Weshalb wir wegen einer Katze nicht auf den Berg kamen

Bestes Wanderwetter und eines der schönsten Gebirge, die Dolomiten, direkt vor der Nase. Daher sind wir an diesem sonnigen Herbsttag schon früh gestartet. Ziel waren das Tschafonhaus und vielleicht noch ein leichter Aussichtsgipfel.

Die urige Berghütte mit tollem Blick auf den Rosengarten und die Vajolettürme hatten wir schon mehrfach besucht. Allerdings hatte es sich leider jedes Mal, wenn wir dort ankamen, zugezogen und kein einziger Gipfel war mehr zu sehen.

Also sollte es doch an diesem Tag klappen.Der Wetterbericht versprach, dass sich die Sonne im Laufe des Tages durchsetzen sollte.

proesels-suedtirol
Schloss Prösels – Ausgangsort dieser Wanderung

Durch die wunderschöne, idyllische Mittelgebirgslandschaft zwischen Völs am Schlern und Tiers ging es erstmal zum Schnaggenkreuz, einer 1015 m hohen Almfläche, jetzt im Herbst mit goldfarbenen Lärchen bewachsen.

lärchenwald

Von dort führen verschiedene Wege zur ersten Station unserer Wanderung, dem Berggasthof Schönblick. Wie wählten den Zustieg, der an einem Fischweiher und kleinem Staubecken vorbeiführt. Aus einer Fischerhütte sahen wir einen älteren Mann mit der typisch Südtiroler blauen Schürze heraustreten. Er bog vor uns in den Wald ein. Über die kleine Transportbox, die er mit sich trug, wunderten wir uns etwas. Aber vielleicht hatte er ja einen Fisch gefangen und beförderte ihn so nach Hause.

Im Wald war er wie vom Erdboden verschluckt. Stattdessen hörten wir irgendwo ein verzweifeltes Miauen. Im Unterholz raschelte es, und plötzlich sprang durch den Holzzaun ein kleines schwarz-weißes Kätzchen. Es schlängelte sich um unsere Beine, und natürlich konnten das Wanderkind und ich nicht widerstehen, es zu streicheln.

Ein Fehler, wie sich bald herausstellte. Der Weg verlief nun ansteigend weiter. Wir dachten, irgendwann würde die Katze schon wieder umkehren oder etwas Interessanteres als uns entdecken. Aber nein, sie beschloss, uns hartnäckig zu verfolgen.

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Selbst als wir eine Pferdeweide querten und die Tiere neugierig auf uns zutrabten, hing das Kätzchen immer noch an unseren Fersen. Nee, so ging das nicht weiter. Wir konnten das arme Tier doch nicht bis zum Gipfel mitschleppen. Dann würde es ja niemals mehr sein Zuhause zurückfinden.

Also drehten wir um, liefen wieder an den Pferden vorbei. Wer weiß, was die sich über dieses merkwürdige Gespann aus zwei großen und einem kleinen Wanderer sowie einer Katze gedacht haben…

Zurück ging es zum Fundort. Hier schien es aber in der Nähe keine Häuser zu geben. Ein ganzes Stück weiter unten im Wald sah man aber einen Weg. Daher schlugen wir uns durch das Gestrüpp und suchten dort nach Behausungen. Ein paar einzelne Bauernhöfe fanden wir. Ein wenig peinlich war es mir ja schon, dort zu klingeln und zu fragen, ob denn eine kleine, schwarze Katze vermisst wurde. In dieser kleinbäuerlich geprägten Region werden Katzen schließlich eher als Mäusefänger statt Schmusetiger gehalten.

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In einem Kuhstall, in dem gerade Kühe gemolken wurden, hatte ich scheinbar Glück. Ja, sie hätten wohl gerade junge Katzen, die schon mal ein Stückchen vom Hof wegliefen. Nein, schwarze sind nicht dabei.

Oh je, was nun? Wir waren nun recht nahe an der Hauptstraße, die zum Karerpass führt. Hier können wir die Katze nicht lassen. Also wieder zurück, Richtung Fischweiher. Da, wo wir den ominösen Angler gesehen hatten. Sollte etwa das Kätzchen in seiner Transportkiste gesteckt haben und er hatte es einfach ausgesetzt?

