Vom See zum Gletscher – Wandern zur Wiesbadener Hütte

Mit ein wenig Glück bekommt man im Silvrettagebirge auch Steinböcke zu Gesicht

Die Wiesbadener Hütte im Silvrettagebirge lässt sich für normal ambitionierte Wanderer auf drei verschiedenen Wegen erreichen. Ausgangsort für diese drei Wanderungen ist immer der Silvrettastausee bzw. die Bieler Höhe. (Übrigens auch Startpunkt für diese schöne Hüttentour)

Einmal wäre da der ca zweistündige Anstieg über den Hüttenfahrweg durch das Ochsental. Auch hier hat man schon einen tollen Ausblick auf das Silvrettagebirge. Mit einem geländetauglichen Kinderwagen ließe sich die Strecke machen, dann braucht man aber viel Kondition und Kraft. Steigt der Fahrweg erst nur leicht an, wird es gerade zum Schluss sehr steil.

Die zweite Möglichkeit ist eine Rundtour über den Radsattel. Sehr schön, etwas anspruchsvoller. Beschreibung dazu folgt.

Heute geht es aber für uns über den sogenannten Sommerweg zur Wiesbadener Hütte. Dieser Pfad verläuft parallel zum Fahrweg, ist aber wesentlich schmaler und steiniger. Nicht schwierig, aber trittsicher sollte man natürlich sein.

Kühe am Silvrettastausee
Am anderen Ende des Silvrettastausees gegenüber von der Bieler Höhe
Gletschermilch im Silvrettagebirge
Das eiskalte Gletscherwasser fließt in den Stausee und nennt sich Gletschermilch

Los geht es an der Bieler Höhe auf 2063 Metern. Vorbei an der Staumauer laufen wir erst ein kleines Stück auf dem teils stark frequentierten Uferweg. Nach einem Wasserfall biegen wir auf den Sommerweg. Nun wird es merklich ruhiger. Die ersten 200 Höhenmeter legt man in einem recht kurzen Stück auf manchmal steilen Serpentinen zurück. Belohnt wird man mit Tiefblicken zum Stausee. Milchig-weiß ist das Wasser, das als Gletschermilch bezeichnet wird. Durch feinstes Gesteinsmehl hat es seine Farbe erhalten.

piz-buin

Nach einer Kurve zeigt sich dann das Ochsental in seiner vollen Pracht. Der Piz Buin, das Silvrettahorn sowie die zwar auch hier sichtbar schmelzenden, aber immer noch imposanten Gletscher liegen vor uns. Weiter unter uns sieht man die vielen Wanderer auf dem Fahrweg. Im Gegensatz zu uns haben sie den anstrengendsten Teil des Weges noch vor sich. Zwar müssen auch wir noch ungefähr 200 Höhenmeter bewältigen, aber in einem angenehmen und abwechslungsreichen Auf und Ab.

Unterhalb des Hohen Rads queren wir Bachläufe, von Gletschern geschliffene Felsplatten und Blockfelder. Manchmal gibt es kurze Abschnitte, an denen auch mal die Hände zur Hilfe genommen werden oder Trekkingstöcke einen guten Dienst erweisen, da manche Felsblöcke, auf die man tritt, wackelig sind.

Wir hatten das Glück, direkt am Wegrand nur etwas höher auf einem Felsblock liegend, einen Steinbock zu entdecken. Ganz gemütlich ruhte er sich aus und ließ sich kaum von den Wanderern stören.

Mit ein wenig Glück bekommt man im Silvrettagebirge auch Steinböcke zu Gesicht
Der Ochsentaler Gletscher rückt immer mehr in den Blick

Bald ist die Wiesbadener Hütte unterhalb des Ochsentaler Gletschers in Sicht. Trotz der großen Terrasse findet sich nicht so leicht ein Platz. Bei schönem Wetter ist hier immer viel los.

Die Stimmung auf dieser relativ leicht zu erreichenden Hütte in hochalpiner Lage ist toll. Eine bunte Mischung an Besuchern findet man hier: Halbschuhtouristen, die sich den schotterigen Fahrweg hochgequält haben. Tageswanderer wie wir, zwar mit vernünftigen Schuhen, aber genauso froh, das Ziel erreicht zu haben. Und Hochalpinisten mit Steigeisen und Seil im Gepäck, die hier übernachtet haben, um z.B. den Piz Buin zu besteigen.

Ja, und nicht zu vergessen Andrea und Lucia. Die zwei haben den Laden hier voll im Griff. Manchmal etwas lautstark, aber immer mit viel Elan, Humor und Temperament bedienen sie die Menschenmassen. Update Sommer 2016: Es gibt mittlerweile ein neues Hüttenteam, d.h. die beiden jungen Frauen aus Osteuropa sind leider nicht mehr mit von der Partie. Dennoch wird man immer noch sehr gastfreundlich und nett empfangen.

