Familienwandern zum Gaisalpsee im Allgäu

Da seit kurzem ein neuer Wanderführer mein Bücherregal ziert, nämlich „Mit Kindern im Allgäu“ aus dem Naturzeit Reiseverlag, kommen gerade Erinnerungen an vergangene Aufenthalte in Oberstdorf und Umgebung auf.

Den schönen Wanderführer werde ich übrigens demnächst genauer vorstellen. Heute habe ich eine Tour ausgesucht, die im Buch ebenfalls vorgeschlagen wird. Da ich insgesamt nicht viele, vernünftige Fotos damals gemacht habe, stammen die veröffentlichten aus verschiedenen Urlauben. Mal waren wir alleine unterwegs, mal mit einer befreundeten Familie.

Los geht es also zum idyllisch gelegenen Gaisalpsee unterhalb des Rubihorns. Ausgangsort ist das kleine Dorf Reichenbach, gelegen zwischen Oberstdorf und Fischen im Allgäu. Dort befindet sich auch ein kostenpflichtiger Parkplatz. Wir mussten damals 2,50 € für den Automaten bezahlen. Tatsächlich saß dort stundenlang ein älterer Mann auf seinem Klappstuhl und wechselte Kleingeld, falls man nur Scheine dabei hatte. Ob das immer noch so ist und ob er vom Ort angestellt oder es nur sein Hobby war, würde ich zu gerne wissen.

Das Schöne an dieser Wanderung ist, dass man sie nach Lust und Laune verlängern oder verkürzen, und somit der Kondition und den Wetterverhältnissen anpassen kann.

Das erste Ziel – die Gaisalpe- ist schon in 45 Minuten bis 1 Stunde erreichbar. Kurz nach den ersten Höhenmetern kann man entscheiden, ob man die kinderwagentaugliche, aber etwas langweilige Fahrstraße oder aber den viel interessanteren Tobelweg nutzt.

Besonders an heißen Tagen ist der abwechslungsreiche Weg durch den Gaisalptobel zu empfehlen. Der muntere kleine Bergbach begleitet uns hinauf. Später gibt es immer wieder Fels- und Holzstufen, Metallrampen und kurze versicherte Passagen. Kleine Kraxler fühlen sich hier schon wie echte Bergsteiger. Der Weg ist aber recht breit und sicher. Aufpassen muss man natürlich trotzdem, bevor man über eine der zahlreichen Baumwurzeln oder über rutschige Stellen stolpert.

Großes Staunen löste bei uns eine entgegenkommende Gruppe an Gebirgsjägern, wohl in Ausbildung, aus. Sie wurden regelrecht den Weg runtergetrieben, ständig rutschten sie aus oder es flog jemand hin. Egal, weiter weiter, nur schnell den Berg runter, begleitet von den lauten Kommandos der „keine-Ahnung-wie-die-Chefs-dort-heißen“. Wie furchtbar, bin ich froh, dass wir ganz gemütlich und entspannt gehen können!

Gaisalpe

Aus dem Wald kommend ist fast schon die Gaisalpe erreicht. Der Weg führt über einen sonnigen Hügel links zum Berggasthof. Wir wollen aber den rechten Weg, der zur Richteralpe führt, einschlagen. Auf der netten Sonnenterasse machen wir erstmal eine Pause mit schön dekoriertem Apfelstrudel.

apfelstrudel-richteralpe

Nach dem Ok des Almwirtes, dass das Wetter noch bis zum Abend halten sollte, geht es weiter Richtung Gaisalpsee. Erst mal über eine Kuhweide, dann wird es recht schnell steiniger und abenteuerlicher. Zwischendurch kann man auch schon mal die Hände nutzen, um sich am felsigen Weg hochzuziehen. Zwischendurch werden schwierigere Stellen mit Drahtseilen oder Trittstufen gesichert. Für uns, die damals doch eher Flachlandtiroler waren,  war so manche Stelle spektakulär.

 

Besonders spannend wird es da, wo kleine Wasserfälle den Weg unterspülen. Mit Vorsicht und ein bisschen Hilfe für kurze Beine sind diese kurzen Abschnitte aber gut machbar.

IMG_4424

Vom Weg ist schon der untere Gaisalpsee zu sehen, ein kleines Stückchen müssen wir aber noch durch Latschenkiefern hoch. Dann erreichen wir endlich den wunderschön gelegenen Bergsee. Im Wasser spiegelt sich das Rubihorn. Markant ist das große Geröllfeld und die Bergflanke. 1987, also noch gar nicht so lange her, gingen durch einen Felssturz an der Nordseite 10000 – 15000 m³ Geröll zu Tal.

Zweimal waren wir schon hier oben. Einmal war es so heiß, wie ich es selten in den Bergen erlebt habe. Schon unterwegs waren wir immer froh, an einem der Rinnsale unsere Kopfbedeckungen ins Wasser zu tauchen. Kommt nicht oft vor, dass ich mir eine triefend nasse Käppi auf den Schädel setze.

Die Kinder und manch Erwachsener springt sofort ins Wasser. Allerdings sind die Temperaturen des Sees selbst bei dieser Hitze so, dass man doch eher unempfindlich sein sollte, um eine Runde zu schwimmen. Mutige Wanderer gibt es aber anscheinend immer, die dies probieren.