Da wir schon den gefühlten halben Tag mit Katze unterwegs waren, machten wir erstmal eine Pause am Schnaggenkreuz. Meine Laune war im Keller. Nicht nur, dass wir seit Stunden nur im Kreis liefen und ein Aufstieg zum Tschafonhaus sich eh nicht mehr lohnte.

Nein, ich fragte mich, warum immer mir so etwas passiert, wo doch klar ist, dass ich kein Tier links liegen lassen kann. Wieso verirren sich ausgerechnet in unseren städtischen Garten Fasane und Feldhasen? Warum fliegt mir ein einbeiniger Käfigvogel vor die Füße, den ich dann ebenso wie den mit madenbefallenen Igel, der sich meine Terrasse zum Dahinsiechen ausgesucht hat, zum Tierarzt bringen muss? Und weshalb begegnen mir „ständig“ herrenlose Schafe, Hunde oder so wie letztens ein Huhn, deren Besitzer ich daraufhin suche?

Nun also diese Katze. Was sollen wir bloß mit ihr machen? Möchte sie vielleicht von uns adoptiert werden? Da würden sich unsere Ferienwohnungsvermieter sicherlich bedanken, wenn wir mit ihr ankämen. Außerdem sollte nach dem Urlaub schon ein Tierschutzhund sein Zuhause bei uns finden. Im Tierheim abgeben? Das nächste ist erst in Bozen. Ob die das toll finden, wenn jeder übereifrige Tourist scheinbar herrenlose Katzen dorthin bringt? Vielleicht hat sie ja doch irgendwo ihre Menschen, die sie vermissen.

Also, ein Versuch noch. Wir nahmen nun einen anderen Weg, der vom Schnaggenkreuz runterführte, vorbei an einzelnen Gehöften. Auch dort schellte ich wieder ohne Erfolg. Nachdem wir einen wild bellenden Kettenhund passierten, die Katze uns immer noch vollkommen ungerührt davon folgte, kamen wir an ein Haus mit zwei anderen Katzen.

Fauchend versuchten sie unser Kätzchen zu vertreiben. Das aber fand seine Artgenossen wohl doch interessanter als uns und blieb zurück! Wir verschwanden schnell um die Ecke, blieben aber noch ein wenig in der Nähe, um sicher zu gehen, dass die Katze uns wirklich nicht mehr hinterherlief.

Sie blieb dort und ich hoffe wirklich, dass sie vielleicht genau dort zu Hause war.

Tatsächlich haben wir in diesem Urlaub ein paar Mal in dieser Umgebung nachgeschaut, ob das Kätzchen dort noch herumirrte. Gesehen haben wir es nicht mehr.

Aber jedes Mal, wenn ich an diesen herrlichen Fleck, dem Schnaggenkreuz in Südtirol, denke, erinnere ich mich an die kleine, beharrliche Katze, die hoffentlich liebe Katzenmenschen oder wenigstens einen warmen Stall gefunden hat.

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Eine Wanderung ganz in der Nähe, ohne Katze, findet ihr hier

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2 Gedanken zu „Weshalb wir wegen einer Katze nicht auf den Berg kamen

  1. Hallo Caro,

    an Dein Erlebnis mit der Katze musste ich letzte Woche auf Gomera denken, als uns etwas ähnliches passiert ist.
    Wir sind durch einen kleinen Ort gewandert, als plötzlich ein kleiner Hund um die Ecke gebogen kam und uns neugierig musterte. Weil er so niedlich war, haben wir es nicht geschafft ihn zu ignorieren. Woraufhin er sich an unsere Fersen geheftet hat und mit uns einen steilen Aufstieg hochgeklettert ist – und das obwohl er sehr kurze und krumme Beine hatte. Erst nach über einer Stunde war er plötzlich verschwunden und kam uns kurz darauf mit zwei anderen Wanderern wieder entgegen. Nachdem er sich riesig über das Wiedersehen mit uns gefreut hat, ist er den beiden dann zurück runter in sein Dorf gefolgt. Er nutzt die Wanderer anscheinend als Begleitung für seine täglichen Ausflüge. Ein raffiniertes Kerlchen! Und wir als Wanderer haben uns auch darüber gefreut und werden noch lange an das Erlebnis zurückdenken 🙂

    Viele Grüße
    Biene

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