Mit Blick zum Gletscher und den gut zu beobachtenden Seilschaften genießen wir unser Essen. Mein Tipp sind die vegetarischen Kaspressknödel. Aber auch der Kaiserschmarrn ist riesig und lecker.

Das Essen schmeckt in den Bergen immer gut
Den leckeren Kaiserschmarrn sollte man sich auf der Wiesbadener Hütte nicht entgehen lassen.

Irgendwann müssen wir uns von diesem herrlichen Fleck verabschieden, der letzte Bus ins Montafon möchte schließlich nicht verpasst werden. Zurück wählen wir den Fahrweg, um weniger darauf achten zu müssen, wohin die Füße gesetzt werden und stattdessen die schönen Ausblicke ins Gedächtnis zu brennen.

Fakten

  • Hochgebirgstour ohne große Schwierigkeiten, Trittsicherheit erforderlich
  • für ausdauernde Kinder geeignet
  • für Familien mit kleineren Kindern eignet sich vielleicht erstmal eine Stauseeumrundung. Auch dort hat man viele tolle Eindrücke auf das Silvrettagebirge. Am zur Bieler Höhe gegenüberliegendem Ufer kann man am (sehr kaltem) Wasser spielen.
  • Höhenmeter: jeweils ca 400 im Auf- und Abstieg
  • Dauer: insgesamt ungefähr 4,5 –  5 Stunden reine Gehzeit
  • Ausgangsort: Partenen im Montafon oder Galtür im Paznaun
  • An der Bieler Höhe gibt es zahlreiche, kostenlose Parkplätze
  • Aber auch mit dem Bus ist die Bieler Höhe gut zu erreichen
  • Mautgebühr für die Silvretta-Hochalpenstraße, wenn man nicht über die Montafonkarte verfügt, oder eine Unterkunft im Paznaun hat

Eine Wanderung vom Stausee zum Gletscher unterhalb des Piz Buins im Silvrettagebirge

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4 Gedanken zu „Vom See zum Gletscher – Wandern zur Wiesbadener Hütte

  1. Liebe Carolin,

    ein toller Bericht und v.a. die Fotos!! Hach… da will man gleich los und dorthin 🙂

    Eine kleine Anmerkung zur Gletschermilch: die kann man sogar als Nahrungsergänzungsmittel kaufen und so Mineralien und Spurenelemente aus der Natur supplementieren.

    Nicht ganz billig, tut aber gut 😀

    Liebe Grüße,
    Romy

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    1. Hallo Romy,
      vielen Dank!
      Ich freue mich auch schon auf den Sommer, wenn ich endlich wieder dort bin.
      Dass man Gletschermilch kaufen kann, wusste ich auch noch nicht. Interessant, vielleicht ist das ja mal ein Thema für den Blog!
      Liebe Grüße
      Carolin

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  2. Liebe Carolin!
    Nachdem ich mit meinem Mann gestern einen kinderlosen Sonntag vor mir hatte, hatten wir uns einen Tag zuvor für eine Wanderung auf die Wiesbadener Hütte entschieden. Als gebürtige Hessin, wohnhaft in Vorarlberg war dies wohl schon lange überfällig. Bei der Entscheidung, welche Route wir wählen (wir hatten zuerst die über den Radsattel angedacht), war uns dein Blogeintrag eine gute Entscheidungshilfe. Wir sind mit dem Auto bis auf die Bielerhöhe gefahren, Parkplätze gab es am morgen noch reichlich. Den Einstieg auf den Sommerweg haben wir auch direkt gesehen, uns kurz danach jedoch um ein paar Meter verstiegen. So schient es schon vielen Wanderern passiert zu sein, denn es gab viele zusätzliche verwirrende Trampelpfade. Nach kurzem Aufstieg (und der Kollision mit einer Kreuzotter ;-)) haben wir dann doch den richtigen Weg entdeckt und sind zu diesem abgestiegen. Der Weg war sehr ruhig und gut zu laufen. Trotz Sonntag und Ferienzeit, sind wir auf dem Weg nur ca 8 Personen begegnet. Auch an der Hütte haben wir noch ein Plätzchen gefunden. Zurück sind wir dann ebenso wir ihr über den Forstweg gelaufen, das ging recht schnell. Alles in allem eine sehr schöne Tour! Danke für Deine Mühe! LG Patricia

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Patricia!

      Schön, dass der Artikel euch ein wenig helfen konnte!
      Ich war vor zwei Wochen mal wieder dort, allerdings haben wir diesmal die Route über den Radsattel gewählt. Das war zwar länger, aber ich fand es noch ein bisschen schöner als den auch tollen Sommerweg.
      Eine Kreuzotter haben wir dort nicht gesehen, nur im benachbarten Jamtal (eine ganz junge, allerdings).
      Dass Du in Vorarlberg wohnst, ist wirklich beneidenswert! All die tollen Berge direkt vor der Haustür!
      Liebe Grüße Carolin

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