Rund um die Vajolettürme -Wandern im Rosengarten

Der Wetterbericht verhieß nichts Gutes für unsere Tourenplanung. Ein baldiger Wintereinbruch und der erste Schneefall würden diese Hüttentour in den Dolomiten für normal ambitionierte Wanderer unmöglich machen.

Darum entschieden wir, direkt am 1.Tag unseres Urlaubes von der Kölner Hütte übers Tschagerjoch vorbei an Vajolet- und Grasleitenhütte durch das Tschamintal wieder runter nach Tiers am Rosengarten zu wandern.

Dass 1900 Höhenmeter Abstieg am 1.Urlaubstag, frisch und untrainiert aus dem Flachland kommend einen schönen Muskelkater bescheren können, weiss ich jetzt auch. Zwei Tage lang konnte ich keine Treppen mehr hinunter steigen.

koelner-hütte
Aussicht von der Bergstation des Laurinsesselliftes

Los ging es mit dem Bus von Völs am Schlern den Nigerpass hoch auf 1743 m zur Frommeralm. Dort beförderte uns der Sessellift zur Kölner Hütte (2339m). Einen herrlichen Ausblick gab es dort auf das Bozener Talbecken, Brentagruppe, Ortler und die Berge um Meran. Morgens noch im Schatten liegend herrschten dort empfindlich kühle Temperaturen. Selbst der karierte Hemdträger, der fast das ganze Jahr eher sommerlich bekleidet ist, wollte sich erstmal bei einem Kakao in der Gaststube aufwärmen.

Wir anderen waren wetterfester angezogen, blöderweise hatte ich die Handschuhe vergessen. Wäre der erste Aufstieg eigentlich eine kurzweilige leichte Kletterei, vermiesten die eiskalten Felsen und fast gefrorenen Seilversicherungen ein wenig den Spaß.

Die 300 Höhenmeter zum Tschagerjoch überwindet man in einem recht kurzen, steilem Stück. Im Aufstieg empfinde ich diese Passage als nicht zu schwierig. Wie gesagt, Handschuhe das nächste Mal mitnehmen, dann kann man sich auch besser an den wenigen Kletterstellen festhalten!  Aufpassen muss man natürlich, man benötigt aber keine Klettersteigausrüstung.

Oben auf 2630 m angekommen sind wir wieder auf der Sonnenseite und können unsere Finger auftauen. Hier verläuft die Grenze zwischen den Provinzen Südtirol und Trentino. Wir blicken ins Fassatal und auf die dahinter liegende Marmolada, die Königin der Dolomiten.

marmolada

vajolettal

rosengartenspitze

Unterhalb der Rosengartenspitze queren wir das Vajolettal. Ca 400 Höhenmeter geht es hinunter zur Vajolethütte auf einem schmalen Pfad, der aber bedeutend einfacher zu laufen ist als der erste Abschnitt der Wanderung. Die Berghütte, die übrigens aus dem Fassatal mithilfe von Bus oder Bergbahn sehr leicht zu erreichen ist, hat jetzt im Oktober schon geschlossen.

Glücklicherweise befindet sich nur wenige Meter von dem großen Alpenvereinshaus die viel kleinere, private Preusshütte, die nach dem Freikletterpionier Paul Preuss benannt und von seinem Freund errichtet wurde.

huette-im-rosengartenvajolethuettepreusshuette

Die Hüttenbetreiber sind schon mit dem Aufräumen beschäftigt, da dies der letzte Tag in diesem Herbst ist, an dem die wunderschön gelegene Hütte geöffnet hat. Unterhalb der Vajolettürme sitzen wir auf der Terasse und vertilgen die letzten Reste, die noch im Angebot sind. Nicht nur hier sind wir die einzigen Gäste. Auf der gesamten Wanderung begegnen uns kaum andere Menschen. Unglaublich bei der traumhaften Bergkulisse. Wahrscheinlich ist das im Sommer ganz anders.

Nun geht es in einem leichten Bogen wieder ein gutes Stück aufwärts. 350 Höhenmeter müssen bis zur Grasleitenpasshütte gemeistert werden. Das Wanderkind wird jetzt doch ein wenig müde, und muss motiviert und auch mal gezogen werden.

grasleitenpassgrasleitenpasshuettepause

Die kleine Hütte hat sich eindrucksvoll an die Natur angepasst und schmiegt sich eng an die Felsen. Von hier lässt sich auch der höchste Gipfel der Rosengartengruppe, der Kesselkogel, auf einem Klettersteig erklimmen. Wir, vor allem das Wanderkind, haben jetzt erstmal eine Pause verdient. Anders als in Südtirol sind hier ein paar Brocken Italienisch hilfreich. Mit Händen und Füßen versuche ich von der netten Bedienung zu erfahren, was es Vegetarisches zu essen gibt und entscheide mich für eine rustikale Minestrone. Hoffentlich gibt sie genügend Kraft für den nun folgenden Abstieg.

