Tatort Silvrettasee – (Nicht nur) ein Bergkrimi

Bieler Höhe am Silvrettastausee in Österreich

Buchrezension: Schneekristalle – Martin Keller und die Schatten der Silvretta von Eric Barnert (Bergverlag Rother)

Ein Buchverlag, der eigentlich für Wanderführer bekannt ist und ein Geowissenschaftler und Alpinist als Autor dieses Bergkrimis. Ob dies ein Erfolgsgarant für spannenden Krimislesespaß sein kann?

Ja, das geht durchaus. Nachdem ich ein paar Seiten brauchte, um meine anfängliche Skepsis abzulegen, gab es danach überwiegend ungetrübten Lesespaß mit dem Band aus der recht jungen Bergkrimireihe des Verlages.

Ein Bergkrimi aus Österreich
Ich mag Regionalkrimis. Spielen sie dort, wo ich schon mal war, um so mehr.

Ein Überfall auf einen Werttransport, vier Räuber auf der Flucht und drei Freunde auf einer Skitour im Silvrettagebirge sind die Eckpfeiler der Geschichte, die – nicht wie sonst meist üblich – in Gut und Böse trennt. Die Täter, die allesamt mit ihrem Schiksal hadern, treffen zufällig in einer tief verschneiten Berghütte auf die andere Gruppe  um Martin Keller, den Hauptprotagonisten. Zunächst trennen sich am nächsten Tag die Wege. Schweizer Grenzpolizisten, eine Lawine und ein Unfall führen sie aber wieder zusammen. Eine spannende Geiselnahme und Fluchtversuche folgen.

Bieler Höhe am Silvrettastausee in Österreich
Die Bieler Höhe am Silvrettastausee. Hier spielt sich ein Teil der Geschichte ab.

Dies alles spielt an Originalschauplätzen. Eindrucksvoll beschreibt Eric Barnert die Umgebung der Bieler Höhe und Klostertaler Umwelthütte in den österreichischen Alpen an der Grenze zur Schweiz.  Auch wenn bewusst wird, dass die hochalpine Bergwelt durchaus Gefahren mit sich bringt, kann man sich die verschneite, einsame Winterlandschaft bildlich vorstellen und wünscht sich dorthin. Dass der Autor als Bergsteiger und aktives Mitglied im Alpenverein sich dort bestens auskennt, ist schnell klar.

Dagegen gefallen mir die hin und wieder eingestreuten Geschichten zwischen der Hauptfigur Keller und seiner schwangeren Frau leider gar nicht und überfliege sie daher schnell. Etwas zuviel Harmonie zwischen ihm und der überaus verständnisvollen Frau ist das für meine Empfindung.

Aber nicht schlimm, das Interessanteste an diesem Buch ist für mich die Einbeziehung historischer Geschichten. Vor allem dem unmenschlichem Einsatz von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen im dritten Reich wird gut recherchiert einiges, aber nicht zuviel an Raum gegeben. Trotz vieler Besuche der Touristenattraktion Silvrettastausee war mir bisher nicht bewusst, unter welchen Bedingungen der See und das Kraftwerk errichtet worden sind. Tausende Menschen mussten dort meist unfreiwillig ihren Dienst tun. Die meisten, die den Vorarlberger Baufirmen zugewiesen wurden, stammten aus Osteuropa, aber auch französische und belgische Kriegsgefangene befanden sich unter ihnen. Je nach dem wie die nationalsozialistische Ideologie diese Personen nach „Wertigkeit“ eingruppierte, waren ihre Lebensbedingungen. Aufgrund der alpinen Lage an der Bieler Höhe waren sie aber schon alleine deswegen schwer. Lawinen, Steinschläge, mangelnde Sicherheitsvorkehrungen, dazu die langen Arbeitszeiten und Unterernährung hatten zahlreiche Todesfälle zur Folge. Fluchtversuche hatten kaum Aussicht auf Erfolg. Wurden Menschen deswegen oder wegen anderer Delikte (was immer auch damals als Delikt angesehen wurde…) in Haft genommen, starben sie oft in Konzentrations- und Arbeitserziehungslagern.

Auf der Homepage der Vorarlberger Illwerke findet man einiges an Berichten, in denen diese Vergangenheit aufgearbeitet wurde. Im Urlaub im Montafon und bei Wanderungen ab der Bieler Höhe habe ich aber Informationen darüber überlesen bzw. nicht gefunden. Nach dem Lesen des Buches Schneekristalle sehe ich den Silvrettastausee nun mit ganz anderen Augen. Bald bin ich wieder dort in dieser einzigartigen Natur und Bergwelt. Diesmal werde ich an der Bieler Höhe aber mal ein wenig auf Spurensuche gehen und demnächst hier im Blog berichten.

Vielen Dank an den Bergverlag Rother für das mir zur Verfügung gestellte Exemplar!

  • Eric Barnert: Schneekristalle – Martin Keller und die Schatten der Silvretta
  • 1.Auflage 2016
  • 240 Seiten
  • ISBN 978-3-7633-7069-6
  • 12,90 Euro [D] • 13,30 Euro [A] • 16,90 SFr
Krimilesespaß im Garten
Ein Winterkrimi mitten im Sommer? Warum nicht? Bei hohen Temperaturen bringt eine Geschichte aus der verschneiten Bergwelt die richtige Abkühlung!

 

 

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Ein Gedanke zu „Tatort Silvrettasee – (Nicht nur) ein Bergkrimi

  1. Hallo Carolin,

    das Buch nehme ich auf meine NochZuLesen-Liste mit auf. Bergkrimis lese ich immer ganz gerne – allen voran Kluftinger! In der nahenden dunklen Jahreszeit hat man wieder mehr Zeit, sich mit einem Buch gemütlich aufs Sofa zu kuscheln.

    Viele Grüße
    Biene

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