IMG_4435
Sehr ordentliche Wanderer sind wir…aber das Wasser lockt zu sehr
gaisalpsee-rubihorn
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Spaß haben die Kinder vor allem an den zahlreichen Fischen. Immer wieder sieht man große Exemplare, die ihre Bahnen ziehen. Die kleineren Fische knabbern zur unserer Belustigung sehr gerne an Füßen.

Wo ich gerade diese Zeilen schreibe, frage ich mich, wie die Wasserbewohner  die eiskalten Winter überleben. So ist der Gaisalpsee mit seinen 1506 Metern an Höhe sicherlich oft zugefroren.

Auf der Internetseite des Bundesamtes für Naturschutz werde ich fündig:

Ist der See tief genug, friert er nicht bis zum Grund. Wenn Wasser 4 Grad warm ist, hat es seine größte Dichte und ist somit am schwersten, zieht daher nach unten, während es sich and der Oberfläche immer weiter abkühlt und gefriert. Das Wasser am Grund eines (tieferen) Sees bleibt immer 4 Grad warm, weil es von dem Eis darüber vor weiteren Abkühlungen geschützt wird. Dort ist dann Platz für die Fische, manche buddeln sich auch in den Schlamm ein.

Außerdem besitzen Fische einen körpereigenen Kälteschutz. Der Stoffwechsel arbeitet langsamer, sie bewegen sich kaum. Dadurch verbrauchen sie weniger Energie und benötigen weniger Nahrung.

Nach einer längeren Pause und einem letzten Blick zum See geht es wieder auf gleichem Weg hinunter.

gaisalpsee

gaisalpsee-klettern
Eigentlich sehen meine Bergbilder immer weniger steil aus, als es in Wirklichkeit war. Bei diesem Foto ist es andersherum. So abschüssig war es nicht!

Wer noch Zeit und Kraft hat, könnte noch weiter zum oberen Gaisalpsee, zum Rubihorn oder ins nächste Tal zur Seealpe und dort mit der Nebelhornbahn oder zu Fuß nach Oberstdorf laufen. Uns reicht der untere See als Ziel vollkommen.

Oberhalb der Richteralpe entscheiden wir uns diesmal für die Abzweigung zum Berggasthof Gaisalpe, der schnell erreicht ist. Auch dort kann man herrlich sitzen, ein kühles Getränk genießen und etwas leckeres essen. Für die Kinder sind dort die verschmusten Katzen der größte Anziehungspunkt.

Für den Rückweg wählen wir die breite Fahrstraße. Keine Lust mehr, zu gucken, wohin man die Füße setzt. Stattdessen genießen wir die Aussicht. Übrigens könnte man auch von hier über den schönen Wallrafweg nach Oberstdorf gelangen. Einfach zu laufen, aber immerhin noch 6 km.

In Reichenbach angekommen haben die Kinder – im Gegensatz zu uns- noch reichlich Energie, den schönen Waldspielplatz zu erkunden. Nur kurz vom Parkplatz entfernt, liegt der „Wichteltreff“. Mit viel Liebe originell von den Dorfbewohnern gebaut, begeistert vor allem die Seilbahn unsere Kinder, während wir auf den Hängematten ausruhen.

Wenn ihr noch andere für Kinder spannende Wanderungen im Allgäu kennt, würde ich mich über eure Tipps freuen. Weiter unten könnt ihr gerne kommentieren.

Eine Tour ganz in der Nähe findet ihr hier.

Fakten und Fazit:

  • Startpunkt ist Reichenbach bei Oberstdorf im Allgäu (kostenpflichtiger Parkplatz)
  • 650 Höhenmeter,  ca 2,5 h Gehzeit (eine Strecke)
  • Wanderschuhe notwendig! Trekkingstöcke können nützlich sein, behindern allerdings auch während der kleinen Klettereinlagen
  • Der Weg durch den Tobel ist schattig, der weitere Aufstieg zum See dagegen sehr sonnig
  • Achtung bei Nässe, könnte rutschig werden
  • Noch mehr Achtung bei Gewitter, viele metallische Sicherungen
  • Ideal für Kinder, um erste anspruchsvollere Erfahrungen im Gebirge zu sammeln und Spaß an Wandertouren zu bekommen
  • Für Hunde machbar, sollten aber beim oberen Teil geländegängig sein. Viele Wasserstellen. Kühe rund um die Alpe, aber nicht viele

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8 Gedanken zu „Familienwandern zum Gaisalpsee im Allgäu

    1. Hallo Melanie!
      Dankeschön für den Kommentar!
      Vielleicht könnt ihr euch ja für den Tobelweg eine Kraxe leihen, wenn eure Tochter dann noch reinpasst. Ich weiss gar nicht mehr, wie lange wir die genutzt haben…
      Ansonsten gibt es im Allgäu ja noch viele andere Sachen zu entdecken, die man mit kleinen Kindern machen kann. Viel Spaß dabei!
      LG
      Carolin

      Gefällt 2 Personen

    1. Hallo Oliver!
      Vielen Dank für Deinen netten Kommentar!
      Im Oberallgäu findet man, finde ich, ganz viele familiengeeignete Touren. Vor allem auch solche, die spannend für Kinder sind. Gerade die Tobelwege um Oberstdorf herum machen Spaß!
      Viele Grüße
      Carolin

      Gefällt mir

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