1600 Höhenmeter sind es noch runter nach Tiers. Das erste Stück durch den Grasleitenkessel ist so gar nicht mein Ding. „Klick, klack“- hört man immer wieder, wenn sich Steine von den steilen, riesigen Felswänden lösen. Irgendwie müssen die Massen an Geröll, durch die wir absteigen, ja hierhin gekommen sein, denke ich mir. Und bin froh, als sich das Tal etwas weitet und die zwei Gemsen, die wir oberhalb von uns entdecken, keinen Steinschlag auslösen.  Beeindruckend ist diese Mondlandschaft mit den bleichen Dolomitengipfeln aber schon.

Ein kurzes Stück geht es an einer tief eingeschnittenen Schlucht einen teils seilversicherten Pfad abwärts zur Grasleitenhütte. Die Schützhütte war die erste, die in der Rosengartengruppe errichtet wurde. Aber auch sie ist zu dieser Jahreszeit schon geschlossen.

naturpark-schlerngrasleitenhuette

Nicht schlimm, es ist eh schon spät und der Weg durch das schöne Tschamintal zieht sich  noch ein wenig. Wir befinden uns hier übrigens wieder in Südtirol, im Naturpark Schlern.

Aus diesem Tal, von dem der Schriftsteller Heinrich Noe sagte, es gäbe kein romantischeres in den Alpen, gibt es zwei anspruchsvolle Zustiege zum Schlern, das Bärenloch und die Bärenfalle.

tschamintal

Vorbei am Naturparkhaus und der Tschaminschwaige laufen wir zur Bushaltestelle nach Tiers. Immerhin sehen wir nach dieser langen Wanderung noch den Rosengarten leuchten. Ein Spektakel, das wir nicht oft zu Gesicht bekommen. Müssen wir doch sonst zu dieser Uhrzeit pünktlich auf unserem Ferienbauernhof sein, damit das Wanderkind seinen Stalldienst antreten kann. Der darf nämlich normalerweise nicht verpasst werden. Danke, Wanderkind, für diese Ausnahme!

tiers-am-rosengarten

Fakten und Fazit

  • Ausgangspunkt: Frommeralm, Talstation des Laurinliftes. Zu erreichen über Tiers am Rosengarten und den Nigerpass oder über Welschnofen und den Karerpass
  • Endpunkt: St.Zyprian bei Tiers
  • Höhenunterschied: aufwärts 650m, abwärts 1900m
  • Gehzeit: 6,5 Std. Wir haben mal wieder mit Pausen bestimmt 1 oder 2 Stunden länger gebraucht
  • sehr lang, teilweise anspruchsvoll. Für geübte Wanderer nicht zu schwierig
  • Nur für ausdauernde und trittsichere Kinder geeignet. Für Familien ist der landschaftlich ebenso beeindruckende Hirzelweg unterhalb des Rosengartens geeigneter
  • es liegen einige Hütten auf dem Weg, aber auf die Öffnungszeiten achten!
  • fährt man mit dem Auto zur Frommeralm, sollte man ebenso auf die Busfahrzeiten achten. Später am Tag fährt der Bus nicht mehr oft in Richtung Karerpass
rund-um-die-vajoletturme
Einmal rund um die Vajolettürme in den Dolomiten

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11 Gedanken zu „Rund um die Vajolettürme -Wandern im Rosengarten

    1. Hallo Nina,

      ein verspätetes Dankeschön für Deinen Kommentar! Ich weiss nicht weshalb, aber leider funktioniert manchmal meine Kommentarfunktion nicht und meine Antworten werden nicht veröffentlicht.
      Schenna ist auch toll. Wanderungen habe ich bisher allerdings noch nicht dort gemacht.
      Viel Spaß in eurem Urlaub!
      LG Carolin

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  1. Also wir wandern auch sehr gerne, aber 6,5 Stunden auf teilweise schwierigem Terrain ist dann wahrscheinlich doch eine Nummer zu groß 🙂 Trotzdem sieht es sehr schön aus. habt ihr schon einmal etwas vom Vigiljoch gehört? Auch ein sehr naturreiches Gebiet und zum Wandern gut geeignet. Wird für uns wohl wieder dorthin gehen.

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    1. Hallo Tanja!
      Danke für den Kommentar!
      Diese Wanderung haben wir blöderweise auch noch am 1. Urlaubstag gemacht. Keine gute Entscheidung, mein Muskelkater war nicht ohne… Aber das Wetter sollte schlechter werden und wir wollten unbedingt dorthin. Ansonsten muss es aber auch bei uns nicht jeden Tag eine solch lange Tour sein!
      Das Vigiljoch kenne ich bisher nur von Bildern und reizt mich auch sehr.
      Mal sehen, vielleicht schaffe ich ja diesen Herbst einen Ausflug dorthin.
      Liebe Grüße
      Carolin

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    1. Dankeschön! Freut mich sehr, zu hören. Ich bin selber nämlich immer so unzufrieden mit meinen Fotos.
      Den Santnerpass hätte ich mir nicht wirklich zugetraut, hast du auf deinem Blog etwas darüber geschrieben?
      Liebe Grüße
      Carolin

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      1. leider nein ! Zu der Zeit wo ich den gemacht hatte gab es noch nicht diese digitalen Fotos. Leider nur Papierfotos und ein Video von mir gedreht. Kannst ja aber mal bei mir reinschauen unter Rubrik Berge, das findest du vielleicht was. Übringens hast du keinen Grund an deinen Fotos zu zweifeln !!! Manni

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