaub mit Hund in Galtür/Paznaun

  1. Hallo Carolin,
    großartige Bilder! Panda schaut irgendwie wirklich recht entspannt aus – schön, dass es mit dem Vorbeigehen an den Kühen so gut geklappt hat; die sehen auch echt lieb aus! Viele Spätsommergrüße!;) Lisa

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Lisa!
      Danke dir! Die Kühe waren aber auch sehr relaxed. Da wir vor 2 Jahren mal zur selben Zeit in dem Ort waren, an dem eine Hundehalterin leider zu Tode kam, habe ich mittlerweile Respekt vor Kühen, zumindest wenn ich mit Hund an ihnen vorbei gehe.
      Liebe Grüße
      Carolin

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