Das Chaos auf vier Pfoten – Unser Wanderbegleiter

Seit etwas mehr als einem Jahr gehört Panda, ein spanischer Hütehund zu unserer Familie. In seiner ersten Lebenszeit hat er schon 3 Tierheime in seinem Heimatland und dann in Deutschland kennengelernt. Sonst nicht allzu viel, wie wir immer wieder feststellen durften.

Hielt man ihn in seiner letzten Vermittlungsstelle noch für einen unkomplizierten, für Anfänger geeigneten Mischling, stellte sich innerhalb weniger Tage eher das Gegenteil heraus. Je mehr er auftaute, umso mehr Macken und Versäumnisse kamen zum Vorschein.

An nichts, was ein Hund an Umweltreizen kennen sollte, um einigermaßen stressfrei in einem urbanen Land wie diesem leben zu können, ist er als Welpe gewöhnt worden. Dazu schien er nicht irgendein Mischling zu sein. Nee, in ihm steckt höchstwahrscheinlich eine sehr ursprüngliche und selbständig arbeitende Hütehundrasse, nämlich der Careas leones. Ein ausdauerndes Arbeitstier, das stundenlang Wanderschafherden begleitet und bewacht. Und dies gerne selbstständiger als die meisten anderen hier bekannten Hütehundrassen.

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Verwandt ist dieser Hundeschlag mit den Altdeutschen Hütehunden. Hunde, die von manchen Züchtern gar nicht so gerne in Privathände gegeben werden, da in ihrer Erziehung und Auslastung soviel falsch gemacht werden kann.

Na prima, da hatten wir Hundelaien uns eine (noch dazu pubertierende) Großbaustelle ins Haus geholt. Zwei Riesenprobleme waren seine mangelnde Frustrationstoleranz und das Ignorieren von Bewegungsreizen, was den Alltag und leider auch unsere Spaziergänge und Wanderungen nicht immer ganz leicht macht(e).

Aber nach den ersten sehr anstrengenden und manchmal verzweifelten ersten Monaten geht es nun bergauf. Den ein oder anderen Rückfall muss man immer miteinkalkulieren, aber da unsere Bindung eine ganz andere ist als anfangs, können wir damit gut umgehen.

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Wanderurlaube haben wir in dem letzten Jahr zwei mit Panda gemacht.

Galtür in Tirol sowie die Dolomiten waren unsere Ziele. Beide Aufenthalte haben besser geklappt als vermutet, aber sie waren auch mit Einschränkungen verbunden.

Jeden Tag morgens loslaufen, zwischendurch in Hütten einkehren und abends irgendwann wieder nach Hause kommen, war nicht immer möglich. Panda ist schnell reizüberflutet. Auch wenn ihn die Bergwelt mehr beruhigt, er sich sichtlich wohl dort fühlt, gibt es so viel neues zu sehen und riechen für ihn. Und sovieles, was er gerne hüten würde: andere Wanderer, Kühe, Paraglider oder wie in Galtür die immer häufiger vorkommenden E-biker.

Irgendwann ist dann seine Impulskontrolle verbraucht. Je nach Tagesform mal eher, mal später. Er ist dann so gestresst ist, dass nicht mehr abzusehen ist, ob er vielleicht wegen einer Kleinigkeit wieder ausrastet. Um dem vorzubeugen, müssen wir Touren schon mal abbrechen. Auch allzu schmale Pfade haben wir bisher eher vermieden. Käme uns dort ein anderer Hund entgegen, wäre uns ein Ausflippen, wenn nicht zusammengespielt werden kann, ebenfalls sicher.

In Galtür wollten wir deshalb mit ihm auch nicht Rast in den Hütten und Almen machen. Es wimmelte dort nur so vor anderen Hunden. Und bei dem Theater, was er veranstaltet hätte, wenn er nicht mit seinen Artgenossen um Tische und Bänke hätte rasen können, hätten wir keine Brotzeit mit Genuss verspeisen können.

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In Südtirol hat das ganze schon besser geklappt, allerdings war es dort im Herbst auch etwas ruhiger.

Für dieses Jahr sind wieder 2 Bergurlaube geplant. Ich hoffe natürlich, dass wir weniger Rücksicht auf das Chaostier nehmen müssen und bin da auch ganz guter Dinge.

Nochmal Wandern und kaum einkehren und die großartige Küche der Alpen genießen zu können, das geht ja so gar nicht!

UPDATE: Ein Jahr später klappt übrigens alles viel, viel besser! Es ist nicht alles problemlos, Rückfälle gibt es immer noch, aber wir müssen uns nicht mehr so einschränken wie anfangs: Mit Hund in Galtür.

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7 Gedanken zu „Das Chaos auf vier Pfoten – Unser Wanderbegleiter

  1. Einen sehr hübschen Hund habt ihr 😉 Ich mag Tiere sehr gern und hab selber einen Stubentiger zuhause. Mit Katerchen kann man zwar nicht wandern, dafür aber super schmusen.
    Wie schön, dass ihr soviel Geduld mit ihm habt. Ich bin sicher, die Wanderungen helfen ihm sehr, seine Energie vernünftig zu verbrauchen 😉
    Liebe Grüße
    Maria

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  2. … bin gerade in deinen Blog reingestolpert… was du über euren Hund schreibst, kenne ich sehr gut von unserem Bobby! Wenn er Stress hatte, wollte er früher nur weglaufen. Er ist dann wie wild durch die Gegend gerast. Ansprechbar: Fehlanzeige. Aber wir haben ihn trotzdem überall mit hingenommen, wohl-dosiert natürlich. Mittlerweile klappt es sehr gut und das Vertrauen wächst immer weiter. Dieses Jahr wollen wir auch eine Hüttentour in Südtirol wagen… Bin gespannt, wie es bei euch weiter geht! Viele Grüße von Andrea

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    1. Hallo Andrea,

      schön, dass Du hierher gefunden hast und Ihr bei Eurem Hund soviel Erfolg schon habt.
      Mittlerweile merke ich auch, dass die Bindung wächst und dadurch viel mehr klappt als ich es mir anfangs erträumt hatte.
      Allerdings kommt es bei Panda auch oft auf die Tagesform an. Die ist sehr unterschiedlich. Oder aber ich reagiere nicht immer so gelassen, vielleicht liegt’s auch daran 😏.
      Euch viel Spaß in Südtirol, das ist eine klasse Gegend!
      Liebe Grüße
      Carolin

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  3. was für ein süßer Kerl 🙂
    ich drücke euch die Daumen, dass er schnell dazulernt und ihr dann etwas flexibler Urlaub machen könnt, mit Hund ist es zwar manchmal anstrengend aber das ist es auf jeden Fall wert
    lg

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    1. Danke Melli! Ich bin auch mal gespannt auf den nächsten Urlaub und ganz froh, dass wir bis dahin noch ein bisschen Zeit zum Üben haben!
      Liebe Grüße
      Carolin

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