Wandern an der Waal

Huch, keine Berge? Naja, der Grund liegt auf der Hand: ich wohne nun mal dort, wo Deichauffahrten zu den höchsten Steigungen gehören. Also ist es naheliegend, auch mal über Wanderungen hier im Flachland zu berichten.

Auf die Idee kam ich durch den Aufruf zur Blogparade von Ferngeweht. So fanden sich 78 Blogger zusammen, die sich einen Buchstaben aus dem Alphabet aussuchen und über eine Stadt, ein Land oder einen Fluss erzählen wollten.

Das W stach mir direkt ins Auge. Trennt sich doch nur wenige Kilometer von meinem Wohnort der Rhein in den Nederrijn und die Waal. Auf ihrem Weg Richtung Rotterdam und Nordsee ändert aber auch die Waal nochmals ihren Namen und wird zur Boven Merwede.

Die Strecke zwischen Kleve, Millingen (noch am Rhein) und Nijmegen gehört zu meinen Lieblingsradtouren. Diesmal will ich aber die 30 Kilometer zu Fuß zurücklegen. Los geht es also im niederrheinischen Kleve. Die ersten Kilometer auf deutscher Seite verlaufen idyllisch an Kolken und Altrheinarmen. In Höhe der Grenze ist der Rhein in Sicht, die vielen Schiffe verdeutlichen seine Rolle als Verkehrsader.

Die ersten 10 Kilometer unserer Wanderung haben wir geschafft, im gemütlichen Ort Millingen (noch an de rijn) ist erstmal eine Pause in der Pommesbude angesagt. Die Portion, die ich wähle, mit Majo, Zwiebeln und Erdnuss-Soße heißt eigentlich überall Frites Oorlog. Pommes Krieg, warum auch immer. Hier in Millingen aber nennt man sie Frites feest (Fest). Sehr sympatisch, da schmeckt diese eigenwillige Kombination doch gleich viel besser!

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Erste Pause in Millingen am Rhein

Kurz nach Millingen zweigt die Waal ab. Bis Kekerdom laufen wir fern ab des Autoverkehrs auf einem Radweg. Zur rechten liegt das Naturgebiet Millingerwaard. Im letzten Jahr sind hier viele Baumaßnahmen für den Hochwasserschutz vorgenommen worden. Wie dies in Einklang mit der wundervollen Natur, den wild lebenden Pferden und Rindern, sowie seltenen Tieren wie z.B. dem Biber gebracht wurde, möchte ich demnächst genauer in Erfahrung bringen. Vom Deich aus sieht es auf jeden Fall aus, als ob die Natur langsam wieder Oberhand gewinnt.

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Rechts fließt der Nederrijn, lings die Waal
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Neue Wasserflächen in der Millingerwaard
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Vogelbeobachtungsstation in der Millingerwaard

Ab Kekerdom müssen wir ein längeres Stück auf der Deichstraße laufen. Angesichts der schönen Ausblicke und kurvigen Strecke hoffe ich, dass die Autofahrer uns nicht übersehen. Es ist aber auch zu verlockend, hier seine Blicke schweifen zu lassen. Links die weiten Felder und am Horizont die bewaldeten Hügelchen der eiszeitlichen Endmoräne zwischen Nijmegen und Kleve. Rechts die breite Waal. Und zwischendurch immer mal wieder nette kleine Häuschen. Typisch holländisch mit schön bepflanzten Vorgärten.

Der Bisonbaai ist in Sicht, ein mit der Waal verbundender See. Im Sommer ist er vor allem als Badestrand und Ausflugsziel der Nijmeger beliebt. Ansonsten ist es in jeder Jahreszeit wunderbar, ihn zu umrunden und die tierischen Landschaftspfleger wie die Gallowayrinder und Konikpferde zu beobachten. Ein Muss ist auf jeden Fall eine Einkehr ins Oortjeshecken. Ein typisch niederländisches Cafe, in dem man auch übernachten und sowohl draußen als auch drinnen richtig gemütlich sitzen kann.

Nach dem „Koffie verkert“ geht es endlich auf Naturpfaden am See entlang, über eine schmale Brücke hinweg und dann doch leider wieder zur Fahrstraße. Zwei, drei Kilometer später entdecken wir aber ein kleines Schild. Ein Pfeil und vor uns liegt ein Fußweg, den ich noch nicht kenne. Er führt uns durch die Polderlandschaft mit alten Armen der Waal. Vlietberg nennt sich der Teil des Naturschutzgebietes Gelderse Poort. Hier muss man auf den Wegen bleiben, um die vielen dort lebenden Vogelarten nicht zu stören.

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Am Bisonbaai
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Gallowayrinder direkt am Weg
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Vlietberg

Ganz anders dagegen das letzte Stück kurz vor den Toren Nijmegens. Eine tolle Mischung aus Strandleben, Blick auf die Stadt und die vorbeiziehenden Schiffe sowie mittendrin die Gallowayrinder. Dieser Stadwaard, wie das Gebiet heißt, ist mit einer sehr wackeligen Fußgängerbrücke verbunden und quasi die natürliche Fortsetzung der Waalkade, Nijmegens Promenade am Fluss. Gerade bei schönem Wetter scheint diese neu entstandene Fläche ein Publikumsmagnet zu sein. Interessant ist auch eine gezogene Rinne, die bei Hochwasser überspült wird.

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So viel Natur direkt vor der großen Stadt Nijmegen
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Gleich sind wir in Nijmegen
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Neue Fußgängerbrücke zwischen Naturschutzgebiet und Waalkade

Gerne hätte ich mir noch die ebenfalls neue Waalinsel angesehen. Die ist nämlich ein Schlüsselprojekt im Hochwasserschutz der Niederlande. An einer Engstelle der Waal ist eine Art Bypass für den Fluss gelegt worden. Der Flusslauf ist erweitert worden und die dabei entstandene Insel wird nun städtebaulich genutzt. Da ich jetzt aber doch die lange Strecke, die wir hinter uns gelegt haben, merke, reicht die Lust gerade noch dazu, zur nächsten Falafelbude zu laufen und mit dem Bus zurück nach Kleve zu fahren.

Fakten und Fazit

  • Länge der Wanderung: 30 km
  • Dauer: mit mehreren Pausen 7h
  • Alternativ kann man die Strecke natürlich auch mit dem Rad fahren. Den Rückweg kann man dann kürzer gestalten, in dem man über Kranenburg fährt
  • Ist man mit Kindern unterwegs, eignen sich sehr gut die Gebiete Millingerwaard oder der Bisonbaai. Hier gibt es viel zu entdecken: die vierbeinigen Landschaftsgärtner, Biber bzw. deren Spuren, Störche und andere seltenen Vogelarten. Viele Spielmöglichkeiten am Wasser
  • Einkehrmöglichkeiten: verschiedene Cafes und Pommesbuden in Millingen, Theetuin in Kekerdom (liegt aber abseits meiner Strecke), Cafe Oortjeshekken in Ooij
  • Die Wanderung hat mir sehr gut gefallen. Zu Fuß entdeckt man doch wieder ganz andere Sachen als mit dem Rad. Allerdings hat mich das lange Laufen auf Asphalt mehr geschlaucht als die gleiche Strecke in den Bergen.

Wandern in Holland

 

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11 Gedanken zu „Wandern an der Waal

  1. Millingen liegt auf dem Pieterpad. Dort möchte ich in nicht allzu ferner Zukunft auch wandern gehen. – Das Asphaltlaufen auf Radwegen ist nicht so mein Ding, mag die Landschaft noch so toll aussehen auf den Fotos 🙂

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    1. Das nächste Mal nehme ich auch für diese Strecke wieder das Rad. Abseits des Deiches gibt es hier aber einige schöne Wanderwege, die angenehmer zu laufen sind.
      Ich bin mal gespannt, auf Deine Wanderung auf dem Pieterpad. Man sieht rund um Nijmegen oft Wanderer, die diesen Weg gehen. Meist sind das Niederländer, in Deutschland ist der Pieterpad, glaube ich, nicht so bekannt. Hoffentlich berichtest Du dann darüber auf Deinem Blog!
      Viele Grüße
      Carolin

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  2. Hallo Carolin, das sind sooo fantastische Bilder und Berichte – man hat immer das Gefühl, entweder selber mittendrin zu stehen oder gleich loswandern zu wollen!
    Gruß aus dem Harz!

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  3. Toller Bericht. 30 km – ganz schön sportlich! Nach meiner letzte knapp 30 km Tour ( http://out.ac/YErzn ) versucht ich nun doch lieber eher bei 20 km Wanderungen zu bleiben. Es war toll zu lesen, dass Du unbekannte Pfade entdeckt und beschritten hast. Wunderbar!
    Ich wünsch Dir viele schöne Wanderungen – egal ob flach oder bergig.

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    1. Hallo Guido!
      Bisher leider nicht, aber ich hoffe, bald mehr darüber zu berichten.
      Schließlich gibt es in NL viel mehr Wanderwege und, wie ich finde, auch schönere Natur als hier am Niederrhein.
      Die Gegend rund um Nijmegen kenne ich ja schon ganz gut, demnächst würde ich aber auch gerne andere Regionen erwandern.
      Muss doch mal bei Dir auf dem Blog stöbern, bestimmt finde ich da was!
      Liebe Grüße
      Carolin

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